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Der Prignitzer

18. November 2017 | 04:08 Uhr

Ermittlungen zum Toten im Badesee

vom

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2013 | 06:58 Uhr

Perleberg | "Wir alle stehen noch unter Schock", so Christian Langer, Hotelmanager des Sport- und Vitalresort Neuer Hennings Hof. Am Sonnabend gegen 16.30 Uhr lief bei der Polizei die Information auf, dass in dem Badesee ein junger Mann untergegangen ist. Sofort wurden Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Der 26-Jährige konnte jedoch nicht aufgefunden werden, heißt es im Polizeibericht. Am Sonntag dann wurde der junge Mann in einem stark verkrauteten Bereich des Sees tot geborgen. Wörtlich im Polizeibericht: "Nach ersten Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass er sich in den Pflanzen verfangen hatte und nicht mehr in der Lage war, sich zu retten."

Die eigentliche Todesursache sei aber noch unklar, betonte Dörte Röhrs von der Pressestelle der Polizeidirektion Nord gestern. "Wir vermuten lediglich, dass er ertrunken ist." Weitere Zeugen werden befragt, die Ermittlungen laufen. Dazu gehöre auch, etwaige Vorerkrankungen abzuklären. Die Staatsanwaltschaft weise dann unter Umständen eine Obduktion an. Eine solche könne letztlich klären, ob der Mann "ertrunken ist oder ob andere Umstände ursächlich sind".

Hotelmanager Christian Langer betont, dass man keine voreiligen Schlüsse ziehen solle, sondern die Ermittlungen abwarten muss. "Viele Faktoren können hier eine Rolle spielen. Wenn von unserem See eine Gefahr ausgehen würde, hätten ihn die Behörden sofort gesperrt."

Uwe Schleich war als Vertreter des Ordnungsamtes der Stadt an der Unglücksstelle. Privat und aus seinen langjährigen Erfahrungen als Feuerwehrmann hält er eine Verkettung unglücklicher Umstände hier für wahrscheinlicher. Dafür spreche eben auch, dass der Badesee seit 2005 bestehe und nie etwas passiert sei. Es sei richtig, "bestimmte Stellen sind verkrautet". "Dass Schlingpflanzen aber ausschließlich Ursache für den Tod des jungen Mannes sind, halte ich eher für unwahrscheinlich. Zumal sie sich relativ leicht zerreißen ließen." Um endgültig überhaupt eine Aussage zu treffen, müssen die Ermittlungen abgewartet werden.

Der Badesee gehört zur Hotelanlage. Ein Schild weist darauf hin, dass er auch nur für Hotelgäste gedacht, "es kein öffentliches Gewässer ist und auch kein öffentlicher Betrieb stattfindet", betonte der Hotelmanager. Doch reicht das Schild - Baden auf eigene Gefahr - aus, oder ist der Betreiber hier dennoch in der Verantwortung?

Joachim Heuser, Pressesprecher der Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e. V., verweist auf die Verkehrssicherungs- und Aufsichtspflicht in öffentlichen Bädern während des Badebetriebs. Und öffentlich sei für ihn ein Badeteich bzw. See, der von einem Hotelier künstlich angelegt wurde und der Bestandteil der Hotelanlage ist, der den Hotelgästen also auch zur Verfügung gestellt wird. Damit handele es sich um einen Badebetrieb, auch wenn kein Eintritt genommen würde, müsse eine entsprechende Aufsicht gestellt werden. Selbst, so Heuser, wenn der Badesee bzw. -teich durchgehend sehr flach sei, das Wasser also salopp gesprochen nur bis zum Bauchnabel reiche, müssten Mitarbeiter dieses Gewässer in ihre regelmäßig Kontrollgänge einbeziehen. Diese Mitarbeiter sollten mindestens das Schwimmabzeichen Bronze besitzen, in der Lage sein, einen Gegenstand von der tiefsten Stelle des zu beaufsichtigenden Beckens heraufzuholen, heißt es in der Vorschrift.

Thomas Frey, Referent im Büro des Präsidenten des brandenburgischen Landesumweltamtes, bestätigt, dass es 2002 ein Genehmigungsverfahren für einen Bade- und Feuerlöschteich auf dem Gelände des Neuen Hennings Hofes gab. Zum Inhalt bzw. zu Festlegungen könne man sich aber frühestens heute äußern, da der Vorgang über ein Jahrzehnt zurückliege, die Akte bereits archiviert sei.

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