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Der Prignitzer

19. November 2017 | 06:18 Uhr

Wittenberge : Es hakt am Sonderpädagogen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lisa (7) ist blind und braucht spezielle Hilfe. Sie möchte zur Schule gehen. Das scheint die Ämter vor ein Problem zu stellen.

von
erstellt am 22.Mär.2017 | 08:00 Uhr

Unzählige Schreiben und Gespräche gab es mittlerweile zwischen der Familie Bazan und verschiedensten Ämtern. Kraft haben Peter Bazan und seine Frau Kamila kaum noch. Dabei wollen sie nur, dass ihre Tochter Lisa (7) ein glückliches Kind sein kann.

Das Mädchen ist blind, was die Ämter vor ein Problem zu stellen scheint. Erst bewilligte das Sozialamt Lisa nur nach zähem Ringen und einem eingeschalteten Anwalt einen Einzelfallhelfer für den Kitaplatz in Wittenberge. Nun soll die Kleine eingeschult werden, doch wo, ist bisher unklar. „Lisa ist zu hundert Prozent schwerbehindert und benötigt spezielle Hilfe im Alltag. In der Kindertagesstätte hat sie eine Einzelfallbetreuerin an ihrer Seite, die sie zum Beispiel beim Toilettengang unterstützt“, erzählt Kamila Bazan.

Die Familie zog im Sommer vergangenen Jahres aus dem niedersächsischen Cloppenburg nach Wittenberge, weil Peter Bazan von hier stammt. „In Cloppenburg lief es mit der Betreuung reibungslos und wir dachten, es würde hier genauso sein“, er. Doch das war ein Irrtum. Über Monate konnte Lisa nicht in die Kita, weil das Sozialamt die Kosten für den Einzelfallhelfer, der über die Lebenshilfe organisiert wurde, nicht übernehmen wollte. Dann kam der positive Bescheid, Lisa erhielt einen Integrationsplatz in der Kita im Horning und fühlt sich laut Aussage der Eltern dort sehr wohl, sei aufgeblüht.

Doch nun steht das nächste Problem vor der Tür. Das Mädchen soll eingeschult werden. Das zuständige Schulamt in Neuruppin kann allerdings keinen Sonderpädagogen für Lisa finden. „Er soll sie im Unterricht begleiten und muss dafür die Blindenschrift beherrschen. Das kann aber keiner“, so Peter Bazan. Dazu kommt, dass die Klassen in der Prignitz voll sind. So bleibt nach aktuellem Stand nur, Lisa in eine Schule nach Königs Wusterhausen zu schicken. „Das ist aber mit einem Internatsaufenthalt verbunden. Doch das wollen wir nicht. Lisa soll bei uns sein. Sie braucht den Kontakt zu ihren Eltern“, weiß Kamila Bazan. Sollte nur dieser Schulplatz infrage kommen hieße das für die Familie, wieder umzuziehen. Doch die finanzielle Lage ist angespannt, Peter Bazan sucht nach einer Arbeitsstelle als Kraftfahrer.

Im Schulamt weiß man um die schwierige Situation der Familie. „Wir haben eine landesweite Stellenausschreibung für einen Sonderpädagogen herausgegeben, der die Blindenschrift beherrscht. Bisher gab es leider keine Reaktion“, erklärt Bernd Thiel, Schulrat bei der Neuruppiner Behörde und zuständig für den Bereich Sonderpädagogik. Im Gespräch betont er, dass für Lisa eine „wohnortnahe“ Schule gefunden werden soll. „Das ist mein oberstes Ziel.“ Allerdings dürfe die Klasse nicht zu groß sein, damit die Siebenjährige angemessen betreut werden kann. Sollte das nicht gelingen, wäre Königs Wusterhausen tatsächlich die einzige Lösung in Brandenburg, weil sich dort die Förderschule befindet.

Dass der Fall besonders ist, bestätigt Bernd Thiel. „Solange ich im Schuldienst bin, gab es in der Prignitz kein Kind, das völlig blind war. Schwere Sehbehinderungen gab es durchaus, aber kein Kind mit völliger Blindheit.“ Denkbar wäre auch, dass Lisa in eine Einrichtung in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern geht. Familie Bazan prüft diese Möglichkeit, kann aber kaum auf Hilfe vom Schulamt hoffen. „Für uns ist diese länderübergreifende Suche schwierig. Aber die sonderpädagogische Beratungsstelle des Kreises ist dort mit eingebunden“, so Thiel. Aktuell sieht es so aus, als könnte Lisa im Sommer in die Blindenschule ins etwa 80 Kilometer entfernte Tangerhütte. „Aber das hiesige Schulamt muss dafür erst einen Amtshilfe-Antrag beim Schulamt in Magdeburg stellen, damit sie einen Platz bekommen kann“, erklärt Peter Bazan. Damit seine Tochter bestmöglich lernen kann, erwägt er einen Umzug in den Raum Osterburg. „Den Umzug können wir uns aber nicht alleine leisten. Vielleicht kann uns die Lebenshilfe unterstützen.“ Bis zum Mai soll es eine Lösung für Lisa geben. Dann steht der nächste Gesprächstermin mit allen Beteiligten an.

 

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