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Entführtes Turnierpferd ist wieder aufgetaucht

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erstellt am 28.Aug.2013 | 08:28 Uhr

Pausin | Ein Pferdekrimi hat nun sein vorläufiges Ende gefunden. Sonntag früh war Hengst Friedrich plötzlich von einem Turnier in Aschersleben in Sachsen-Anhalt verschwunden. Zwischen 5.30 und 6.30 Uhr war der siebenjährige Hannoveraner von einem zunächst Unbekannten mit einem Hänger direkt vom Turnierplatz abtransportiert worden. Springreiterin Jasmin Selke-John und ihr Team vom Pferdesportzentrum Pausin (Havelland) hatten das wertvolle Reitpferd noch am Vortag eingesetzt. Zur gleichen Zeit tauchte auch der mitgereiste Züchter Dietrich D. unter. Zwar ist seine Lebensgefährtin Eigentümerin des Pferdes, allerdings waren seit längerem Zahlungen für die intensive Ausbildung des Sportpferdes offen. Kurzerhand entschloss sich die Familie, neben einer Anzeige bei der Polizei auch einen Aufruf über Facebook zu starten. Nach eineinhalb Tagen wurden Bild und Beschreibung von rund 25 000 Menschen gesehen - mit Erfolg. "Ein Stallbesitzer aus dem Rheinland, dem Friedrich zum Verkauf angeboten wurde, hat sich bei uns gemeldet", sagte Gabriele Selke-John. "Weil die Papiere aber unvollständig waren, wurde er skeptisch und entdeckte dann auch kurz darauf den Aufruf."

Aber wie sich jetzt herausstellte, begann die Geschichte schon zwei Jahre früher. Züchter Dietrich D. schloss mit der Familie Selke-John eine branchenübliche Vereinbarung: Das Pferdesportzentrum übernimmt die Ausbildung des talentierten Hengstes, bekommt die Kosten ersetzt und erhält beim Verkauf zehn Prozent der Summe. Doch Dietrich D. ist ein säumiger Zahler. Recherchen ergaben, dass D. offenbar Geldprobleme hat und bei mehreren Reitsportverbänden wegen offener Posten ausgeschlossen wurde. D. weiß, dass er wegen der Schulden nicht einfach nach Pausin kommen und sein Pferd wieder mitnehmen kann. Er entschließt sich zu der Aktion beim Turnier in Aschersleben. Der Pferdezüchter lädt sein Turnierpferd unbemerkt in aller Frühe auf einen Hänger und fährt mit ihm quer durch Deutschland ins Rheinland. Die Familie informiert er per SMS, schaltet dann sein Handy aus. Familie Selke-John startet dann jenen einen Aufruf bei Facebook, dass es nicht "ihr" Pferd ist, verschweigt sie.

D. trifft währenddessen den Pferdehändler, dem diese Zeitung Anonymität zusicherte. Der erfährt über Facebook, dass Friedrich vermisst wird und stellt D. zur Rede, der alles zugibt. Das Pferd soll gut 100 000 Euro wert sein. "Wir müssen uns nun alle an einen Tisch setzen", sagt der Händler, der das Pferd bald verkaufen will. Er habe "gute Kunden". Nun suchen alle nach einer einvernehmlichen Lösung. Wenn dies scheitert, geht es vor Gericht. Für die Hauptperson, Hengst Friedrich, steht allerdings eines fest: Seinen Pferdehof in Brandenburg wird er nicht mehr sehen.

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