Regenerative Energieerzeugung : Energiedrachen über dem Flugplatz Sommersberg

Die Demonstrationsanlage, die in Pritzwalk zum Einsatz kommt, ist auf einem Lkw montiert.
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Die Demonstrationsanlage, die in Pritzwalk zum Einsatz kommt, ist auf einem Lkw montiert.

Ingenieure aus Kleinmachnow testen fliegende Kraftwerke am Prignitzer Himmel

svz.de von
02. Dezember 2014, 12:00 Uhr

Seit Tagen flattert ein großer Lenkdrachen über dem Flugplatz Sommersberg bei Pritzwalk im eisigen Wind. Mal höher, mal tiefer, mal links und mal rechts. Das Fluggerät mit dem Namen „Enerkite“ produziert Strom und stellt nebenbei einen europäischen Rekord im automatischen Langzeitflug auf.

Ingenieur Alexander Bormann, Chef der Firma Enerkite, macht mit seinen Kollegen in Pritzwalk wieder einmal Probeflüge mit dem Lenkdrachen, der Strom erzeugt. „Die zentrale Frage war, wie man aus Wind Strom produzieren kann und sich dabei auf das Wesentliche beschränkt“, sagt er. Ein Kollege habe ihm vor einigen Jahren berichtet, dass er jemanden beobachtet hätte, der mit einem Longboard, dass von einem Lenkdrachen gezogen wurde, die Straße entlanggesaust sei – die zündende Idee zum Enerkite.

Der Lenkdrachen ist an drei Seilen befestigt. Zwei davon dienen der Steuerung des Drachens, ein Seil erzeugt Strom. Zieht der Wind den Drachen in die Höhe, erzeugt das ablaufende Seil über einen Generator in der Trommel Strom, der in großen Batterien gespeichert, direkt vor Ort verbraucht oder ins Netz eingespeist werden kann. Ist der Drachen etwa 300 Meter hoch aufgestiegen, wird er langsam wieder heruntergeholt. Dafür wird nur ein Bruchteil des zuvor erzeugten Stroms benötigt. Ist der Drache weit genug unten, lässt das System ihn wieder aufsteigen und der Zyklus beginnt von vorn.

„Noch sind wir in der Erprobungsphase. Aber es sieht sehr gut aus. Wir haben bereits alles vollautomatisiert. Stromspeicherung, Steuerung, alles läuft von allein. Der nächste Schritt ist der, den Start und die Landung des Gleitschirms zu automatisieren. Aber auch hier sind wir gut unterwegs“, sagt Alexander Bormann. Mit weiteren Ingenieuren arbeitet er daran, das System zur Serienreife zu bringen. Bislang konnten für die Entwicklung etwa 1,5 Millionen Euro an Fördermitteln eingeworben werden.

Eine Serienproduktion aufzubauen wird ein großer finanzieller Kraftakt, sagt Bormann. „Wir sind auf der Suche nach Investoren, und die waren auch schon hier in Pritzwalk und haben sich das angeschaut. Es gibt großes Interesse. Denn anders als bei Windkraftanlagen sind wir mit dem System mobil. Wir brauchen kein Fundament, wir brauchen keine Straße, keinen Turm und keine Baugenehmigung.“

Die Technik, die heute noch auf einem Lkw untergebracht ist, soll künftig in einen Container passen. Dazu das automatische Start- und Landesystem und es kann losgehen. Der Prototyp hat eine Leistung 30 Kilowatt. Die geplanten 100-kW-Anlagen hingegen sollen 60 Haushalte versorgen. Dabei hat der Enerkite eine jährliche Einsatzzeit von etwa 5000 Stunden und sei damit besser als jede Windkraftanlage.

„Wir planen im Jahr 2017 in die Serienproduktion zu gehen und könnten uns vorstellen, das hier in Pritzwalk zu machen. Es gibt hier eine lange Maschinenbautradition und viele gute Leute mit Erfahrungen. Außerdem haben viele große Industrieunternehmen hier ihre Wurzeln.“

Sicherheit werde bei dem System übrigens sehr groß geschrieben, betont der Konstrukteur. Positionslichter am Schirm sollen Flugzeuge warnen, aber nur dann leuchten, wenn sich auch ein Flugzeug nähert. In der Bodenstation wird immer soviel Strom gespeichert, um den Schirm jederzeit vollautomatisch und sicher landen zu können. Sollte sich Eis am Schirm bilden oder der Wind zu turbulent werden, kann der Enerkite mit bis zu 40 Metern pro Sekunde eingezogen werden.

Zielgruppe für den Enerkite sind Kommunen, die ihren Strom unabhängig erzeugen wollen, aber auch Unternehmen. Die Kosten für das System werden bei etwa 500 000 Euro liegen und hätten sich nach maximal vier Jahren amortisiert. „Wir sehen in Enerkite nicht die Lösung des Energieproblems in Deutschland. Aber wir bieten eine gute Alternative an, die zudem mobil ist und selbst für die Stromversorgung von Baustellen eingesetzt werden kann. Wir wollen den stationären Windkraftanlagen damit richtig Konkurrenz machen“, sagt Bormann.



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