Missglückter Schulstart : Erste Woche auf der Lerninsel

Heinz Wolfram zeigte den Jahnschülern, wie sich kleine Schäden am Fahrrad mit wenigen Handgriffen beheben lassen.
Heinz Wolfram zeigte den Jahnschülern, wie sich kleine Schäden am Fahrrad mit wenigen Handgriffen beheben lassen.

Wittenberger Jahnschule kompensiert Planungsverzug mit ungewöhnlichem Projekt

svz.de von
08. September 2015, 12:00 Uhr

Mit geschickten Handgriffen zieht Heinz Wolfram den Reifenmantel von der Fahrradfelge und legt den Schlauch frei. Elf Augenpaare schauen gespannt zu. „Wenn ihr unterwegs seid, habt ihr aber kein Wasser, um den Schlauch einzutauchen und durch die Blasen das Loch zu finden. Also heißt es aufpumpen und fühlen, am besten den Schlauch vors Gesicht halten, denn da ist die Haut sehr empfindlich.“

Was Heinz Wolfram, zwölf Jahre lang Hausmeister in der Jahnschule, am Donnerstag im Werkraum zeigt, könnte durchaus auch als Werkunterricht durchgehen. Dass der Senior hier aushilft und den Steppkes praktisches Alltagswissen vermittelt, ist eine Folge von Planungsverzug in der Schulverwaltung. „Die Stundenkontingente kamen kurz vor Ende der Ferien, also viel zu spät, um vernünftig Stundenpläne aufzustellen“, sagt Lehrer Knut Tonagel. Also habe das Kollegium aus der Not eine Tugend gemacht und die erste Schulwoche in diesem Jahr einmal anders gestaltet.

„Wir haben die Woche unter das Motto ,Der Schlüssel zum leichten und schnellen Lernen‘ gestellt. Die ersten beiden Klassenstufen hatten Zeit, sich einzugewöhnen, und für die dritten bis sechsten Klassen haben wir Lerninseln in der Schule eingerichtet, in denen lehrplannah bestimmte Aspekte aus den verschiedensten Fächern vermittelt wurden.“ Dabei seien die üblichen Klassenstrukturen aufgebrochen und die Schüler in Gruppen eingeteilt worden. „So sollten sich alle auch ein bisschen besser kennen lernen.“

An den Lerninseln seien auch andere Lern- und Lehrmethoden ausprobiert worden. „Das selbstständige Arbeiten stand viel mehr im Fokus als sonst, auch neue Lernmittel haben wir eingesetzt, so Tonagel. Dabei habe die Schule auch auf bereits in den Ruhestand gegangene Kollegen und den Berufsnachwuchs gesetzt. Tonagels Tochter Theresa, die kurz vor ihrem Abschluss als Gymnasiallehrerin für Deutsch und Spanisch steht, führte die Steppkes spielerisch an die südeuropäische Sprache heran, Werner Konert, lange Jahre stellvertretender Schulleiter, gab sein Wissen im Zeichnen weiter.

„Durch die Unterstützung von außen hat die Schulleitung Zeit bekommen, um die Stundenpläne zu erstellen und den geregelten Lehrbetrieb vorzubereiten“, sagt Knut Tonagel, der der Notvariante für die erste Woche auch etwas Positives abgewinnen kann. „Die erste Woche ist für die jüngsten sowieso Eingewöhnungszeit, und die ,alten Hasen‘ unter den Schülern wiederholen vielfach Stoff aus dem vergangenen Schuljahr, quasi zum Warmwerden. Das haben wir dieses Jahr eben mal etwas anders gemacht, und durch unsere Gäste kam auch ein bisschen frischer Wind in die ganze Sache.“ 

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