Putlitzer-Preis : Erste Ehrung für amüsantesten Roman

Tom Liehr und Cordula Hamann ehren Anna Basener (r.) für ihr „saukomisches“ Buch.
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Tom Liehr und Cordula Hamann ehren Anna Basener (r.) für ihr „saukomisches“ Buch.

Anna Basener schrieb „kluges und saukomisches Buch“. Diesjähriger Putlitzer-Preis der 42´er Autoren ging an Ulrike Sabine Maier für „Und unsere Schritte“.

svz.de von
11. Juni 2018, 12:00 Uhr

Es ist Deutschlands öffentlichster Literaturpreis. Wer zur Verleihung des Putlitzer- Preises kommen will, kann das ohne Einladung tun. Und so kamen viele Prignitzer am Sonnabend in die Putlitzer Kirche um zu erleben, wen die 42´er Autoren 2018 für preiswürdig befunden hatten.

Natürlich war der rote Teppich ausgerollt und die Töpfer-Frauen der Stadt hatten Gänsefiguren für die Sieger und eine Medaille geschaffen. Und weil Literaturpreise vergeben wurden, startete der Abend poetisch mit einem Schuss Witz. Bürgermeister Bernd Dannemann eröffnete die Verleihung in gereimter Form und der Dank an die Sponsoren kam als Kriminalgeschichte daher, die 2019 fortgesetzt wird.

Dann ging es ernsthaft weiter, mehr als 300 Autoren hatten sich mit Kurzgeschichten um den Preis beworben. Sechs wurden als preiswürdig bewertet und an diesem Abend geehrt. Zuerst mit dem Verlesen ihrer Geschichte durch Schüler des Goethe-Gymnasiums Pritzwalk, dann durch Urkunde, Glückwünsche und Gans.

Viele Geschichten zeigten Menschen in Extremsituationen. So den Jäger, der einen verwirrten alten Mann mit einem Keiler verwechselt, ihn erschießt, vergräbt und weiterlebt, als sei nichts geschehen. Oder der Wanderer, der sich verirrt und nicht mehr zurück findet. Anrührend war auch die Geschichte des alten Lehrers, der erlebt, wie Demenz Mauern zwischen sich und der Welt hochzieht, sich seiner Frau als Anker aber sicher ist.

Letztlich setzte sich Ulrike Sabine Maier mit „Und unsere Schritte“ durch. Sie erzählt von hoffnungslosen und gelangweilten Jugendlichen, aus deren hohlen Köpfen Bier nur noch Parolen quellen lässt, und die den Tod eines Flüchtlingsjungen auf dem Gewissen haben. Die Erzählweise ist lakonisch, ohne Pathos.

Das Residenzstipendium ging an Clementine Skorpil aus Österreich, die einen Roman über Kultur und Wissenschaft im 18. Jahrhundert mit einer Frau als Heldin schreibt. Er soll im Herbst erscheinen. Neu war der Romanpreis für das amüsanteste Buch des Jahres, den Anna Basener für „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ erhielt. Bei der Lesung hallten Worte wie Prostitution durch die Kirche.

Für Bürgermeister Bernd Dannemann war es die letzte Putlitzer-Preisverleihung, er hört 2019 auf. „Der Preis hat auch mit meiner Hilfe laufen gelernt, jetzt geht es auch ohne mich“, sagte er zum Abschied.  

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