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Der Prignitzer

22. November 2017 | 10:28 Uhr

Erste Blumensträuße bereits verkauft

vom

svz.de von
erstellt am 16.Jun.2013 | 05:59 Uhr

Wittenberge | Die Altstadt am Samstag um die Mittagsstunde: Vor vielen Haustüren türmen sich noch Sandsäcke bzw. schützen Kellerfenster. Menschen auf den Straßen der Altstadt kann man zählen. Doch die Ruhe täuscht, allmählich kehrt wieder Leben zurück in die Häuser, die etliche freiwillige verließen. Die Hochwasserlage war so angespannt, dass der Krisenstab am Samstag vor einer Woche die freiwillige Evakuierung für diesen Bereich der Stadt anordnete.

Es geht auf 13 Uhr zu. Feierabend für Beatrice Borchert und ihre Angestellten im BB-Flowers. Eigentlich, denn richtig geöffnet hat ihr Blumenladen noch nicht. "Wir sind voll am Einräumen", so die sympathische Chefin. Alles hatten sie ausgebaut und nach Ferbitz gebracht. "Das Dorf liegt sechs Meter über den Elbdeich, zum zweiten Mal wurde es unsere Arche." Die Blumen haben sie zuhause in Bernheide gelagert, von hier aus auch alle Bestellungen abgesichert. "Die Händler haben geliefert, auf dem Edeka-Parkplatz in Wittenberge wurde umgeladen", berichtet die Geschäftsinhaberin. Bei alledem sah man täglich die Bilder von Elbe und Saale, wo das Wasser sich seinen Platz verschaffte. "Erst vor drei Woche hatten wir in Klietz eine Baustelle", berichtet der Mann von Beatrice Borchert. Er ist Elektromonteur. "Alles ist abgesoffen." Seine Nichte habe erzählt, dass auch der Königsdeich auf der anderen Seite der Elbe nicht mehr zu sehen war. "Das heißt, auch unser Stadtdeich hätte nicht gereicht, wenn er nicht erhöht worden wäre." Er hat gehalten, vor allem auch Dank der schier unzähligen Einsatzkräfte und freiwilligen Helfer, betonen die Borcherts. Am Samstag sind sie, die Familie und natürlich auch alle Angestellten fleißig beim Einräumen. "Wir wollen am Montag wieder ganz normal öffnen." Doch bereits am Samstag stehen die ersten Kunden im Laden und so verkauft das Flowers-Team zwischen dem Einräumen und Putzen auch bereits die ersten Blumensträuße.

"Auch wir vom Frauenhaus haben unser Haus geräumt", berichtet Mitarbeiterin Susann Bill-Herrmann. Sonnabend schaut sie gerade nach dem Rechten. "Alles in Ordnung, wir können morgen wieder einziehen." Und damit meint sie, alles was sie hochgehievt und vor dem Wasser vorsichtshalber in Sicherheit gebracht haben, nimmt den Weg zurück. Ebenso die Bewohnerinnen, die bei Verwandten und Bekannten untergekommen sind. "Ich bin so froh, wir haben echt Glück gehabt", sagt die junge Frau und verbindet damit ein großes Dankeschön an die vielen Helfer. Natürlich habe auch sie Sand geschippt. Jetzt warte die Arbeit, denn da sei allerhand liegen geblieben. Behördengänge stehen an, ein Kita-Platz muss besorgt werden und…

"Ich bin jetzt auch um einiges erleichtert", gesteht Frau Bolzmann aus der Steinstraße. Sie sei in ihrer Wohnung geblieben, aber es war schon eine Zeit zwischen hoffen und bangen. "Vor einer Woche hätten Sie mich nicht ansprechen dürfen", gesteht sie und sagt, "den vielen Helfern müssen Sie Danke sagen, die haben es wirklich verdient".

Zuhause geblieben ist Ronny Gierz mit seiner Familie. "Nicht ganz", fügt er an, denn eine Nacht schliefen sie alle bei seinem Bruder und dessen Familie. "Sonntag war hier alles voll von Polizei, Feuerwehr, Hubschrauber kreisten. Mein Kleiner hat da schon Angst bekommen. Wir haben drei Kinder und an die muss ich zu aller erst denken."

Sie wollten und konnten ihre zwei Hunde und die Wellensittiche nicht einfach im Stich lassen und sind so geblieben, erzählt Jenny Landgraf. "Der Deich hat gehalten", doch zuhause sei noch alles in privater Alarmbereitschaft. "Die Sandsäcke bleiben noch, bis die Gefahr wirklich vorüber ist, und auch die Notfalltasche ist noch gepackt."

Beim Einräumen ist Samstag auch Familie Brüggert. "Wir haben zwei Kinder, drei und 13 Jahre, da haben wir freiwillig das Feld geräumt, sind zu meiner Mutter gezogen", berichtet Isabell Brüggert. Zuvor wurde alles in Haus und Hof in Sicherheit gebracht. Und während die Eltern Montag wieder im Haus nach dem Rechten schauten, blieb "die Große bei einer Freundin und der Kleine bei Oma". Und Finley erzählt warum: "Da war ganz viel Wasser. Und dann war da auch noch ganz viel Feuerwehr und die Polizei." Als jene sahen, dass dem Hosenmatz der ganze Rummeln zusetzte, da luden sie ihn und seine Schwester ins Polizeiauto ein. Und ab ging die Fahrt mit "Blaulicht und Sirene". Auch die Brüggerts sagen Dankeschön all denen, die einfach zugepackt haben, als Hilfe benötigt wurde. "Auch unser Papa hat tüchtig geschippt", berichtet Isabell Brüggert, deutet auf ihren Mann und streichelt dabei ihrem Söhnchen liebevoll über den Kopf.

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