Radweg Groß Breese : Endloser Streit um 75 Meter

Förderband, Bahnschwellen, Landmaschinen: Auf dem Radweg ist seit Jahren kein Durchkommen.
Foto:
Förderband, Bahnschwellen, Landmaschinen: Auf dem Radweg ist seit Jahren kein Durchkommen.

Keine Einigung bezüglich Flächentausch in Sicht / Eigentümer verlangt Rückbau / Abgestellte Großtechnik vorerst aus dem Ort verschwunden

von
06. März 2014, 08:00 Uhr

Es sind lediglich 325 Quadratmeter Wiese am Ortseingang Groß Breese, um die seit 1998 ein erbitterter Streit tobt. Im Gegensatz zum Wahlspruch der drei Musketiere heißt es hier jedoch nicht „Einer für alle“ sondern „Einer gegen alle“. Oder alle gegen einen, je nach Standpunkt.

Der Konflikt, der auch die jüngste Sitzung der Gemeindevertreter intensiv beschäftigte, geht zurück auf den Bau des Radweges entlang der L 11. „Die damals eigenständige Gemeinde Groß Breese hatte zu dieser Zeit entsprechende Mittel für das Projekt“, erklärt Wilsnacks Bau-amtsleiter Peter Rollenhagen. Am Ortsausgang Richtung Wittenberge wurde der Weg auf die nördliche Straßenseite geführt, damit Kinder aus Groß Breese einfach in den Weisener Weg abbiegen und zur Waldschule fahren können. Dafür wollte die Gemeinde das Grundstück haben und bot dem Eigentümer, einem Landwirt aus dem Ort, in einem Tauschvertrag eine Ausgleichsfläche an. So weit, so korrekt, die Gemeinde lies bauen.

„Zwei Jahre lang habe ich auf den Flächentausch gedrängt, aber es passierte nichts“, sagt Hans-Werner Kuhblank, Eigentümer des Grundstücks, über das der Radweg läuft. „Mein Rechtsanwalt hat Einblick ins Grundbuch beantragt und dabei stellte sich heraus, dass das Flurstück, was mir zugesprochen wurde, zwischenzeitlich verkauft worden war, und zwar an die stellvertretende Amtsdirektorin. Das kam mir dann schon merkwürdig vor.“

Das Amt Bad Wilsnack/Weisen bedauert den Fehler, der damals unstrittig passiert sei. „Als wir das bemerkt haben, bot die Gemeinde dem Eigentümer andere Flächen an, die ihm allerdings nicht zusagten“, erklärt Bauamtsleiter Rollenhagen. Kuhblank bestätigt, dass ihm Flächen, die er bereits zuvor nutzte, angeboten wurden, die Gemeinde aber lediglich ein Verfügungsrecht gehabt habe und nicht Eigentümer gewesen sei. „Für mich war das keine Alternative“, sagt der Landwirt. Aus diesem Grund habe er den Radweg gesperrt, Technik und Baumaterial dort abgestellt. „Mehrmals gab es Aufforderungen und Versuche, den Weg zu räumen. Auch ein Widmungsverfahren strengte das Amt an, um den Radweg durchzusetzen. Das konnte mein Anwalt aber bis jetzt abwehren“, so Kuhblank.

Laut Bauamt habe man noch mehrfach versucht, sich zu einigen und Tauschflächen anzubieten, allerdings ohne Erfolg. Das Verfahren zur Räumung des Radweges ist seit Jahren am Verwaltungsgericht anhängig.

