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Er wollte es knallen hören: Polizei fasst Bombenleger

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erstellt am 24.Feb.2012 | 09:01 Uhr

Neuruppin. | Acht selbst gebastelte Rohrbomben ließ er im Stadtgebiet von Hennigsdorf (Oberhavel) in die Luft gehen. Am Ende war der Verfolgungsdruck für ihn zu hoch: Jetzt sitzt ein 24 Jahre alter Mann hinter Schloss und Riegel und die Serie von mysteriösen Sprengstoffexplosionen ist aufgeklärt. "Manuel T. hat gestanden", sagte Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper gestern in Neuruppin. "Gegen ihn wurde soeben Haftbefehl vom Amtsgericht Oranienburg erlassen." Für Lodenkämper gibt es kaum noch Zweifel. "Wir gehen davon aus, dass er allein die Bomben gebaut und gesprengt hat." Befürchtungen, dass hinter den Hennigsdorfer Anschlägen ein politisches Motiv steckt, konnte Staatsschützer Frank Hollatz ausräumen. "Es deutet nichts darauf hin", so der Erste Polizeihauptkommissar.

Unter Hochdruck liefen in den vergangenen sechs Wochen die Fahndungsmaßnahmen. Die Beamten gingen jeder Spur nach. Am Ende brachte ein Abgleich mit einer Polizeidatenbank den Treffer. An den detonierten Bomben fanden sich Fingerabdrücke, die im System gespeichert waren. Sie gehören dem 24-jährigen Umschüler aus Hennigsdorf. Weil der Mann wegen verschiedener Diebstähle vorbestraft ist, waren seine Spuren gespeichert.

Die Beweislage gegen Manuel T. sei erdrückend. "Wir haben bei der Hausdurchsuchung Rohre und andere Gegenstände gefunden, die zum Bombenbau verwendet worden sind", so Hollatz. Die Ermittler hatten den Eindruck, dass er schon wieder an neuen Sprengkörpern gewerkelt hat, so Kripo-Chef Olaf Gaebel.

Als Motiv habe er angegeben, dass er sehr gern mit Sprengstoff experimentiere. "Er wollte es einfach knallen hören", sagte Lodenkämper. So harmlos, wie sein Tatmotiv vielleicht klingen mag, waren seine Bomben nicht. "Zum Glück war niemand in der Nähe, als er beispielsweise im Bahnhof seine Bomben hochgejagt hat", so Staatsschützer Hollatz. "Schwerste Verletzungen von Menschen waren wegen der Stärke der Detonationen nicht ausgeschlossen."

Als Rohstoff habe T. unter anderem Schwarzpulver von Polenböllern benutzt. Um die Sprengwirkung zu verstärken, soll er Wunderkerzen abgekratzt haben. Mit dem so gewonnenen Nitrat habe er eine hochexplosive Mischung hergestellt, die er in Metallrohre gepresst hat. "Als Zündschnur kam eine Wunderkerze zum Einsatz", erklärte der Kripochef. Manuel T. muss sich jetzt wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verantworten. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Gefängnis. Während der vergangenen sechs Wochen waren im nordwestlich von Berlin gelegenen Hennigsdorf acht Rohrbomben explodiert und hatten zum Teil erheblichen Sachschaden verursacht.

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