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Der Prignitzer

19. November 2017 | 21:06 Uhr

Stepenitz : Erste Lachse zappeln im Netz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Biologen beginnen mit dem Abfischen und untersuchen die Tiere. Projekt „Lachs 2000“ läuft seit 1999

73 Meerforellen und zwei Lachse im Netz. Das ist das Ergebnis des ersten Fischzugs in diesem Jahr. Mitarbeiter vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow haben zusammen mit dem Landesanglerverband und freiwilligen Helfern die Netze ausgeworfen. In der Stepenitz suchen sie nach diesen besonderen Fischen.

Seit 1999 läuft das Projekt „Lachs 2000“ im Stepenitz-System. Jährlich werden Jungfische ausgesetzt und zurückkehrende Altfische gefangen. Sie werden untersucht, gewogen, gemessen, kleine Schuppen zur biologischen Untersuchung entnommen und die Meerforellen mit kleinen Fähnchen markiert. Das große Ziel ist die Wiederansiedlung dieser Fischarten und die jüngsten Ergebnisse klingen vielversprechend.

Zum Auftakt waren die Fischer im innerstädtischen Bereich von Perleberg unterwegs, um die großen Salmoniden zu finden und zu fangen, die zum Laichen in die Stepenitz gekommen sind. Wurden die Fische früher nach den Untersuchungen oberhalb von Perleberg wieder ausgesetzt, so führt sie ihr Weg nun zunächst nach Silmersdorf.

Hier betreibt der Verein Fario ein in Abstimmung mit dem Landesanglerverband Brandenburg errichtetes Bruthaus. Das heißt, die Lachse und Meerforellen werden hier so lange gehältert, bis sie laichreif sind. Dann werden die Eier und die Milch abgestreift und die befruchteten Eier in einer entsprechenden mit Wasser durchfluteten Anlage ausgebrütet, erklärt Mirko Beutling, der das Bruthaus ehrenamtlich betreibt. Die Elterntiere werden nach diesem Prozess wieder in der Stepenitz frei gelassen.

Die Entnahme und Untersuchungen sind Schwerstarbeit für alle Helfer, denn die Fische müssen schonend behandelt werden, erklärt Steffen Zahn vom Institut für Binnenfischerei, der das Projekt seit den Anfängen begleitet. Bis zum Vermessen und Wiegen müssen die Fische einige Zeit in den Hälterbecken mit Frischwasser zubringen. Mirko Beutling sieht bei den Untersuchungen sofort, ob mit den Fischen etwas nicht stimmt. Allein ihr Äußeres erzählt manch eine Geschichte.

So sind im Fang Meerforellen dabei, die bereits eine kleine Fahne, eine Markierung tragen. Sie stammt meist aus dem vergangenen Jahr. Darauf ist eine Nummer vermerkt. Anhand dieser können die Fischereibiologen herausfinden, wann der Fisch gefangen wurde, wie groß und wie schwer er war. Diese Daten vergleichen sie mit den aktuellen Ergebnissen.

Dass das Fähnchen für die Fische gefährlich oder gar lebensbedrohlich sei, wie manche Kritiker behaupten, weist Zahn zurück. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte. Im Gegenteil. Da immer wieder Fische mit Fähnchen zurückkehren, sei das eher ein Beleg dafür, dass sie durch die Markierung nicht beeinträchtigt werden, meint der Biologe.

Einige Fische haben richtige Verletzungen. Leichte Schürfwunden weisen darauf hin, dass die Fische bereits begonnen haben, Laichkuhlen zu schlagen. Andere sind mit Bisswunden von Seehunden und Ottern gekennzeichnet. Die kreisrunden Verletzungen in der Größe eines 50-Cents-Stücks haben Meerneunaugen verursacht, sagt Mirko Beutling. Der Weg zurück in die Heimat durch die Elbe in die Stepenitz sei gefahrvoll. Gerade Lachse gehen auf ihrer Wanderung verloren. Die in Silmersdorf erbrüteten Jungfische werden wenige Tage nach ihrem Schlupf in die Gewässer und Nebenbäche der Stepenitz entlassen. So erzielen die Fischereibiologen ein deutlich besseres Schlupfergebnis als in freier Wildbahn und damit eine deutlich höhere Zahl an zurückkehrenden Laichfischen. Der gute Erfolg beim ersten Abfischen in diesem Jahr scheint ihnen Recht zu geben. Bis Jahresende wird das Abfischen wöchentlich fortgesetzt. Im vergangenen Jahr fischten sie insgesamt knapp 300 Meerforellen und 20 Lachse heraus.

 

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