Weihnachtsaktion „Wünschewagen“ : „Es ist ein Freudewagen“

Das Innere des Wagens ist so komfortabel wie möglich ausgestattet. Viola Duskat (r.) kann sich davon überzeugen, während das ASB-Team ihr alles erklärt.
Das Innere des Wagens ist so komfortabel wie möglich ausgestattet. Viola Duskat (r.) kann sich davon überzeugen, während das ASB-Team ihr alles erklärt.

Die Idee aus den Niederlanden, Schwerkranken ihre letzten Wünsche zu erfüllen, ist auch hierzulande eine Erfolgsgeschichte

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18. Dezember 2017, 21:00 Uhr

„Ich habe eine soziale Ader“, bringt Karola Losensky den Grund für ihr ehrenamtliches Engagement auf den Punkt. Sie gehört von Anfang an zur (stets wechselnden) Besatzung des Wünschewagens des Brandenburger Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Mit diesem werden Schwerkranken ihre letzten Wünsche erfüllt. „Das kann alles sein. Einfach nochmal Zuhause im Wohnzimmer zu sitzen, an die Ostsee zu fahren oder bei der Hochzeit der Kinder dabei zu sein“, erzählt ASB-Sprecherin Cindy Schönknecht am Montag, als sich das Mobil auf dem Wittenberger Paul-Lincke-Platz präsentiert.

Erst vergangenen Freitag begleitete Karola Losensky einen Fahrgast, wie die Betroffenen heißen, zur Hochzeit seines Sohnes nach Teltow. Gut 13 Stunden war sie unterwegs. Aber das war es wert. „Wir haben den Mann vom Hospiz abgeholt, sind dann zum Standesamt gefahren, danach zum Empfang beim Sohn daheim, anschließend in die Gaststätte und gegen 21 Uhr war der Tag für den Fahrgast zu Ende.“ Heute steht eine Tour in den Tagebau nach Welzow auf dem Plan. Der Gast – er lebt im Hospiz in Lauchhammer – weiß, dass es diesen Ausflug gibt, aber nicht, was genau geplant ist. „Er sitzt im Rollstuhl, hat im Tagebau seine Ausbildung absolviert und wollte nochmal an seine alte Wirkungsstätte zurück. Wir machen mit ihm unter anderem eine Jeep-Tour durch den Tagebau“, blickt Cindy Schönknecht voraus. Es sei schon schwer, immer das Einzelschicksal auszublenden, oft stünden den Helfern die Tränen in den Augen – auch gestandenen Männern. „Aber an dem Tag geht es darum, das derjenige Spaß hat. Man redet über so vieles. Am Ende ist es, als würden wir uns zehn Jahre kennen. Es ist ein Freudewagen“, ergänzt Karola Losensky.

Etwa 23 000 Kilometer hat der Wünschewagen in diesem Jahr in 31 Touren zurückgelegt. Bei jeder ist ein Fahrer dabei, sowie ein Notfallassistent und eine medizinische Fachkraft. Alle machen das ehrenamtlich. „Vor jeder Fahrt muss uns auch die Patientenverfügung im Original vorliegen, damit die Kollegen im Ernstfall wissen, wie sie handeln sollen“, sagt ASB-Landesgeschäftsführer Jürgen Haase. Bisher ist niemand im Wünschewagen verstorben.

In dem Kleinbus sorgen kleine LED-Lichter für einen Sternenhimmel, es gibt ein CD-Radio für die individuellen Musikwünsche des Fahrgastes. Außerdem sind ein Defibrillator, ein Absauggerät und ein Erste-Hilfe-Rucksack dabei. Inklusive der Umrüstung kostet der Wagen 100 000 Euro. Nur wenn der behandelnde Arzt sein Einverständnis gibt, wird eine Tour in Angriff genommen. Manchmal haben die Organisatoren des ASB nur wenige Tage oder Wochen Zeit. „Grundsätzlich besteht bei allen, bei denen wir anfragen, eine große Bereitschaft uns zu unterstützen“, weiß Cindy Schönknecht. 31 Ausflüge waren es in diesem Jahr. Etwa doppelt so viele wurden geplant. Die Gründe für Absagen sind vielfältig. Der Fahrgast möchte nicht mehr, sein Arzt rät doch ab und so weiter. Die Idee für den Wünschewagen stammt aus den Niederlanden. Zum ASB kam sie aber über einen Umweg. „Ein Kollege aus Essen war vor einigen Jahren in Israel im Urlaub und sah ein Fahrzeug, das auffällig beklebt war. Er fragte, worum es sich handelte und dann wurde der Wünschewagen 2014 in Essen ins Leben gerufen“, berichtet Jürgen Haase. In Brandenburg rollt er seit vergangenem Jahr. Aktuell hat der ASB deutschlandweit 17 solcher Fahrzeuge. Wenn Thüringen und Sachsen-Anhalt kommendes Jahr nachgezogen haben, verfügt jedes Bundesland über einen Wünschewagen, einige haben sogar zwei. „Dann sind wir bei 22 Autos“, so Haase.

Im Namen seiner Kollegen bedankt er sich für die große Spendenbereitschaft bei den Prignitzern. Bis gestern Früh waren 11 300 Euro zusammengekommen. Nochmal 266 Euro gingen mittags in die Spendenbüchse auf dem Lincke-Platz. „Das ist überwältigend“, freut sich Jürgen Haase.

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