Erste Hilfe: "Wer kann´s denn noch?"

<strong>Reanimationsübung:</strong> Sigurt Gottschalk assistiert David Anwand, seine Schwester Jennifer hatte die Übung ebenfalls absolviert.<foto>bahlo</foto>
Reanimationsübung: Sigurt Gottschalk assistiert David Anwand, seine Schwester Jennifer hatte die Übung ebenfalls absolviert.bahlo

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25. März 2013, 12:16 Uhr

perleberg | Jennifer Anwand drückt kräftig auf den Brustkorb der Puppe. 30 Mal, wie es jedem Ersthelfer empfohlen ist. Dann bläst die Elfjährige zwei Mal durch die aus hygienischen Gründen über dem Gesicht der Figur ausgebreitete Beat mungsmaske in die Mundöffnung. "Oh, ist das anstrengend", sagt sie. "Gut gemacht", lobt Sigurt Gottschalk, Ausbilder für Erste Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Perleberg, das Mädchen. Gottschalk betreut in einem Zelt vor dem "famila"-Markt in Perleberg eine der Stationen, die anlässlich des Aktionstages des DRK, dort aufgebaut sind. Das DRK feiert bundesweit sein 150-jähriges Bestehen und hat aus diesem Grund 150 solcher Initiativen wie in der Prignitz initiiert (wir berichteten).

ADAC und DRK hatten in einer Studie europaweit erkunden lassen, wie es um die Kenntnisse in Erster Hilfe steht. Die Deutschen können es theoretisch, doch praktisch halten sie sich eher zurück. Angst davor, Fehler zu machen, wurde von den Aktiven des DRK gleich vom Tisch gewischt: Nur nichts zu tun, ist falsch - und darüber hinaus auch als unterlassene Hilfeleistung strafbar.

Jennifer und ihr Bruder David (8) sind in der Wasserwacht Putlitz engagiert, ihr großer Bruder Sebastian (15) hilft beim Jugendrotkreuz in Wittenberge mit, während die Mutter im Betreuungsdienst am Wohnort Perleberg im Einsatz ist - alle also engagiert im DRK. Jennifers Mutter findet es gut, dass alle ihre Kinder Erste Hilfe beherrschen. "Auch mir kann ja mal etwas passieren, dann wissen sie, was zu tun ist und fühlen sich nicht hilflos." Daher begrüßt sie es auch, dass es an immer mehr Schulen Arbeitsgemeinschaften zu dem Thema gibt. "Nicht verstehen kann ich die Eltern, die sich gar nicht darum kümmern."

Das denkt sich auch Sven Roder (39). Er kommt daher mit seinen Kindern Justin (5) und Merle (8) vorbei, weil man aus seiner Sicht gar nicht früh genug mit Hinweisen auf Erste Hilfe beginnen könne. Ein Quiz, ein Glücksrad, eine Tafel mit zehn Grundregeln, ein zur Besichtigung freigegebener Rettungstransportwagen, bei dem von den Kindern auch mal Blaulicht und Sirene eingeschaltet werden dürfen, und ein Tisch mit Kaffee und Kuchen sind weitere Stationen für die Besucher des Aktionstages, der unter anderem von Uwe Damnig vorbereitet worden ist. Er ist beim DRK für die Verbandsarbeit zuständig und freut sich, dass an dem sonnigen Tag viele Familien vorbeischauten und ihr Wissen auf die Probe stellen ließen.

Wie gut Laien auf Unfälle in ihrer Umgebung vorbereitet sind, beschreibt im Gespräch mit dem "Prignitzer" Lutz Dieckmann, Leitender Notarzt und Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis. Bei Verkehrsunfällen werde von allen engagiert zugepackt, "die wollen helfen, setzen den Notruf ab, holen Opfer aus den Fahrzeugen, decken sie zu." Anders sei das, wenn Menschen etwa beim Einkaufen stürzen oder ohnmächtig werden. Dann werde zwar noch Hilfe organisiert, aber zum Anfassen und Ansprechen fehle vielen der Mut. Dabei reiche zu 70 Prozent der gesunde Menschenverstand, das Beste für den Betroffenen zu tun. Wenn ihm das Bein schmerze, werde man es bestimmt ruhig stellen. Wenn er verzweifelt ist, werde man ihn trösten. "Erste Hilfe ist eben das Samaritertum unserer Zeit", stellt Dieckmann grundsätzlich fest und sieht in der Qualität des Engagements den Grad des Zusammenhalts in unserer Gesellschaft.

Für den Warenhausleiter Norbert Schwarz ist es eine Selbstverständlichkeit, dass er sein Gelände für die Aktion zur Verfügung stellte. In seinem Betrieb müsse er ja auch stets Mitarbeiter als Ersthelfer auf dem aktuellen Stand halten, daher sei sein Unternehmen auf die vom DRK angebotenen Schulungen angewiesen. Darüber hinaus werden bei "famila" zwei bis drei Mal pro Jahr die Blutspenden veranstaltet, zu denen er jedes Mal Brötchen und Einkaufsgutscheine stifte.

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