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Der Prignitzer

14. Dezember 2017 | 03:41 Uhr

Deichbau : Erste Deiche schützen Breese

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zur Übergabe kam Ministerpräsident Woidke in den Schuhen von 2013 / Im Frühjahr Start für zwei weitere Schutzbauten

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2015 | 22:00 Uhr

Vor der Bauübergabe stand gestern in Breese das Erinnern. Alle, die zur kleinen Feier wollten, mussten an einem Gehöft mit gelben Kreuzen und einen altes Transparent „Deich?“, Symbolen der Anwohnerproteste nach den Hochwassern von 2002, 2006 und 2013. Und Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) war in den Schuhen gekommen, in denen er beim letzten Hochwasser durch überschwemmte Straßen und Gehöfte gewatet war.

„Damals waren gerade die Bewohner dieses Teils von Breese wütend, dass der Notdeich entlang der Straße gezogen wurde und ihre Grundstücke und Häuser absoffen“, erinnert sich Bürgermeister Werner Steiner. „Inzwischen haben sie aber verstanden, dass damals nicht anders gehandelt werden konnte, sonst hätte es im Ort überall katastrophale Schäden gegeben. Zur Entspannung hat auch beigetragen, dass sich seit 2013 sehr viel getan hat“, meint der Bürgermeister.

Die angespannte Stimmung von 2006 und 2013 blitzt nochmals auf, als Anwohner Bernd Ilgeroth während er Veranstaltung das Wort ergreift. „Das Baulos 3a ist noch nicht fertig, es fehlt noch ein Stück Deich, wir sind noch nicht komplett geschützt“, wirft er ein.

Obwohl Bernd Ilgeroth sein Haus vorsorglich schon etwas höher gebaut hat, stand es mehrfach unter Wasser. 2013 war dann der Keller bis zum Fußboden des Wohnzimmers vollgelaufen. Ob es größere Schäden an Fundament und Außenwänden gibt, sei bis heute noch unklar, im Haus ist eine Wand gerissen.

„Es fehlen noch 200 Meter Deich, die erst mit dem nächsten Baulos fertig gestellt werden. Dazu gehört auch die Umverlegung der Landesstraße 11. Sollte bis dahin ein Hochwasser drohen, wird sofort ein Notdeich angelegt, deshalb lagert dort bereits das Stützmaterial“, erläutert Landrat Torsten Uhe.

In der nächsten Woche starten die Vorarbeiten mit Baumfällungen. Die Suche nach Bodendenkmalen und Fundmunition sollen bis zum Frühjahr abgeschlossen sein. Im März oder April könnte der Deichbau beginnen. Alle Arbeiten sollen 2018 angeschlossen sein“, betont der Bürgermeister. Er hofft, dass Ende 2016 bereits der Deichkörper steht und die Gehöfte geschützt sind.

„Wir sind einen Monat früher fertig, es stimmt also nicht, dass in Brandenburg alles verspätet fertig gestellt wird“, freut sich Woidke bei der Übergabe von 880 Metern Deich. Er erinnert an Besuche in Breese 2006 als Umwelt- und 2013 als Innenminister jeweils bei Hochwassern. Der aktuelle Anlass ohne Katastrophe ist ihm sichtlich angenehmer, zumal damalige Zusagen schrittweise Realität werden.

Woidke steht mit Blick auf die für die Anwohner quälend lange Zeit seit 2006 und das zwischenzeitliche Hochwasser von 2013 zu damals getroffenen Entscheidung. „Wir mussten Prioritäten setzen und daher hatte die Erneuerung der Elbdeiche Vorrang. Die Rühstädter Anlagen im Zustand von 2006 hätten dem Hochwasser von 2013 nicht standgehalten“, sagt er.

„Wir haben seit 1997 im Land fast 500 Millionen Euro für Hochwasserschutzbauten investiert. Die Situation ist so gut wie noch nie.“

Dennoch werden für die Einwohner Breeses Deichbaustellen auch 2018 zum Ortsbild gehören, denn dann wird noch die Kreisstraße höher gelegt. Das Szenario schreckt den Bürgermeister nicht. „Die Stimmung hat sich gebessert, weil die Leute sehen, dass sich zügig etwas tut. Und die Zusammenarbeit mit den Behörden, besonders dem Landesumweltamt, hat sich von sehr schlecht zu sehr gut bis ausgezeichnet gewandelt. Probleme werden sofort an uns herangetragen und wir bemühen uns, schnell Lösungen zu finden, das ist ja in unserem Sinn.“

Gern würde der Bürgermeister weiter mit der Eggers Umwelttechnik aus Wittenberge zusammenarbeiten, weil diese seit November 2014 schnell und solide gearbeitet habe. Aber die Arbeiten müssen europaweit ausgeschrieben werden.

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