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Elbeflut: Keine verlässliche Prognose möglich

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erstellt am 04.Jun.2013 | 11:49 Uhr

Prignitz/Havelberg | Die Prignitz wird ein starkes Elbehochwasser bekommen. Daran gibt es keinen Zweifel. Wie hoch der Pegel steigen wird und ob die 7,34 Meter von 2002 überschritten werden, war gestern unklar. Hubert Finke, Leiter des hiesigen Außenbezirks des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg, begründet dies mit fehlenden zuverlässigen Informationen und einer anderen Ausgangssituation als 2002.

Vorgestern wurden für Wittenberge 7,50 Meter vorausgesagt, gestern konnte der Wert durch das Schifffahrtsamt nicht aktualisiert werden, da es technische Probleme gab. Die Hochwasservorhersagezentrale Potsdam blieb bei ihrer Einschätzung von 7,50 Meter am kommenden Sonntag. Der Landkreis richtet heute seinen Krisenstab ein.

"Die 7,50 Meter haben uns erschreckt", räumt Finke ein. Sollten sie tatsächlich kommen, müsste Wittenberge geschützt werden, denn innerstädtisch ist der Deich exakt auf diesen Pegel ausgebaut. "Die Spritzwand allein reicht nicht, sie müsste mit Sandsäcken verstärkt werden", so Finke. Die Entscheidung darüber sollte zügig fallen. Bedroht sei dann auch wieder Breese.

Wie sicher diese Prognose ist, vermag aber selbst Finke mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung nicht zu sagen. Generell seien die Voraussagewerte für Wittenberge immer etwas zu hoch. Aber selbst wenn man abrundet, bleiben momentan viele Fragezeichen. Im tschechischen Einzugsgebiet war bis gestern Abend kein Scheitelpunkt erkennbar. In den Mittelgebirgen östlich und westlich der Elbe regnete es weiter. Allenfalls war am Nachmittag festzustellen, dass die Pegel langsamer stiegen. Aber selbst wenn die Rekordwerte von 2002 in Tschechien und Dresden verfehlt werden, bedeute das für die Prignitz keine Entwarnung.

Saale, Mulde, Elster führen extremes Hochwasser und münden letztendlich alle in die Elbe. "Die Saale ist mehr als voll und 2002 war sie leer", so Finke. Besorgt verfolgt er die Entwicklung an der Havel, die 2002 ebenfalls nur wenig Wasser führte. Ganz anders in diesen Tagen.

Gestern flossen bei Gnevsdorf 107 Kubikmeter Havelwasser pro Sekunde in die Elbe. Flussaufwärts in Ketzin führte die Havel schon 140 Kubikmeter. Dass der Abfluss in die Elbe rasant zunehmen wird, steht für Finke außer Frage. Das durch eine Wehrschließung zu verhindern, schlossen Finkes Kollegen zunächst aus. Dafür seien die Wasserstände in der Havel zu hoch.

Über eine eventuelle Flutung der Havelpolder wollte gestern Abend der Krisenstab in Magdeburg beraten. Bis zum Wochenende hatten zivile und militärische Einsatzkräfte für dieses Szenario trainiert (wir berichteten gestern). 2002 hatte man sich für die Flutung entschieden, sie senkte nachweisbar den Elbpegel. "Aber damals waren auch die Polder leer, heute steht bereits Wasser drin, was abgepumpt wird", erklärt Finke.

2002 hatten außerdem mehrere Deichbrüche der Prignitz geholfen. Inzwischen ist der Elbdeich saniert. "Ich rechne nicht mit Deichbrüchen und auch die Nebenflüsse werden bedingt durch Sanierungsmaßnahmen deutlich mehr Wasser in die Elbe bringen als 2002", so Finke. All das zusammen macht eine zuverlässige Prognose und einen Vergleich zu 2002 so schwer.

In Havelberg wird eine Polderflutung diskutiert. Bürgermeister Bernd Poloski sagte, betroffene Bereiche sollten ernsthaft auf eine Polderflutung vorbereitet werden. Zudem sollten die Landwirte in der Havelniederung ihre Viehbestände und Maschinen von den Wiesen holen. Die Entscheidung über eine Flutung falle sehr kurzfristig und werde politisch gefällt. Innerstädtische Schwerpunkte seien die Stadtinsel und die Südvorstadt. Hier sollen Aufhöhungen vorgenommen werden.

Das Panzerpionierbataillon 803 befindet sich in Alarmbereitschaft, war gestern zu erfahren.

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