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Der Prignitzer

18. November 2017 | 17:08 Uhr

Erst Meyenburg, dann folgt Paris

vom

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erstellt am 11.Mär.2012 | 05:37 Uhr

Meyenburg | Der Tipp einer Bekannten führte Ewgenija Hartleben-Kurakina ins Meyenburger Modemuseum. Das ehemalige Leningrader Mannequin war begeistert von "der einmaligen Sammlung" Josefine Edle von Krepls. Darunter Mode der 60er und 70er Jahre, also jener Zeit, als die Leningraderin russische Kreationen in natürlicher Weiblichkeit mit einem Hauch Aristokratie auf dem Laufsteg präsentierte. Und nicht nur da. Aus dieser Zeit besitzt die Russin rund 550 Fotografien von Peter Segal, der damals zu den führenden Mode-Fotografen Leningrads gehörte, sich nicht auf Studioaufnahmen beschränkte, sondern so oft wie möglich dafür auch die Gärten und Schlösser der Stadt und ihrer Umgebung nutzte.

100 dieser Fotos sind seit Sonnabend Abend im Meyenburger Schloss zu bewundern. "Mode Voyage" heißt die neue Ausstellung, die zu den Highlights des deutsch-russischen Jahres der Bildung, Wissenschaft und Innovation 2011/2012 zählen dürfte. Und natürlich ließ es sich das einstige Mannequin nicht nehmen, zur Eröffnung in die Prignitz zu kommen und aus ihrem Leben zu erzählen. Für sie, für die "Coco Chanel die unbestrittene Königin der Haute Couture ist und bleibt", waren die 60er und 70er Jahre in der UdSSR zwar keineswegs von einem Überfluss an textiler Vielfalt geprägt. "Aber die Stoffe und vor allem auch die Schnitte für unsere Modelle waren erlesen, mit den beschränkten Mitteln haben auch wir Chanel gemacht", erzählt sie im Gespräch mit dem "Prignitzer" nicht ohne Stolz. Und auch davon, was sich der Fotograf Segal alles einfallen ließ, um seine Ideen für Außenaufnahmen umsetzen zu können. "Teilweise waren das Autos, mit denen sonst Brot transportiert wurde", erinnert sich Ewgenija Hartleben-Kurakina.

Gerne denkt sie auch an die Zeit in den 70er Jahren zurück, als sie auch für das Haus der Mode in Berlin arbeitete. "Es ist verwunderlich, dass wir uns nicht schon damals kennen lernten", meint Josefine Edle von Krepl, "denn meine Studienfreundin hat Modenschauen mit ihr gemacht. Und ich habe damals für die DDR-Frauenzeitschrift ,Für Dich’ gearbeitet, die wiederum enge Kontakte zum Haus der Mode hatte", erzählt die Betreiberin des Modemuseums im Meyenburger Schloss. Nun fanden sich die beiden Vollblut-Frauen in Sachen Mode jetzt, und die Chemie stimmte gleich beim ersten Besuch, so dass der Kontakt schnell hergestellt, die Ausstellung geplant war. Meyenburg rangiert damit sogar vor Berlin und Paris, wo das einstige Leningrader Mannequin ihre Foto-Sammlung auch noch präsentieren wird.

Das besondere an der Meyenburger Exposition ist aber ganz sicher die Verbindung der Fotos mit Kleidern und Accessoires aus dem Modemuseum. Und für zusätzliches Lokalkolorit sorgten am Sonnabend Abend auch zwei Gymnasiasten. Der Meyenburger Piet Kelemen am Klavier und die Gerdshagenerin Carolin Spitzner an der Geige stimmten mit russischen Weisen auf die Ausstellung ein. Es war ihr zweiter gemeinsamer Auftritt, den sie mit Bravour meisterten und auch entsprechenden Beifall ernteten.

Mit dem sparten die zahlreichen Besucher natürlich ebenso wenig, als nach der Pause Lilo Wanders die Bühne betrat und unter dem Motto "Pulsschlag tief in Ihr" Texte aus erotischer Weltliteratur las. Gerade eine Woche zuvor hatte der berühmte Schauspieler und Travestiekünstler Ernst-Johann Reinhardt, Ernie genannt, der fast ausschließlich in der weiblichen Rolle der Lilo Wanders auftritt, ein Gastspiel in Wittenberge gegeben. Und auch im Meyenburger Modemuseum ist sie bzw. er längst kein(e) Unbekannte(r) mehr. Denn bereits im Januar 2011 hatte sie bzw. er das Publikum dort begeistert.

Josefine Edle von Krepl und Reinhardt lernten sich übrigens bei einer Modenschau in einem Hamburger Hotel kennen. Lilo Wanders hatte dort die Moderation übernommen, Josefine Edle von Krepl die Kleider beigesteuert.

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