Die Groß Breeser sehen die Situation in mehrfacher Hinsicht problematisch. „Dass die Kinder auf dem Weg zur Schule auf die Straße ausweichen müssen, das ist die eine Sache“, sagt Ortsvorsteherin Anita Haverland. „Dazu kommt noch, dass sich die Fläche unmittelbar am Ortseingang befindet und so die Müllberge dort für jeden Besucher zwangsläufig ins Blickfeld geraten. Für einen Ort wie Groß Breese, der aufgrund seiner historischen Substanz von Touristen gerne angesteuert wird, ist das einfach unwürdig.“ Es sei nachvollziehbar, dass sich der Breeser, auf dessen Land der Radweg gebaut wurde, ungerecht behandelt fühle. Dass er aber auf die zahlreichen Angebote für einen Ausgleich nicht eingegangen sei, das ließe sich nur als Trotzreaktion werten, so Haverland.

Da der Eigentümer rein Formal im Recht zu sein scheint, hat der Landkreis versucht, auch über die Denkmalbereichssatzung für Groß Breese eine Räumung des Weges zu erwirken, um den Schandfleck am Ortseingang zu beseitigen. Auch hier ist das Verfahren anhängig.

Dass es in Groß Breese um mehr geht als nur 325 Quadratmeter Wiese wird an zwei weiteren Streitpunkten deutlich: So habe Kuhblank in den vergangenen Jahren mehrere Häuser samt dazugehöriger Grundstücke erworben. Seitdem verfallen die Gebäude zusehends, auch die Grundstücke verwildern. „Meist sind es die Erben der ehemaligen Besitzer, die die Häuser verkaufen, denen ist egal, was damit wird“, vermutet Anita Haverland und spekuliert, dass es dem Landwirt nur um die Ländereien geht, die gemeinsam mit den Häusern verkauft werden. „Hätte er an den Häusern Interesse, würde er sie ordentlich erhalten. Bestes Beispiel ist das Haus Groß Breeser Allee 44 . Da hat es jahrelang reingeregnet, bis der Denkmalschutz ihn verpflichtet hat, die notwendigen Sicherungsmaßnahmen durchzuführen. Dem Anspruch an ein attraktives Dorfbild wird das indes nicht gerecht.“

Hans-Werner Kuhblank bestätigt, dass sein Interesse den Nutzflächen gelte. „Aber wenn jemand einen der Höfe kaufen will, kann er gerne auf mich zukommen. Mir gefällt es auch nicht, dass die Häuser verfallen, aber die Denkmalschutzauflagen machen es mir unmöglich, alle entsprechend zu sanieren.“

Streitpunkt drei scheint sich vorerst erledigt zu haben. Bis in die vergangene Woche parkte der Landwirt regelmäßig Großgeräte wie Anhänger und Ackertechnik vor seinen Gebäuden. Hier sah sich das Ordnungsamt gezwungen, zu handeln, denn zum einen gehören die Flächen vor den Häusern der Gemeinde, zum anderen sei Gefahr im Verzug gewesen. „Wenn solche Technik ungeschützt mitten im Ort steht, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Kind daran verletzt“, sagt Anita Haverland. „Wir haben eine Ordnungsverfügung erlassen und den Eigentümer aufgefordert, die Geräte zu entfernen“, sagt Ordnungsamtsleiter Gerald Neu. Da er dem nicht nachgekommen sei, wurden einige Geräte abgeschleppt. Ein Einspruch gegen die Verfügung sei wegen Formfehlern bei Gericht abgelehnt worden. „Im Januar und Februar parkten wieder Anhänger und Geräte im Ort, teils so eng zusammen und miteinander verbunden, dass sie nicht abgeschleppt werden konnten. Seit vergangener Woche sind sie jedoch weg“, so Neu. Kuhblank entgegnet, die Polizei habe keine Rechtswidrigkeiten bei den abgestellten Fahrzeugen feststellen können. Aktuell würden sie für den Frühjahrsbetrieb umgerüstet und seien deshalb von der Straße verschwunden.

Was den Radweg angeht, glaubt der Landwirt nicht an eine Einigung mit der Gemeinde. „Es gab genügend Chancen, aber die Angebote waren alle halbherzig. Ich werde auf dem Rechtsweg dafür kämpfen, dass der Radweg zurückgebaut wird. Dann ist die Sache für mich wirklich erledigt.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen