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Der Prignitzer

19. November 2017 | 21:02 Uhr

Es fliegen Beine, Röcke und Konfetti

vom

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erstellt am 10.Feb.2013 | 07:26 Uhr

Lanz/Reetz | Wenn sich in Lanz das närrische Volk in der Gaststätte Paesler versammelt, muss sich Bürgermeister Hans Borchert - ob er nun will oder nicht - von seinem Amtsschlüssel trennen. Huldvoll nahmen am Samstagabend Prinzessin Kerstin und ihr Prinz Günter die Macht insignie entgegen. Dem ausgelassenen Treiben stand nichts mehr entgegen. "Es ist nicht leicht, sich immer wieder selbst zu toppen, aber ich glaube, wir haben es wieder einmal geschafft", sagt der Präsident des Lanzer Carneval Clubs Sven Gottschalk. Zum Einstieg in die närrische Zeit hatten den Präsidenten und seine zehn Minister allerdings die Sorgen geplagt. Das Prinzenpaar war plötzlich ausgefallen. Eine Saison ohne Majestäten? Undenkbar. Das Lanzer Ehepaar Kerstin und Günter Pump sprangen nicht nur dankenswerterweise ein, sondern entpuppten sich als karnevalistischer Glücksgriff. Was den Minister für Poesie, Jörg Molz, auch gleich zu einer "Ode an Ihre Majestät" veranlasste.

Deftig, hier und da hintersinnig und mit so mancher Anspielung auf die kleine wie die große Politik vom Eichenprozessionsspinner bis hin zur Bundeskanzlerin sorgte Dorfreporter Rolf Graf für die Bildung des Narrenvolks.

Fürs Auge gab es jede Menge. Ob LCC-Nachwuchs, Funkengarde, Showtanz-Gruppe oder zu späterer Stunde das Männerballett. Den Besuchern im rappelvollen Saal gefiel es. Und LCC-Präsident Gottschalk kann nicht ohne Stolz vermelden, dass 60 Akteure beim Programm mitmachen, in der Regel alles Lanzer. Karneval ist nicht nur Vergnügen und Spaß, sondern artet auch in Arbeit aus. Spätestens im August beginnen die Vorbereitungen der einzelnen Gruppen. "Die Tanzmädchen fangen noch früher an", weiß der Chef. "Wenn dann aber die Plätze ausverkauft sind, sich alle amüsieren, dann ist das der beste Lohn", sagt Gottschalk. Seinen ersten Büttenabend in diesem Jahr hat der Lanzer Carneval Club absagen müssen. Die Karten verkauften sich nicht. Dafür war dann am Samstag die Nachfrage so groß, dass nicht alle einen Platz bekamen.

Ähnlich stimmungsvoll ging es im Gasthaus Muhs in Reetz zu. Wenn es auch, wie in jedem Jahr, kein Motto gab, so vereinte doch alle der Schlachtruf "In Reetz, da geht’s". Seit 24 Jahren nun schon prangt der Spruch über der Veranstaltung und ist für viele mittlerweile zum Synonym des örtlichen Faschings geworden. So bestand das Faschingsvolk aus bunt zusammengewürfelten Kostümen und gerade deshalb fanden viele Gäste wie zum Beispiel Ulrike Schondorff aus Streesow und Kathleen Hagedorn aus Perleberg ausschließlich lobende Worte für den Reetzer Fasching. " Es ist hier so familiär, man trifft alte Bekannte und Freunde und jeder kann sich mit seinem Kostüm individuell ausleben." Ebenso überzeugte auch das Programm mit seiner Vielfalt.

"Wir haben ungefähr zwölf Gruppen und jede macht ihr eigenes Ding", erzählt der Vereinschef des Reetzer Faschingsclubs (RFC) Rüdiger Staffehl. Also egal, ob Büttenrede, Showtanzgruppe, Sketche oder bayerisches Liedgut, wer wollte, konnte sich auf die Programmbühne wagen. So auch die Reetzer Minis, die mit ihrem Tabaluga-Rockmärchen genauso wenig ohne Zugabe davon kamen, wie die männliche Funkengarde des RFC, die zum ersten Mal ihr Können zeigte. Vor allem einer wurde mit lautem und lang anhaltendem Applaus bedacht. Gerhard Beuster, fast 90 Jahre alt, ließ es sich nicht nehmen, vor den etwa 120 Gästen mehrere Lieder mit Textzeilen wie "Man ist so jung, wie man sich fühlt, wenn man immer noch die erste Geige spielt", vorzutragen.

Und während Gerhard Beuster in einem weiteren Lied bereits weit in die Zukunft blickte und seinen 100. Geburtstag ankündigte, so steht dem RFC auch in naher Zukunft noch eine große Ehre ins Haus. "Wir fiebern dem 16. Februar entgegen, denn dann richten wir das 22. Präsidententreffen aus", erzählt Staffehl. Im Wittenberger Kultur- und Festspielhaus kommen dann alle zehn Vereine aus dem Landkreis Prignitz sowie aus Wittstock und Barenthin zusammen und feiern unter sich. Doch sicher wird es auch da das ein oder andere Mal heißen: "In Reetz, da geht’s".

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