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Hochwasserschutz Prignitz : Erster Bauabschnitt des Rehwischdeichs fertig

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Am ESV-Sportplatz ist der Rehwischdeich bereits erneuert, auf Höhe des Delphinbades liegen die Arbeiten gut im Zeitplan

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erstellt am 23.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Die schier ungeheuren Erdmassen, die die Baufahrzeuge derzeit zwischen dem ehemaligen Delphinbad und den Stepenitzwiesen hin- und herschieben, lassen ungefähr erahnen, mit welchem Aufwand die Sanierung des Rehwischdeichs verbunden ist. Noch ein Jahr zuvor kämpften hier Feuerwehrleute und Soldaten mit Tausenden Sandsäcken für die Standfestigkeit des Walles und konnten am Ende einen Bruch verhindern.

„Der Deich wurde im Juni 2013 förmlich kaputt gerettet“, sagt Wassili Simou, Wasserbauingenieur beim Landesumweltamt (LUGV) und Oberbauleiter am Rehwischdeich, während er die Baufahrzeuge beobachtet. „Die Rettungsmaßnahmen haben den alten Deich extrem belastet, immerhin mussten auf die gesamte Länge drei bis fünf Lagen Sandsäcke aufgelegt werden. Dazu die Beeinträchtigung der Grasnarbe durch Betreten der Böschungen, erschwerte Transportbewegungen auf der Landseite, kein Deichverteidigungsweg, kurzum, hier musste zeitnah gehandelt werden, denn der Aufwand, den Deich im Notfall zu sichern, ist viel zu groß, sodass der Neuaufbau hier die einzig sinnvolle Lösung war“, fasst der Fachmann zusammen.

Der Rehwischdeich sei über die Jahre immer wieder erhöht worden, entspricht aber nicht annähernd den Vorgaben, nach denen heute derartige Hochwasserschutzbauten errichtet würden. „Das geht schon beim Material los“, sagt Simou und greift in den gelben Sand. „Der ist viel zu feinkörnig. Man kennt das vom Strand: Die Burg hält, solange der Sand feucht ist. Wird er trocken, bröselt alles auseinander. Heute verwenden wir Sand-Kies-Gemisch mit Fein- und Grobkornanteilen, das lässt sich deutlich besser verdichten und verzahnt sich richtig. Weiterhin sind die Böschungen heute viel flacher, und ein Deichverteidigungsweg auf der Rückseite gehört auch dazu – der musste hier 2013 stellenweise notdürftig angelegt werden“, sagt Simou.

Der erste Bauabschnitt des Deiches, der in etwa auf Höhe des Sportplatzes verläuft, ist inzwischen fertiggestellt. Hier war es für die ausführenden Baufirmen relativ einfach. „Vom alten Deichkörper wurde die Grasnarbe entfernt und der Oberboden abgetragen, das vorhandene Material verdichtet und zusätzliches Material aufgebracht, um auf die Bemessungshöhe zu kommen. Zudem wurde die Böschung landseitig verbreitert und abgeflacht“, erläutert Simou die Arbeitsschritte. „Anschließend kam ein sogenanntes Filterprisma an den Deichfuß, und es wurde neuer Rasen angesät. Was jetzt noch fehlt, ist der Deichverteidigungsweg aus einer Schottertragschicht auf der Deichkrone. Dadurch kann der Deich auch als Weg für Fahrradfahrer und Fußgänger genutzt werden.“ Diese Arbeit würde aber erst erledigt, wenn auch der zweite Bauabschnitt soweit fertig ist.

Hier brachten die Altlasten aus dem Krieg nicht nur den Zeitplan, sondern auch die Kostenkalkulation durcheinander. „Die Sondierung des Baugrundes und die Bergung der gefundenen Bombe haben die Gesamtkosten für den Deichbau von zunächst 600 000 Euro auf rund eine Million hochgetrieben“, sagt Wassili Simou. Im Raster von zwei mal zwei Metern waren seit Mitte März Bohrungen in die Erde getrieben worden, um mit Spezialgeräten mögliche Blindgänger aufzuspüren. Bis alles abgesucht und die schließlich gefundene Bombe entschärft war, ruhten die Bauarbeiten.

Doch noch ein weiteres Problem ergab sich aus den Bohrungen: „Der ganze Untergrund sah danach wie ein Schweizer Käse aus, so dass hier der Altdeich abgetragen und der Boden mit Spezialgerät zunächst in der Tiefe verdichtet werden musste. Aktuell erfolgt im ersten Teil des zweiten Bauabschnitts der Neuaufbau des Deiches, wobei auch das alte Material wiederverwendet wird.“ Ein paar Meter weiter hat ein Bagger nicht nur den Altdeich abgetragen, sondern sich rund zwei Meter tief in die Erde gebuddelt. Hintergrund ist der Fund von Schotter und Bauschutt im Altdeich. „Das muss raus, das hat im Deich nichts zu suchen“, erklärt der Ingenieur. In ein bis zwei Wochen sei der Deichkörper in diesem Abschnitt fertig, man liege gut im Plan, um den für Anfang November avisierten Termin zum Abschluss der Arbeiten zu halten.

Nicht zuletzt der konsequenten Arbeit der Unteren Wasserbehörde sei es zu verdanken, dass der Rehwischdeich innerhalb eines dreiviertel Jahres quasi komplett erneuert wurde. „Die Kollegen haben eine klare Ordnungsverfügung im Sinne der Gefahrenabwehr erarbeitet, die das Land, als Eigentümer der Deiche, schnellstmöglich umzusetzen hatte“, sagt Wassili Simou. Unter normalen Bedingungen hätten Planung und Bau wahrscheinlich mehrere Jahre gedauert.

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