Ermittler suchen nach bewaffneten Neonazis

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10. Juli 2012, 11:23 Uhr

Neuruppin | Mit Hochdruck treiben brandenburgische Spezialisten Ermittlungen gegen mehrere Rechtsextremisten wegen des Verdachts der Bildung einer bewaffneten Gruppe voran. Nach einer Razzia in Brandenburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen wertet die Staatsanwaltschaft Neuruppin umfangreiches Beweismaterial aus. Die Analyse werde sich aber über Wochen hinziehen, sagte Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper gestern. Vor allem die Auswertung von Computern und Datenträgern brauche Zeit. Es werde jedoch intensiv daran gearbeitet.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen fünf Personen aus den drei Bundesländern wegen des Verdachts der Bildung einer bewaffneten Gruppe und des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Eine Verbindung zum rechtsextremistischen Terrornetzwerk NSU sehen die Ermittler bislang nicht. Auf die Spur der Gruppe gewaltbereiter Neonazis waren die Ermittler eher durch Zufall gekommen: Im März starb ein einschlägig bekannter Rechtsextremist in einer kleinen Pension in dem brandenburgischen Dorf Herzberg (Kreis Ostprignitz-Ruppin). Todesursache war eine Herzattacke. Neben dem Toten fanden Polizisten einen Rucksack mit Waffen und Munition. Das löste umfangreiche Ermittlungen aus, die am Sonnabend zu einer Razzia bei fünf Beschuldigten im Alter von 37 bis 64 Jahren führten. Es gehe um vier Männer und eine Frau, sagte Lodenkämper.

Medienberichten zufolge handelt es sich bei zwei Verdächtigen um den früheren NPD-Funktionär und Vorsitzenden der 1992 verbotenen "Nationalistischen Front" Meinolf S. und dessen Frau. S. betreibe von Nordrhein-Westfalen aus einen rechtsextremistischen Versandhandel. Seine Frau habe die Pension in Herzberg im Nordwesten Brandenburgs gepachtet. Dort habe S. ein neonazistisches Schulungszentrum einrichten wollen. Und genau in dem Haus sei der bekannte Berliner Rechtsextremist Jörg L. gestorben. Nach dessen Tod seien die Pläne für das Schulungszentrum vorerst aufgegeben worden.

Der Verdacht der Bildung einer neuen bewaffneten Gruppe habe sich ergeben, weil der Tote in seinem Rucksack eine Vielzahl von Munition dabei gehabt habe, die nicht zu seinen Waffen passte. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft irgendwo ein Waffenlager vermutet und die Razzia am Sonnabend angeordnet. Lodenkämper konnte noch keine Details zu den Ergebnissen der Durchsuchungen in insgesamt acht Objekten nennen.

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