kino : Empörung über Taschenkontrolle

Nach Vorfällen mit Reizgas in deutschen Kinos reagiert der Wittenberger Betreiber und führt teilweise Taschenkontrollen durch. Besucher bittet Sylvio Verfürth um Verständnis.
Nach Vorfällen mit Reizgas in deutschen Kinos reagiert der Wittenberger Betreiber und führt teilweise Taschenkontrollen durch. Besucher bittet Sylvio Verfürth um Verständnis.

Kino-Betreiber Sylvio Verfürth reagiert auf Übergriffe und bittet Besucher um Verständnis / Vorfall mit Reizgas in Salzwedel

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07. November 2017, 21:00 Uhr

Verärgert über eine Taschenkontrolle verließ unsere Leserin (Name der Redaktion bekannt) zusammen mit ihrer Tochter das Wittenberger Kino Moviestar. Die Angestellte habe eindringlich auf sie eingeredet, habe verlangt, in ihre Tasche schauen zu dürfen, aber keinen Grund genannt.

Unsere Leserin verweigerte die Einsicht, bat vergeblich um die Hausordnung, auf der die Taschenkontrolle vermerkt sein müsste. Als sie gebeten wurde, die Tasche ins Auto zu bringen, war ihr die Lust auf den Kinobesuch vergangenen. Sie ließ sich das Kartengeld auszahlen und ist über die Kontrollpraxis verwundert. In großen Kinos interessiere sich niemand für Handtaschen und sie frage sich, ob es sich das Kino in Wittenberge leisten könne, auf Besucher zu verzichten.

Unsere Zeitung wandte sich an den Betreiber Sylvio Verfürth. „Ja, meine Mitarbeiter sind angewiesen, Taschenkontrollen durchzuführen“, sagt er. Grund sei die Sicherheit von Besuchern und Mitarbeitern. Den letzten Anstoß habe ein Vorfall im Kino Salzwedel geliefert.

Im Januar hatte dort ein Unbekannter Reizgas freigesetzt. Mehrere Personen klagten über Husten und Reizungen im Hals, Rentner mussten ambulant behandelt werden. Die Polizei hatte den Vorfall bestätigt, die Magdeburger Volksstimme darüber berichtet.

„Bundesweit hat es solche Vorfälle häufiger gegeben und Salzwedel zeigt, dass es auch Kinos in kleinen Städten treffen kann“, sagt Sylvio Verfürth. Der Saal musste entlüftet werden, das Kino hatte vorübergehend geschlossen. „Das bedeutet Einnahmeverluste, die ich nicht riskieren möchte“, sagt Verfürth, der weitere Kinos in Perleberg, Güstrow und Sangerhausen betreibt.

Er wisse, dass seine Mitarbeiter nur um Einsicht bitten dürfen. Die Anweisung gelte auch nur für größere Taschen. „Selbstverständlich muss dem Gast erklärt werden, warum wir das machen und meine Mitarbeiter sollen höflich darum bitten“, so Verfürth. Er wolle den geschilderten Fall zum Anlass nehmen und die Kollegen noch einmal darauf hinweisen.

Es sei aber richtig, dass bei einer Verweigerung die Gäste die Tasche nicht mit in den Saal nehmen dürfen. Wer das nicht akzeptiere, könne das Kino nicht besuchen. „Natürlich bedauern wir das, aber die Sicherheit der anderen Gäste ist uns wichtiger.“ Er weist Spekulationen zurück, dass durch Kontrollen die Mitnahme von Speisen oder Getränken verhindern werden soll. Das ist laut Hausordnung verboten, ein Schild weist darauf hin. „Aber nach 20 Jahren im Kinogeschäft weiß ich, dass dies nie gänzlich gelingen wird. Wir finden immer wieder mitgebrachte Getränkeflaschen.“

Die Empörung mancher Gäste über die Kontrollen könne er nicht nachvollziehen. „Bei Konzerten, Sportwettkämpfen und anderen Großveranstaltungen führen Sicherheitskräfte strenge Kontrollen durch. Niemand regt sich darüber auf, aber im Kino wird das leider häufig nicht akzeptiert“, meint Sylvio Verfürth.

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