Wiedersehen nach 20 Jahren : Erinnerungen ohne Trillerpfeife

Es gabviel zu besprechen bei den Krippenleiterinnen beim Wiedersehen nach langer Zeit.
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Es gabviel zu besprechen bei den Krippenleiterinnen beim Wiedersehen nach langer Zeit.

Frühere Prignitzer Kinderkrippenleiterinnen trafen sich nach zwei Jahrzehnten in Perleberg wieder

svz.de von
03. März 2016, 12:00 Uhr

Es gab ein großes Hallo und viele Umarmungen, als sich die ehemaligen Krippenleiterinnen aus der Prignitz gestern in Perleberg trafen. Nach mehr als zwei Jahrzehnten war es Zeit sich wieder einmal zu treffen, hatten Margot Böhringer und Gisela Löcknitz vor einigen Monaten befunden und sich auf die Suche nach den früheren Kolleginnen gemacht.

Soziale Träger, viele Bekanntschaften und ein Telefonbuch von 2006 halfen, fast alle aufzustöbern. Trotz Krankheiten und einiger, die sich von der Arbeit nicht freinehmen konnten, waren rund zwei Dutzend Frauen gekommen. Und mit ihnen viele Erinnerungen an „die schönste Zeit in unserem Arbeitsleben“ , wie gleich mehrere in den lebhaften Gesprächen bekundeten.

Auch ihre frühere Chefin, Rosemarie Vogel, war da, aber ohne Trillerpfeife. „Die hatte ich geschenkt bekommen, weil es 45 Krippen mit kreativen und lebhaften Leiterinnen gab. Da war es manchmal schwer, bei den Dienstberatungen durchzudringen.“

Auch bei Kaffee und Kuchen ging es meist um die frühere Arbeit, die in einigen Punkten anders war als der heutige U-3-Bereich. „Wir haben selbst gekocht und es hat geschmeckt. Für gesunde Gerichte sind wir den Empfehlungen des Instituts in Potsdam-Rehbrücke gefolgt“, erzählte Barbara Toller. „Zwar haben wir Südfrüchte und Obst bekommen, aber nicht immer. Deshalb wurde in den Einrichtung viel eingeweckt.“

„Die Eltern haben sich nie über uns beklagt“, ist Ute Kröhnert noch heute stolz. „Lange Zeit haben wir auch noch Schwangerschafts- und Mütterberatung gemacht, kannten daher die Eltern gut. Wir haben auch Einfluss genommen, dass die Kinder so früh wie möglich abgeholt wurden, damit die Familien möglichst viel Zeit gemeinsam verbrachten.“

In den Gesprächen kamen Erinnerungen hoch an lange Kämpfe für eine große Freifläche zum Spielen in der früheren Veritas-Krippe, an Auseinandersetzungen, dass „technische Kräfte“ gerade in den kleinen Landkrippen saubermachen und kochen durften. Es ging um lange Arbeitstage der Krippenchefinnen, weil es für ihre kleinen Schützlinge nicht anders ging. Da sprang die Chefin selbst ein, wenn die Köchin ausfiel. Sonst hätte die Betriebskantine aushelfen müssen, was wegen der Verwendung von Konserven nicht gut für Kinder war.

Natürlich spielte auch eine Rolle, wie das eine oder andere Mangelprodukt für die Einrichtungen „organisiert“ wurde. Und wenn es gar nicht mehr ging, musste der Mann mit ran wie bei Inge Schalk in Kletzke. Doch die 85-Jährige war nicht die Älteste beim Treffen. Auch Elly Haak, Schwester Elly, wie sie von allen respektvoll genannt wurde, war trotz ihrer 92 Jahre gekommen. Über Jahrzehnte leitete sie die Wochenkrippe der Zellwolle. In einigen Gesprächen schimmerte noch der alte Ost-West-Streit um „Aufs Töpfchen gehen“ und frühe Sauberkeit durch. Aber viel wichtiger war für die Frauen etwas anderes. „Wir hatten eine gute Ausbildung, waren und sind kreativ und haben gelernt, zuzupacken und uns durchzusetzen. Deshalb haben fast alle von uns nach der Wende Arbeit gefunden in Kitas, im Sozialbereich aber auch in anderen Tätigkeiten. Das ist nicht bei allen Berufsgruppen so gelungen“, konstatierte Rosemarie Vogel.  

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