Elbfluten ließen Hochzeitsfeier platzen

Familienglück: Yvonne und Jürgen Baerwaldt mit den Töchtern Lara (l.) und Amy. togo
Familienglück: Yvonne und Jürgen Baerwaldt mit den Töchtern Lara (l.) und Amy. togo

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05. September 2012, 07:58 Uhr

Mödlich | Am 22. August feierten Yvonne und Jürgen Baerwaldt aus dem kleinen Wischedorf Mödlich ihren 10. Hochzeitstag. "Wir haben uns in Hamburg mit Freunden getroffen und sind schick essen gegangen", berichtet Jürgen, der in der Hansestadt die Woche über sein Geld als Lagermeister verdient. Für wahr nichts Ungewöhnliches. Vor zehn Jahren ging es bei den Baerwaldts weitaus turbulenter zu.

Mitten in der dramatischen Phase des Jahrhunderthochwassers der Elbe im Jahr 2002 gaben sich die Mödlicher das Ja-Wort. Die große Hochzeitsfeier fiel allerdings aus. "Alles war vorbereitet. Das große Zelt, DJ und die Hochzeitstorte bestellt", erinnert sich Jürgen, der von fast allen eigentlich nur "Atze" gerufen wird. Doch dann bahnte sich die Flutwelle der Elbe unaufhaltsam den Weg in Richtung Norden. Bilder von überschwemmten Landstrichen erreichten die Lenzener Wische. Auch hier bereitete man sich mit Hochdruck auf das Hochwasser vor. Gehöfte wurden evakuiert, das Vieh auf höher gelegene Weiden in Sicherheit gebracht. "Auch wir haben unser Mobilar hoch in die erste Etage getragen und zwischendurch zusammen mit den anderen Dorfbewohnern Sandsäcke geschippt", blickt Yvonne, die sich damals auch noch um ihre erkrankte, einjährige Tochter Lara kümmern musste, auf die aufregende Zeit zurück.

Und der Hochzeitstermin rückte immer näher. Als dann zuerst der Zeltverleiher absagte und auch der Neu-Kalißer Bäcker ("Wir werden selbst evakuiert.") die Hochzeitstorte nicht liefern konnte, mussten die Mödlicher ihre Feier wohl oder übel absagen. Doch die Trauung im Ludwigsluster Standesamt wollten die jungen Leute nicht verschieben. "Die Ringe mit dem Datum waren ja schon graviert", sagt Hotelfachfrau Yvonne schmunzelnd.

Nachdem die frischvermählten Eheleute vor die Tür des Standesamtes traten, trauten sie ihren Augen kaum. Zahlreiche Helfer aus der Wische, ja sogar vom THW aus Reinickendorf oder der Feuerwehr Fürstenwalde standen da und gratulierten dem vermeintlich traurigen Hochzeitspaar. Ergriffen von der spontanen Aktion kullerten auch bei Jürgen ein paar Freudentränen. "So viele Männer hab ich noch nie geküsst", erinnert sich Yvonne lachend. Das Paar ließ es sich nicht nehmen, fuhr in die mittlerweile zur Sperrzone erklärte Lenzener Wische ("Wir hatten von Bürgermeister Klaus Bormann ja Passierscheine erhalten.") und spendierten den fleißigen Helfern in Mödlich ein Fass Bier. Bei der von Yvon nes Eltern spontan organisierten Feier am Abend in Wöbbelin gab es Gulasch und Salate, ein "Notfallbüfett", wie die Eheleute das Hochzeitsmahl nannten. Doch schon da stand für beide fest: Die Hochzeitsfeier wird nachgeholt.

Genau ein Jahr später, wieder am 22. August, kamen an die 170 Gäste zur Nachfeier. Auch die Presse und sogar das rbb-Fernsehen waren dabei. Das Zelt stand, der DJ und die Hochzeitstorte waren auch da. Alles so wie ein Jahr zuvor geplant. "17 Schubkarren mit Scherben musste ich wegfahren", sagt "Atze", der im Frühjahr zuvor mit seiner Yvonne als Prinzenpaar beim Lenzener Karneval regierte. Thema: "Der LCC auf hoher See." Wie passend.

Mittlerweile ist bei Familie Baerwald längst wieder die Normalität eingekehrt. Das Familienglück machte die zweite Tochter, Amy, die inzwischen sechs Jahre alt ist, perfekt. Wie oft sie ihre Geschichte von der turbulenten Hochzeit schon erzählt haben, wissen Yvonne und Jürgen nicht. "Wenn es irgendwo um das Thema Hochzeit geht, müssen wir immer wieder schmunzeln. Wir erinnern uns noch immer gern an unsere eigene zurück. Schön war’s."

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