Pfarrsprengel Karstädt-Land : „Es ist einfach an der Zeit, zu gehen“

„Ein Pfarrer hat natürlich auch ein Büro und einen Schreibtisch“, sagt Pfarrer Albrecht Preisler schmunzelnd. Beides wird für ihn künftig nicht mehr in Karstädt stehen, sondern in Basdorf.
„Ein Pfarrer hat natürlich auch ein Büro und einen Schreibtisch“, sagt Pfarrer Albrecht Preisler schmunzelnd. Beides wird für ihn künftig nicht mehr in Karstädt stehen, sondern in Basdorf.

Pfarrer Albrecht Preisler verlässt den Pfarrsprengel Karstädt-Land. Der 39-Jährige will etwas Neues ausprobieren und geht in die Kirchengemeinden Basdorf, Wandlitz und Zühlsdorf.

svz.de von
05. Juli 2014, 08:00 Uhr

1300 Kirchenmitglieder zählt der Pfarrsprengel Karstädt-Land. Und sie sind am Sonntag um 14 Uhr in die Karstädter Kirche eingeladen, um ihren Pfarrer Albrecht Preisler zu verabschieden. Nach acht Jahren Dienst verlässt der 39-Jährige mit seiner Ehefrau Maria und den beiden Söhnen Johannes (wird nächste Woche sieben Jahre alt) und Jakob (fünfeinhalb) zum 15. Juli die Westprignitz. Einen Tag später tritt er die Pfarrstelle für die Kirchengemeinden Basdorf, Wandlitz und Zühlsdorf (Landkreis Barnim) an.

Für viele in der Gemeinde Karstädt und weit darüber hinaus ein Verlust. „Die meisten bedauern es, dass ich weggehe. Es tut einem gut, wenn die Leute das zu einem sagen. Aber sie haben auch bedauert, dass meine Vorgänger gegangen sind. So hoffe ich, dass sich mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin, wenn die Entscheidung gefallen ist, hier auch sehr gut einleben wird“, sagt Albrecht Preisler. „Ich habe mich von Anfang an hier in der Gemeinde wohl gefühlt“, so der Pfarrer, der nach seinem Theologiestudium in Bonn und Berlin sowie dem Vikariat in Berlin danach zwei Jahre in den Pfarrsprengel Karstädt-Land entsendet wurde. Auf die Frage, warum er Pfarrer geworden ist, antwortet er schmunzelnd: „Wenn ich das wüsste… Aber schon Ende der 10. Klasse stand der Berufswunsch fest, Pfarrer zu werden. Und während des Studiums wurde mir richtig klar, wie viel es mir bedeutet, mein Leben durch den Glauben getragen zu wissen. Das will ich anderen Menschen weitergeben“, erklärt Preisler.


„In allen Dörfern gegenwärtig sein“


„Nach den zwei Jahren Entsendungsdienst wurde in Karstädt die Pfarrstelle frei und ich habe mich leichten Herzens beworben. Das ist alles relativ nahtlos ineinander übergegangen“, erinnert sich der gebürtige Berliner, für den es immer sehr wichtig war und ist, „in allen Dörfern gegenwärtig zu sein und so auch am normalen Dorfleben teilzunehmen, zum Beispiel bei einem Jubiläum oder Fest, dabei zu sein.“ Und zum Pfarrsprengel Karstädt-Land gehören neben Karstädt etliche Dörfer: Postlin, Premslin, Glövzin, Blüthen, Strehlen, Nebelin, Mesekow, Laaslich, Dergenthin, Sükow und Schönfeld. Und gerade aktuell – und ganz weltoffen: Es ist Public Viewing zur Fußball-WM im Gemeindehaus angesagt. „In diesem Jahr ist es ganz unterschiedlich, mal sind 30 Leute da, mal nur zwei. Ich freue mich sehr, dass viele Jugendliche das Angebot annehmen. Es macht Spaß“, bemerkt Preisler.

In den vergangenen Jahren sanierten die Kirchengemeinden einige Gotteshäuser in ihren Dörfern wie in Nebelin. Das erforderte auch Schriftarbeiten. „Ein Pfarrer hilft da natürlich mit und hat auch ein Büro und einen Schreibtisch“, sagt er schmunzelnd. Der 39-Jährige hebt hier die „gute Zusammenarbeit mit dem Gemeindekirchenrat“ hervor: „Ich bin dafür dankbar. Ich habe die Offenheit als großes Geschenk empfunden. Ich habe dabei viel gelernt, wie man miteinander umgehen kann.“ Auch lag und liegt dem Kirchengemeinderat sowie Preisler viel an der Errichtung des Landpfarrhaus-Museums in Blüthen. Dieses Projekt beinhaltet, dass die Bedeutung und Perspektive des evangelischen Landpfarrhauses aufbereitet wird. Das meiste ist saniert, bis 2016 soll das Projekt fertig sein.


Die Nähe zu Berlin spielte keine große Rolle


Das wird Albrecht Preisler als Pfarrer im Pfarrsprengel Karstädt-Land nicht mehr miterleben. Denn für ihn und seine Familie ist es an der Zeit, Karstädt zu verlassen, um etwas Neues auszuprobieren. „Es ist durchaus üblich, dass Pfarrer in einem Zehn-Jahres-Rhythmus wechseln. Es schleifen sich bestimmte Verhaltensmuster ein. Da bleibt wenig Raum für Neues oder über bestimmte Dinge nachzudenken“, meint Albrecht Preisler. Er „hat immer mal wieder darüber nachgedacht, zu gehen. Auch damals nach meinem Entsendungsdienst. Oder auch vor einem Jahr, aber da hat meine Frau dort keine Lehrerstelle bekommen“, erklärt der Familienvater. Diesmal klappte es, die Grundschullehrerin wird in der Nähe des neuen Zuhauses unterrichten. Fest stand für die junge Familie, dass sie nur in den Sommerferien wechselt. „Wir haben mehrere Bewerbungen geschrieben. Die Nähe Basdorfs zu Berlin spielte keine große Rolle.“

„Jede neue Stelle zwingt einen dazu, darüber nachzudenken, was man in den nächsten Jahren Neues ausprobieren möchte“, meint der scheidende Karstädter Pfarrer. Etwas Neues wollte er auch im Herbst des vergangenen Jahres ausprobieren, als er sich zur Wahl des Superintendenten für den Landkreis Prignitz stellte. Doch das wurde bekanntlich Oliver Günther. „Es ist eine Wahl, die kann nur einer gewinnen. Es gehört sich aber, dass ich den Kirchenkreis verlasse. So kann Superintendent Günther ganz unbeschwert anfangen“, sagt Preisler. „So ist es einfach an der Zeit, zu gehen.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen