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25 Jahre Debe-Transporte : Erst fuhr er Glas, jetzt Stahl

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

25 Jahre Debe-Transporte: Unternehmer Detlef Benecke blickt zurück und bereitet die nächste Investition vor

von
erstellt am 06.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Er kann Glasblasen, spielt Gitarre und Klavier. Seine Feuerwerke lassen den Nachthimmel funkeln und in der Stadtpolitik findet er Worte, die nicht jeder als diplomatisch bezeichnen würde. Aber so ist Detlef Benecke, der schon mal die Ellenbogen ausfährt.

Auf der anderen Seite kann er ein sanfter Teddy sein, der sich für seine Heimatstadt engagiert, soziale Ideen unterstützt. Vielleicht ist es diese Mischung, die ihn zu einem erfolgreichen Unternehmer hat reifen lassen. Unter dem Namen Debe ist er seit 25 Jahren selbstständig, „aber nur, weil es meine Frau, meine Familie gibt“, sagt er.

Man mag es nicht glauben, wenn man diesen großen Kerl mit seinen kräftigen Händen sieht und doch hat er einst Regen- und Sonnenschirme repariert. Das war noch vor der Wende im Dienstleistungskombinat. Allenfalls wer sich an sein damaliges stets gefülltes Lager erinnert, mag geahnt haben, dass dieser Typ ein Schlitzohr mit dem Hang zum Unternehmer sein muss. Mit eingepacktem Schinken, frischem Gartengemüse und anderen in der DDR schwer zu bekommenden Produkten reiste er durch die ganze Republik, um seine Lagerbestände stets aufzufüllen.

Nach dem Mauerfall machte er sich in diesem Metier selbstständig. „Doch Regenschirme ließ kaum noch jemand reparieren. Wir waren in der Wegwerfgesellschaft angekommen“, sagt er.

Aber sein zweites Standbein, der Handel mit Kunsthandwerk nahm an Fahrt auf. Vor allem Glaskunst aus Lauscha erwies sich als der Renner. Schon bald musste seine Frau Tina ihn unterstützen. 1984 hatten sie geheiratet und nachdem die gelernte Bauzeichnerin mit der Schließung des Nähmaschinenwerkes ihre Arbeit verloren hatte, verkaufte sie auf Märkten das Kunsthandwerk.

Es waren lange Tage, kurze Nächte. „Früh morgens fuhr ich los, baute den Stand auf und nachdem unsere Kinder in der Kita waren, kam Tina.“ Tagsüber holte er von Händlern neue Ware, abends baute er den Stand ab. Feierabend war dann aber noch nicht. „Rechnungen und Mahnungen schrieben wir bis spät in die Nacht“, erinnert sich Tina Benecke.

Die unbezahlten Rechnungen ihrer Kunden trieben sie fast in den finanziellen Ruin. Mehr als einmal standen sie vor dem Aus, drohte sie der Schuldenberg zu erdrücken. „Aber wir haben nicht aufgegeben“, sagen sie und seine Eltern hätten ihnen einmal in größter Not beigestanden.

Das Geschäft wuchs, zwei Außendienstmitarbeiter, zwei Autos kamen dazu. 1993 bezog die kleine Firma im Rabensteig ein Büro. Eines Tages kaufte er den ersten Kleintransporter – der Anfang der heutigen Spedition. „Ich fuhr nicht mehr leer zum Großhändler, sondern nahm Waren mit und die Nachfrage wuchs.“ Ein zweiter Lkw wurde gekauft, der nächste Fahrer eingestellt.

1997 gaben Beneckes ihren Handel mit Kunsthandwerk auf, setzten alles auf eine Karte: Transporte. An der IHK legte Detlef Benecke die Prüfung zum Verkehrsmeister ab. Umzüge wurden immer gefragter. Wittenberge litt unter der Abwanderung, Beneckes profitierten davon. „Die Region blutete, es tat uns weh, aber wir mussten Geld verdienen“, sagt er. Sogar die Bild-Zeitung machte damals eine Geschichte über den Spediteur, der vom Wegzug profitiert.

Aber Umzüge waren und sind bis heute nur das kleinste Standbein. „Wir investieren in diesem Bereich, erst kürzlich kauften wir einen Umzugslift, aber er macht lediglich zehn Prozent unserer Aufträge aus. Vom Briefumschlag im Kurierdienst bis zum Schwertransport – das sei ihr Kerngeschäft. Sie fahren Stahl, Container, Flüssigkeiten im Tanker und Baumaschinen auf Tiefladern.

Die Fahrzeugflotte wuchs stetig, heute sind es 26 Lkw und diverse Kleintransporter. Ihr erster Großkunde war die norwegische Firma Yara, die ihnen bis heute die Treue hält. Im Juli 1993 verirrte sich ein Vertreter der Firma auf der Suche nach einer Spedition nach Wittenberge. Er fragte bei einer Firma an, wurde weiter zu Debe geschickt.

„Ich hatte an diesem Tag Geburtstag, das Büro voller Gäste. Dem Vertreter gab ich Kaffee und Kuchen und vergaß ihn völlig“, erinnert sich Detlef Benecke. Erst nach Stunden fiel es ihm wieder ein, „aber der Mann war cool, hatte ausgeharrt und wir kamen ins Geschäft“.

Bei all diesen Erinnerungen und Anekdoten muss seine Frau Tina schmunzeln. Sie sei eher die Zauderin und er der Macher. „Mehr als einmal sagte ich zu ihm, dass er verrückt sei.“ Aber im Endeffekt habe er sie immer überzeugen können, seine Visionen glaubhaft geschildert. „Entschieden haben wir alles gemeinsam“, sagt sie.

Auch in diesen Tagen hat er sie wieder einmal überzeugt. Nach 25 Jahren steht der nächste große Schritt unmittelbar bevor. „Wir werden eine Lkw-Werkstatt und einen Reifenservice für Lkw und Transporter auf unserem Firmengelände im Rabensteig eröffnen“, kündigt Detlef Benecke an.

Dann steige noch einmal die Zahl ihrer Mitarbeiter, aktuell seien es 30 Fahrer. Tina Benecke hat sich längst in dieser Männerdomäne durchgesetzt,. „Ich komme prima mit ihnen klar und backe freitags manchmal sogar Kuchen“, verrät sie. Außerdem sei sie ja nicht mehr die einzige Frau, denn Tochter Daniela arbeitet seit 2008 mit, soll den elterlichen Betrieb eines Tages übernehmen.

Gute Auftragslage, Nachfolge geregelt. Detlef Benecke spricht von einem erfüllten Traum und ist dankbar, dass ihm seine Familie auch noch Freiraum für seine Hobbys gibt, von denen Feuerwerk nur eines ist. Wie sehr er das zu schätzen weiß, zeigt er auf seine Art, wie kürzlich, als sie mit Freunden und Partnern das Firmenjubiläum und Tinas 50. Geburtstag feierten. Er ließ es am Himmel krachen und Feuer regnen, freute sich darüber wie ein kleiner Junge – auch das ist Detlef Benecke.

 

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