775 Jahre Perleberg : Entdeckt: Hölzerne Reste aus der Stadtgründerzeit

Auf diesen Gründungspfahl, der auf 1220 bis 1250 datiert ist, stieß man bei den Bauarbeiten in der Bäckerstraße. Archäologe Dr. Kay-Uwe Uschmann ließ ihn umgehend dendrologisch untersuchen.
1 von 2
Auf diesen Gründungspfahl, der auf 1220 bis 1250 datiert ist, stieß man bei den Bauarbeiten in der Bäckerstraße. Archäologe Dr. Kay-Uwe Uschmann ließ ihn umgehend dendrologisch untersuchen.

Archäologen finden an der Baustelle für den neuen Abwasserdüker Zeugnisse aus der Zeit um 1250

von
19. März 2014, 12:00 Uhr

Auf Reste der einstigen Uferrandbefestigung stieß man jetzt bei der Erneuerung des Abwasserdükers in der Bäckerstraße. Da die Tiefbauarbeiten im historischen Stadtkern ausgeführt werden, sind die Archäologen hier mit von der Partie, versuchen, die Vergangenheit ans Tageslicht zu befördern – zumindest für eine kurze Zeit. Und sie sind wieder fündig geworden, wie Dr. Kay-Uwe Uschmann von Archäologischen Grabungs- und Forschungsservice archaeofakt berichtet. Drei Gründungspfähle, wie sie unsere Vorfahren hier als Uferbefestigung verbaut haben, kamen zum Vorschein. „Heute werden Betonpfähle gesetzt, früher waren sie aus Holz, dazwischen Flechtwerk und Felssteine“, erläutert der Archäologe. Und er verhehlt nicht, dass er mit Blick auf das 775. Stadtjubiläum natürlich so schnell wie möglich wissen wollte, ob man hier auf Reste aus der Gründungszeit der Stadt gestoßen ist. Drei Holzproben entnahm er und brachte sie ins Deutsche Archäologische Institut nach Berlin. Der dortige Chefdendrologe Dr. Karl-Uwe Heußner machte sich gleich an die Arbeit. Das Ergebnis: „Die Eichenpfähle stammen aus der Frühphase Perlebergs. Man kann sie datieren auf 1230 bis 1250 und damit stammen sie aus der Zeit der Stadtgründung“, ist von Dr. Kay-Uwe Uschmann zu erfahren.

Dass man relativ schnell hier auch so exakte Aussagen treffen konnte, sei nicht zuletzt auch ein Verdienst von Kai Richter und Gordon Thalmann von der Unteren Denkmalbehörde des Landkreises. Denn sie haben sehr viele Holzproben aus der Prignitz zusammengetragen, so dass es inzwischen ein dichtes Netz von Datierungsringen gebe, betonte Heußner.

Die Gründungspfähle, die übrigens von ausgesprochen guter Qualität waren, deuten darauf, dass man sich damals möglicherweise anschickte, in Richtung heutiger Wollweberstraße eine Mühle zu bauen oder sie lassen darauf schließen, dass es auch eingangs der Bäckerstraße, wie angenommen, ein Stadttor gab, mutmaßt Dr. Uschmann.

Als in der Bäckerstraße in den 1930er Jahren die Abwasserleitung verlegt wurde, sei man offensichtlich schon auf die Eichenpfähle gestoßen. Dort, wo die Leitung dann verlief, habe man einen Pfahl herausgenommen und als die Baustelle geschlossen wurde wieder mit eingebuddelt. Gleiches passiere auch jetzt, allerdings sei der Fund nun dokumentiert, dendrologisch untersucht und damit auch genau datiert.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen