EOP Biodiesel AG stellt Insolvenzantrag

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14. Dezember 2010, 07:56 Uhr

Falkenhagen | Die EOP Biodiesel AG in Falkenhagen stellte gestern Mittag beim Amtsgericht Neuruppin Antrag auf Insolvenz. Der Vorstand sah sich zu dieser Maßnahme in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat gezwungen, weil verschiedene Banken ihre Kreditzusagen für Betriebsmittel nicht über das Jahr 2010 hinaus verlängern wollten. Eine Kapitalherabsetzung hätte dem Unternehmen geholfen, wurde aber im Mai auf der Hauptversammlung abgelehnt. Wegen dieses Votums der Aktionäre wollten auch die Banken das Unternehmen nicht weiter unterstützen. Die Fehler, die jetzt zum Insolvenzverfahren führen, wurden vor Jahren im Management gemacht, so Vorstandsvorsitzender Jörg Jacob.

Zum Insolvenzverwalter wurde der Düsseldorfer Anwalt Horst Piepenburg bestellt. Von 1982 bis 2002 wickelte er mit seiner Kanzlei über 1500 Insolvenzverfahren ab. Er war u. a. an der Sanierung der Küppersbusch AG, der Handelskette SinnLeffers, des Unternehmens DAF (Automobile) und zuletzt der Arcandor AG (Karstadt, Thomas Cook, Primondo) beteiligt.

"Unser Anliegen ist es, mit dem Insolvenzverwalter eng zusammenzuarbeiten und so möglichst alle Arbeitsplätze im Unternehmen zu erhalten", unterstreicht Jörg Jacob. Die seit Oktober defekte Ölmühle sei im Übrigen nicht der Grund für die Insolvenz, so Jacob. Die Ersatzteile seien bestellt, die Reparatur solle zwischen den Feiertagen erfolgen, ab Januar könnte das Unternehmen bereits wieder produzieren.

"Wir haben die 62 Mitarbeiter gestern auf einer Betriebsversammlung über die Situation informiert und versucht deutlich zu machen, dass eine Insolvenz in unserem Falle vor allem die große Chance für einen Neustart ist. Wir baten in unserem Antrag an das Amtsgericht darum, einen Rechtsanwalt zu beauftragen, der dafür bekannt ist insolvente Unternehmen zu sanieren und fortzuführen."

Die Leidtragenden im Insolvenzverfahren werden die Altaktionäre und eventuell einige Banken sein, so Jacob. Dennoch stünden die Zeichen für EOP gut. Die Kunden warten darauf, Aufträge zu erteilen. Denn ab 2011 dürfen dem mineralischen Diesel bis zu zehn Prozent Biodiesel beigemischt werden - rund drei Prozent mehr als bisher. Mit dem Insolvenzverfahren wolle man den gordischen Knoten zerschlagen, der in den letzten Monaten eine wirtschaftliche Sanierung des Unternehmens immer wieder behinderte.

Morgen stellt sich der Insolvenzverwalter in einer weiteren Betriebsversammlung der Belegschaft vor und will erste Aussagen zur Perspektive des Unternehmens treffen.

Die Aktionäre indes reagierten entsetzt auf das aktuelle Geschehen: Wie das Portal boerse.ARD.de gestern vermeldete, verlor die im Prime Standard notierte Aktie in der Spitze mehr als 40 Prozent, fiel auf gerade einmal 50 Cent. EOP Biodiesel war am 14. September 2005 zu 9,50 Euro an der Börse gestartet und bis zum Frühjahr 2006 auf 21 Euro gestiegen.

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