Augenzeuge berichtet : Er hat die Explosionen gespürt

Hat die Explosionen gespürt: der Prignitzer Marco Michelis.
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Hat die Explosionen gespürt: der Prignitzer Marco Michelis.

Bad Wilsnacker Marco Michelis erlebte die Anschläge im Pariser Stadion

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15. November 2015, 21:00 Uhr

Das war kein Böller. Nie und nimmer. Marco Michelis ahnte zwar nicht, dass nur 50 Meter Luftlinie entfernt eine Bombe explodierte, aber ein ungutes Gefühl beschlich den gebürtigen Bad Wilsnacker. Er war Freitagabend live im Pariser Fußballstadion, als die fürchterliche Terrorwelle begann.

Michelis ist Tontechniker, seine Potsdamer Firma überträgt für diverse Fernsehsender internationale Fußballspiele. Bei mehr als 1000 war er dabei, darunter acht Finals der Champions League. Aber diese Nacht in Paris wird er nie vergessen. „Vom ARD-Kommentator Tom Bartels erfuhr ich, dass eine Bombe explodiert war.“ Das sei so unrealistisch gewesen, dass er es gar nicht ernst nahm. „Erst nach und nach wurde mir bewusst, was hier passiert.“

Die Spieler und die Masse des Publikums hätten in der Tat nichts erfahren. „Nur die hinteren Ränge wurden unruhig, sie konnten auf die Straße schauen“, sagt Michelis. Nach dem Abpfiff drohte die Lage zu eskalieren. „Die Ausgänge waren verschlossen, überall Blaulicht und Polizei mit Maschinengewehren“, schildert er die Situation. Die Menschen liefen zurück auf den Rasen. „Für einen Moment dachte ich, jetzt bricht Panik aus.“

Aber dann beruhigte sich die Situation, die Zuschauer konnten das Stadion verlassen. Er selbst ging in die Katakomben, wo sich auch die deutsche Mannschaft befand. Pressesprecher Uli Voigt habe die Spieler informiert. Interviews wurden erst abgesagt, dann durften ausgewählte Spieler ans Mikro.

Marco Michelis arbeitete weiter. 19 Kameras mussten abgebaut, verlegte Kabel eingerollt werden. Erst gegen 4.30 Uhr verließen er und seine Kollegen das Stadion. „Unser Auto stand in der Tiefgarage. Wie fuhren durch gespenstisch leere Straßen zum Hotel.“ Unterwegs begegneten ihnen nur Einsatzkräfte.

Nicht anders war es am Morgen auf dem Weg zum Flughafen. Sie waren froh, die Stadt verlassen zu können. „Erst hieß es, die Grenzen sind alle geschlossen.“ Die Lage blieb unübersichtlich, Angst war ihr Begleiter. Am Nachmittag kam der Prignitzer bei seiner Familie in Potsdam an: „Ich war froh meine Frau und meine zwei Kinder in die Arme zu nehmen. Meine Frau war überglücklich.“


Reaktionen aus Wittenberge


Wittenberges Bürgermeister Dr. Oliver Hermann sprach den Menschen in der Partnerstadt Châlons-en-Champagne und der ganzen Nation sein Mitgefühl aus. „Wir sind von den Ereignissen tief berührt, sie gehen an uns nicht spurlos vorbei“, sagt er. Heute wolle er ein Schreiben an seinen Amtskollegen verfassen.

Auch Iris Berben ging zu Beginn ihrer Lesung in Wittenberge auf Paris ein. Sie sprach von einer „entsetzlichen, feigen und menschenverachtenden Tat“ und sprach eine Bitte aus: „Bitte lassen Sie in der Solidarität mit den Flüchtlingen nicht nach.“


Gedenkminute auch für die Terroropfer


Auch die traditionelle Kranzniederlegung zum Volkstrauertag gestern auf dem Perleberger Waldfriedhof nahm – neben vielen gleich gelagerten Veranstaltungen in der Region – Bezug zu den Ereignissen der vergangenen Tage in Paris und in Beirut. Auf die durch Kriegsereignisse verlorenen Kinder konzentrierte sich Bürgermeisterin Annett Jura in ihrer Ansprache an den 66 Gräbern gefallener Soldaten. An einem Tag wie diesem seien in das Gedenken natürlich die Opfer der aktuellen Terroranschläge eingeschlossen, so Jura. Die Schweigeminute gelte ganz bewusst auch ihnen. Sie erinnerte in ihrer Rede an das Flüchtlingskind Helene Schutzius. Ihr ist das im März dieses Jahres erschienene Perleberger Erinnerungsblättchen Nr. 24 gewidmet. Das kleine Mädchen überlebte die Strapazen der Flucht nicht, wurde 1945 in Perleberg beigesetzt – wie mehr als 150 weitere Kinder allein in jenem Jahr in der Rolandstadt.

„Wir dürfen nicht aufhören, offen zu sein für Gäste und auch für Flüchtlinge“, mahnte am Sonnabend Katharina Zimmermann vom Tourismusverband Prignitz am Rande des Knieper-Saisonauftakts in Pritzwalk. Entsetzen und Mitleid empfinde sie angesichts der unfassbaren Vorfälle. Dennoch: „Reisen bildet, das gilt nach wie vor. Wir sollten uns nicht entmutigen lassen, weiterhin zu reisen, um Menschen anderer Kulturen kennen zu lernen und zu erfahren, wie andere Kulturen funktionieren“, verdeutlicht die Touristikerin.

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