Energie aus Grünland

Beim Rundgang im Bild festgehalten: Gesellschafter der neuen  Biogasanlage, deren Erfinder und Projektentwickler. Manfred Drössler
Beim Rundgang im Bild festgehalten: Gesellschafter der neuen Biogasanlage, deren Erfinder und Projektentwickler. Manfred Drössler

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24. Oktober 2011, 07:29 Uhr

Legde | Die 600 kW-Technik der neuen Biogasanlage in Legde ist am Netz und speist bei einer Laufzeit von 8200 Stunden im Jahr 4920 Megawatt in die Leitung der Wemag ein. Offiziell eingeweiht wurde die Anlage am Freitag mit Gesellschaftern, Vertretern beteiligter Firmen, Gästen aus Gemeinde, Kreis- und Biosphärenratsverwaltung und Kreisbauernverband sowie anschließend mit Besuchern bei einem Tag der offenen Tür.

Für die Agrarproduktivgenossenschaften Abbendorf und Legde war die Investition, an der sich weitere sechs natürliche Personen als Gesellschafter beteiligen, etwas Besonderes. Denn sie standen vor der Frage: Wohin mit dem vielen Gras und Heu, wenn das Grünland mehr Futter hergibt, als es vom eigenen Tierbestand verwertet werden kann? "Wir mussten daher ein Konzept entwickeln, wie das extensiv genutzte Grünland im Sinne des Naturschutzes und der Landeigentümer weiter sinnvoll verwertet werden kann und uns zugleich sichere Erlöse beschert", erklärt Dirk Glaeser, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaften. Weiter produzieren werde man Heu für den Eigenbedarf und zum Verkauf. Neu ist, dass jetzt ein erheblicher Anteil an Grassilage - jährlich 8000 Tonnen - zur Beschickung der neuen Bio gasanlage genutzt wird, neben 6500 Tonnen Gülle und 3000 Tonnen Mais. Während bei herkömmlichen Anlagen der Grassilage-Anteil maximal 25 Prozent ausmacht, "verträgt" die Technik in Legde bis zu 50 Prozent. "Das ist ein Novum und eine tolle Sache", so Dirk Glaeser.

Möglich wird dies durch die Technologie des Rottaler Modells, entwickelt von der BME Biomasse Energie GmbH in Wurmannsquick/Bayern. "Die Besonderheit gegenüber anderen Anlagen besteht darin, dass mit Hilfe der thermischen Hydrolyse Gras besser für die Vergärung aufgeschlossen werden kann und bis zu 30 Prozent mehr Methan gewonnen wird", erklärt BME-Geschäftsführerin Paula Danner, die aus Bayern angereist war. Eine erste Anlage des Rottaler Hochleistungs-Typs wurde 2006 in Bayern gebaut. Inzwischen sind zwölf in Betrieb, vier davon in den neuen Bundesländern. Auch wurden herkömmliche einstufige Anlagen mit einer Hydrolyse/Versauerungs-Einheit nachgerüstet.

Die im Blockheizkraftwerk neben dem Strom erzeugte Wärme wird zu etwa 30 Prozent für die Aufrechterhaltung der Fermentertemperatur (30 bis 35 Grad) in der Biogasanlage sowie für Betriebsräume benötigt und beheizt darüber hinaus eine benachbarte Geflügelanlage. Geplant ist noch eine Heizleitung für eine Trocknungsanlage der Genossenschaft. "Wir begrüßen es, dass mit dieser Biogasanlage für das Elbvorland im Sinne des Natur- und Hochwasserschutzes eine gute Lösung gefunden wurde", unterstreicht Dr. Sabine Kramer, 2. Beigeordnete des Landrates. So verhindere die weitere Mahd Aufwuchs, der bei Hochwasser einen normalen Abfluss behindern würde. "Ebenso sind wir an einer alternativen Grünlandnutzung interessiert, denn für die Landwirtschaft ist es sehr schwer, mit diesen Flächen Erträge zu erwirtschaften." Auch Martina Grade von der Biosphärenreservatsverwaltung Flusslandschaft Elbe begrüßt das Konzept: "Die Grünlandnutzung zur Erzeugung von Biomasse passt in den Kontext Atomausstieg."

Was bleibt, ist das Thema Straßenanbindung, führt doch ein Kopfsteinpflasterdamm zur Biogasanlage. Über ihn fahren die Transporte mit Grünschnitt zur Anlage bzw. mit Gärresten zum Acker. "Wenn die Hänger voll beladen sind, ist das weniger das Problem, doch leer poltern sie ganz schön", meint Bürgermeister Wolfgang Milstrey, selbst Anwohner an der Straße. Der Fördermitteltopf Ländlicher Wegebau sei leer, doch selbst wenn es Fördermittel gebe, würde man sie kaum nutzen, da einige Anlieger über Gebühr zur Kasse gebeten würden.

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