"Es ist der traurige Höhepunkt in der Pannenreihe"

Ratlose Gesichter:  Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD, links) gestikuliert  in Schönefeld  neben Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).  Foto: dpa
Ratlose Gesichter: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD, links) gestikuliert in Schönefeld neben Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Foto: dpa

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08. Mai 2012, 07:48 Uhr

Berlin/Potsdam | Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte, die Geschäftsführung des Flughafens werde die Frage beantworten müssen: "Hätte man das nicht vorher schon erkennen können?" Die Gesellschafter behielten sich Regressforderungen vor. Personelle Konsequenzen schloss der Regierungschef aus. "Was soll das bringen, jetzt Köpfe rollen zu lassen", fragte er. "Ich brauche jeden, der jetzt dafür arbeitet, dass der Flughafen möglichst schnell eröffnen kann."

Harte Worte findet die CDU-Vorsitzende in Brandenburg, Saskia Ludwig. "Die erneute Verschiebung der Flughafeneröffnung ist ein großer Imageschaden für Brandenburg. Es ist ein Skandal und der traurige Höhepunkt in der Pleiten-, Pech- und Pannenreihe, die Herr Platzeck zu verantworten hat. 26 Tage vor dem geplanten Flughafenstart ist es unglaubwürdig, dass eine Entrauchungsanlage der einzige Grund für die Verschiebung ist." In dieselbe Kerbe schlägt Gregor Beyer, FDP-Vorsitzender in Brandenburg: "Die Verschiebung der Eröffnung ist ein Debakel. Sie ist ganz offensichtlich auf Fehler im Management und auf Schlamperei im Aufsichtsrat zurückzuführen."

Verständnis für die Verschiebung zeigte Kornelia Wehlan, verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Brandenburger Landtag. "Für die Linke steht die Sicherheit der Menschen vor wirtschaftlichen Erwägungen. Deshalb ist es nur folgerichtig, wenn aus baulichen Gründen die Eröffnung des Flughafens verschoben wird", sagte sie. Ähnlich äußert sich auch Ralf Holzschuher, SPD-Fraktionschef im Brandenburger Landtag: "Sicherheit geht vor Schnelligkeit. Solange auch nur der geringste Zweifel besteht, dass der Flugbetrieb nicht ordnungsgemäß gewährleistet werden kann, ist die Verschiebung der Eröffnung verständlich." Sogar positive Seiten sind der Verschiebung abzugewinnen. "So ärgerlich diese kurzfristige Terminverschiebung für dieses wichtige Infrastrukturprojekt ist: Sie hat auch ihre positiven Seiten. Die gewonnene Zeit muss jetzt genutzt werden, um die Defizite bei der Umsetzung von Lärmschutzmaßnahmen zu beseitigen", sagt David Eberhart, Sprecher des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen.

Im Internet machte sich gestern prompt Hohn und Spott breit. In dem 140-Zeichen-Dienst Twitter setzten viele Nutzer ihre Nachrichten unter dem Stichwort ("Hashtag") #BERfail ab, in Anlehnung an das neue Flughafenkürzel BER. Nutzer hinterließen unter dieser Kennung unter anderem Einträge wie "ProblemBER. Weder abnahme- noch sonst irgendwie fähig", "Wir können alles, außer fliegen" und "Be zu teuer, Be verspätet" - hier in Anlehnung an den Werbeslogan der Hauptstadt "Be Berlin". Aus dem neuen Flughafen Willy Brandt wurde zudem "Willy Brandtschutz".

Nach der verschobenen Eröffnung des Flughafens müssen nach Ansicht der Friedrichshagener Bürgerinitiative die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Es seien die gleichen Personen, die jahrelang die Bürger im Unklaren gelassen hätten, betonte die Bürgerinitiative. Die Verzögerung werde die Steuerzahler viele Millionen Euro kosten, die dann bei anderen Projekten fehlen.

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