Erinnerungskultur mehr ins Blickfeld rücken

Linke sieht darin Pflicht und Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen

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31. Januar 2016, 14:39 Uhr

Im stillen Gedenken verneigen sich am Sonnabend Mitglieder der Wittenberger Ortsgruppe die LINKE vor dem Stolperstein für Hedwig Baumann. Am 30. Januar 1879 wurde sie als viertes von fünf Kindern der jüdischen Familie Schlesinger in Wittenberge geboren und im Alter von 62 Jahren in das Getto Litzmannstadt (Lodz) deportiert und dort ermordet. Ihre fünf Jahre ältere Schwester Martha Schlesinger ereilte am 13. Januar 1942 im Getto Riga das gleiche Schicksal. Als am 9. August 2011 für die beiden Schwestern Stolpersteine vor ihrem Elternhaus in der Steinstraße 20 verlegt wurden, übernehmen Marita und Alexander Fritsch die Patenschaft für den von Marta Schlesinger und die Ortsgruppe der Linken ist Pate für den Stolperstein, der an ihre Schwester Hedwig erinnert.

„Es ist wichtig, eine Frage der Verantwortung und auch unsere Pflicht gegenüber nachfolgenden Generationen, dass an die Opfer des Holocaust erinnert wird“, so die einhellige Meinung derer, die am Sonnabend mit Blumen an den Geburtstag von Hedwig Baumann, geborene Schlesinger, erinnern. Im gleichen Atemzug kommt die Sprache auf die Veranstaltung am Holocaustgedenktag in Perleberg. „Es war eine würdige Veranstaltung in der Aula des Gottfried-Arnold-Gymnasiums. Besonders beeindruckte mich, dass so viel Jugend daran teilnahm“, betont Anita Kochnowski. Auch Wittenberge stehe das gut zu Gesicht. Orte, die an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnern, gebe es hier viele und einige drohen mittlerweile schon aus dem Gedächtnis zu verschwinden, so die Anwesenden. Auch Wittenberge hatte in der Zellwolle eine KZ-Außenstelle. Insofern könnte die Ausstellung „Terror in der Provinz Brandenburg. Frühe Konzentrationslager 1933/34“, die derzeit im Perleberger Stadt- und Regionalmuseum zu sehen ist, auch im Wittenberger ihren Platz haben.

Informationen über dieses schlimme Kapitel deutscher Geschichte gebe es auch in Wittenberge genügend. Schüler der Oberschule haben sich mit der Außenstelle des KZ beschäftigt, Heimathistoriker Günter Rodegast habe ganz viel zusammengetragen. „Die Erinnerungskultur hier wieder mehr ins Blickfeld zu rücken, das müssen wir uns zur Aufgabe machen“, betont Wolfgang Strutz. Denn Krieg, Tod und Vertreibung zwingen heute wieder Hunderttausende ihre Heimat zu verlassen.

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