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Forschungsschiff in Wittenberge : Elbe – badetauglich und algenfrei

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Das Wasser des Flusses ist inzwischen völlig geschmacksfrei, bestätigen Teilnehmer der Elbschwimmstaffel – Forschung geht weiter

svz.de von
erstellt am 11.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Als Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und Bürgermeister Dr. Oliver Hermann am Sonnabend den Teilnehmern an der Etappe Sandau-Wittenberge der Elbschwimmstaffel auf dem Forschungsschiff „Elbegrund“ die Medaillen überreicht hatten, gab es ein großes Gruppenfoto. Im Vordergrund stand ein Schild mit der geheimnisvollen Aufschrift Cryptophyceen 0,0 Mikrogramm je Liter.

Dahinter verbarg sich das Ergebnis der optischen Messung des Chlorophyllgehaltes im Wasser. Dieser lag unter der Nachweisgrenze, die Elbe war in diesem Abschnitt also praktisch algenfrei. Dr. Thomas Weißwange von der Universität Bielefeld überraschte das nicht. „Ich bin zwei Kilometer in der Staffel mitgeschwommen und habe zwangsläufig wie einst Alexander von Humboldt bei seinen Forschungen Geschmacksproben genommen. „Das Elbewasser war völlig geschmacklos“, so der Physiker und promovierte Mikrobiologe.

„Die Elbe hat auf der ganzen Strecke bis Wittenberge Badequalität“, bestätigte Dr. Nicolas Börsig von der Universität Karlsruhe. Er bedient mit zwei weiteren Forschern die Multispektralsonde am Bug des Schiffes, die alle vier Sekunden die Wasserqualität misst. Natürlich auch im Nedwighafen und dem alten Stadthafen, die ebenfalls beprobt wurden.

Die Forscher beließen es nicht bei der Kontrolle von Deutschlands drittgrößtem Strom. „Wir haben auch das Wasser der Zuflüsse und dessen Zusammensetzung analysiert und erkundet, wie schnell die Vermischung mit der Elbe abläuft“, erläuterte Börsig. Dass die Elbe an einigen Stellen trübe sei, mindere nicht die Qualität, es handele sich meist um aufgewirbelte Sedimente. Messungen und Wasserproben liefern den Forschern noch Arbeit für Monate, auch wenn Schwimmstaffel und Begleitforschungen morgen in Geesthacht enden. Denn den Gehalt an Mikroplastikpartikel zu bestimmen, ist nur in langen Versuchsreihen spezialisierter Labore möglich.

Ganz reibungslos verlief die Fahrt der „Elbegrund“ nicht, im Oberlauf herrschte Niedrigwasser, die starken Regenfälle erleichterten dort die Durchfahrt erheblich.

Wittenberge war für die Besatzung des Forschungsschiffes mehr als nur ein Etappenort. „So eine Stimmung wie hier und so viele Besucher an den Informationsständen hatten wir bei weitem nicht überall“, betonte Börsig.

Und das eine Reihe von Prignitzern nach dem Badetag noch das Forschungsschiff besuchen und sich intensiver über die wissenschaftliche Arbeit informieren wollte, erfreute die Crew sichtlich. Gleich nach dem Anlegen hatte sich eine kleine Schlange am Zugang gebildet und Interessierte warteten etwas später geduldig ab, bis die Medaillenzeremonie beendet war, um an Bord gehen zu können. Viele hatten sich schon zuvor an den zwei Informationsständen über die Forschungen im Rahmen der Elbschwimmstaffel, die Messungen zum Zustand des Flusses und deren praktische Bedeutung informiert.

„Die Wasserqualität des Flusses wurde noch nie so kontinuierlich, intensiv und auf solcher Erkenntnisbreite auf der ganzen Flusslänge von 575 Kilometer gemessen wie bei der Elbschwimmstaffel. Diese Erkenntnisse werden helfen, weitere Schritte zur Aufwertung des Lebensraumes Elbe zu konzipieren“, sagte die Bundesforschungsministerin.  

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