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Der Prignitzer

20. Oktober 2017 | 07:23 Uhr

"Erbkrug" ist dicht - vorübergehend?

vom

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2012 | 07:33 Uhr

Gross Lüben | "Heute geschlossen" ist am Eingang zum Gasthof und Hotel "Erbkrug" in Groß Lüben nachzulesen. Das stimmt so nicht: Die Lokalität ist bereits seit 1. Oktober zu und wird es auch auf zunächst unbestimmte Zeit bleiben. Am Amtsgericht Neuruppin ist ein Insolvenzverfahren über das Vermögen von Pächter und Betreiber Bernd Christiansen anhängig. Wie Sprecher Gerhard Pries gestern auf Nachfrage des "Prignitzers" bestätigte, wurde der entsprechende Antrag bereits am 7. Juni dieses Jahres gestellt, das Verfahren am 18. Juni eröffnet. Es habe, so Bernd Christiansen, jedoch nichts damit zu tun, dass es Außenstände bei Liefe ranten bzw. nicht bezahlte Verbindlichkeiten gebe. Die Hintergründe lägen auf einer anderen Ebene, die er im Detail allerdings nicht in die Öffentlichkeit tragen möchte.

Die Nachricht über die Schließung der traditionsreichen Herberge vor den Toren Bad Wilsnacks löst vielfach Bedauern aus. "Ich hoffe, dass schnell eine Lösung gefunden wird. Es wäre schlimm, wenn das Haus möglicherweise über mehrere Monate hinweg geschlossen bliebe", äußerte Bodo Rückschlag vom Vorstand des Prignitzers Dehoga-Kreisverbandes. "So lange ich denken kann, existierte an dieser Stelle immer eine Gaststätte. Es wäre ein herber Verlust, wenn das eine endgültige Angelegenheit wäre", sagte Bernhard Behrens, Vorsitzender des Fördervereins Kirche Groß Lüben e. V. Er führt ins Feld, dass erst vor kurzem der neue Rad- und Fußweg von Bad Wilsnack nach Groß Lüben fertig wurde, man im Oktober das Groß Lübener Kirchturmspitzenprojekt erfolgreich beendete. "Groß Lüben und somit auch der Erbkrug sind ein traditionelles Ausflugsziel der Wilsnack-Besucher", macht Behrens deutlich.

Erklärungsversuche für Gründe, die zur Schließung führten, gibt es. Sie bleiben aber auf der Ebene der Spekulation. Der zuständige Insolvenzverwalter, Dr. Hans-Peter Rechel aus Hamburg, führt Umsatzprobleme an, kennt Bernd Christiansen schon sehr lange, stets als umtriebigen, freundlichen Gastronomen. "Es tut mir leid für ihn", so der Jurist in einem Telefonat mit unserer Redaktion. Bernd Christiansen teilt diesen Eindruck nicht unbedingt. "Dass es Umsatzprobleme gab, kann man so nicht sagen. Die Vorbuchungen sind so gut, dass ein neuer Betreiber ohne größere Probleme sofort einsteigen könnte." Dr. Hans-Peter Rechel macht darauf aufmerksam, dass man die aktuelle Situation nicht losgelöst von dem bereits Anfang März 2010 eröffneten Insolvenzverfahren über das Vermögen von Bernd Christiansens Ehefrau betrachten dürfe - Eigentümerin des "Erbkrugs". Der dafür zuständige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Michael Krause aus Pritz walk, versuche seither einen Käufer für das Objekt in Groß Lüben zu finden, so Rechel. Krause selbst war aus terminlichen Gründen gestern für redaktionelle Nachfragen nicht zu sprechen.

Christiansens hatten das Objekt am 1. Januar 2003 von Eckhard Belau aus Bad Wilsnack übernommen. Er wiederum erwarb die Gaststätte 1975 von Familie Weiß, führte das Haus 28 Jahre lang, zu DDR-Zeiten als Kommissionshandel, ab der Wende privat. Er erweiterte die Gastro nomie um einen Hotelanbau, der im April 1993 eröffnet wurde. "Das Hotel lief langsam an - dann aber gut", erinnert sich Eckhard Belau. Gleiches galt für die Gastronomie, die von 1993 bis 2001 stark von Koch Knut Diete - jetzt "Kranhaus"-Koch in Wittenberge - mitgeprägt wurde. Auch in Eckhard Belaus Augen können schwache Umsätze kein ausreichendes Argument für die Schließung des "Erbkrugs" sein.

Der größte Teil der Belegschaft, so heißt es, sei anderswo in der Region untergekommen.

Wo auch immer die Gründe für die Situation liegen: Es gibt ein starkes Interesse daran, den "Erbkrug" so schnell wie möglich wiederzubeleben - auch bei Bernd Christiansen selbst. Er sucht aktiv nach einem neuen Betreiber, wie er gestern gegenüber dem "Prignitzer" unterstrich.

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