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Potsdamer KGB-Gefängnis zeigt Exponate : Erinnerung mit Seidentuch

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Im ehemaligen Potsdamer KGB-Gefängnis herrscht Hochbetrieb. Informationstafeln und Vitrinen werden aufgestellt. In knapp zwei Monaten soll in der Potsdamer Leistikowstraße eine Dauerausstellung ihre Pforten öffnen.

svz.de von
erstellt am 03.Mär.2012 | 02:56 Uhr

Potsdam | Im ehemaligen Potsdamer KGB-Gefängnis herrscht derzeit Hochbetrieb. Informationstafeln werden angebracht und Vitrinen aufgestellt. In knapp zwei Monaten soll in der Potsdamer Leistikowstraße eine Dauerausstellung ihre Pforten öffnen. Dann werden neben Dokumenten und Fotos auch wertvolle Erinnerungsstücke von ehemaligen Häftlingen zu sehen sein, kündigt Gedenkstättenleiterin Ines Reich an.

Ein Seidentuch mit roten Punkten wird unter anderem ausgestellt, das Hergart Wilmanns gehörte. Als die 18-Jährige verhaftet wurde, hatte sie es ihrer Mutter zum Abschied zugeworfen. Das Tuch hat Wilmanns bis an ihr Lebensende begleitet - im Gefängnis in der Leistikowstraße 1, im russischen Gulag und selbst noch in den Jahren danach in Freiheit, wie Reich erzählt. In der Leistikowstraße befand sich von 1945 bis 1989 das zentrale Untersuchungsgefängnis der sowjetischen Spionageabwehr in Ostdeutschland. Bis 1955 waren vor allem deutsche Zivilisten inhaftiert, etwa weil sie unter dem Verdacht standen, der Werwolf-Organisation angehört zu haben.

Später wurden in Potsdam ausschließlich sowjetische Bürger festgehalten, die Fahnenflucht begangen hatten oder unter Spionageverdacht standen. Die Gefangenen wurden oft monatelang verhört und teilweise misshandelt. Am Ende standen meist mehrjährige Haftstrafen oder die Todesstrafe.

Seit 1994 ist das ehemalige Gefängnis zugänglich. 2007 und 2008 wurde das Haus saniert und eine Begegnungsstätte errichtet. Heute sind die Zellen und Vernehmungsräume weitgehend original erhalten.

Erstmals sollen auch Fotos der Gefängnisleiter, Vernehmer und Dolmetscher bis 1955 gezeigt werden. Lange habe niemand gewusst, wer die Täter waren, sagte Reich. Viele wertvolle Informationen stammten von einem Überläufer, der als Dolmetscher in der Leistikowstraße tätig gewesen war. In den Zellen im ersten Stock des Gebäudes werden hauptsächlich Biografien einzelner Häftlinge vorgestellt, die anhand alter Aufzeichnungen und Zeitzeugenberichte erstellt wurden. In den übrigen Räumen soll der Kontext erklärt werden, in dem das ehemalige Gefängnis steht. So wird auf Tafeln etwa die militärische Spionageabwehr in Deutschland beschrieben. Im Erdgeschoss, wo früher die Sammelzellen waren, soll der Besucher den Haftalltag erfahren. An sechs Stationen gibt es Tonaufnahmen von Zeitzeugen, die über ihre Ankunft in der Leistikowstraße, die Versorgung, die Verhöre und den Prozess berichten. In zwei Räumen sind zudem die Inschriften zu sehen, die deutsche und russische Häftlinge in die Wände geritzt haben.

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