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Brandbrief ans Bildungsministerium : „Eklatant schlechte Zustände“ in Wittenberge

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit Jahren fehlen an der Wittenberger Jahn-Grundschule Lehrer. Nun schrieben Eltern einen Brandbrief an den Landesbildungsminister

von
erstellt am 13.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Dauerkranke Lehrer und zahlreiche Unterrichtsstunden, die ausfallen: Die Situation an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule bringt Steffen Gitter auf die Palme. Der Vorsitzende der Schulkonferenz schrieb deswegen einen Brief an Landesbildungsminister Günter Baaske, in dem er die „eklatant schlechten Zustände der Unterrichtssituation“ anprangert. Das Schreiben liegt der Redaktion vor.

„Jedes Jahr sind immer wieder die gleichen Lehrer dauerkrank. Klassen werden aufgeteilt, mit Stillarbeit beschäftigt oder zwei Klassen gleichzeitig unterrichtet, Stunden bzw. ganze Unterrichtstage für einzelne Klassen fallen aus. Das sind in unseren Augen Notmaßnahmen, aber kein qualitativ guter und fachgerechter Unterricht. Dies ist im Gegenteil eine Verwaltung von Mangel“, kritisiert Steffen Gitter. In dem Brief wird zudem geschildert, dass „an jedem Tag in diesem Schuljahr drei bis vier Lehrer an dieser Schule fehlten“. Nach seiner Berechnung müssten durchschnittlich 20 Unterrichtsstunden pro Tag vertreten werden. Daher befürchte er Benachteiligungen für die Kinder gegenüber denen mit weniger Ausfall.

Den krank geschriebenen Lehrern wolle man keine Vorwürfe machen, ebenso nicht der Schulleitung, wohl aber der Personalplanung generell. „Es fehlen junge Kollegen, das ist schon seit Jahren bekannt.“ Seit Februar fehlen zwei weitere Lehrerinnen, die die Krankheitsvertretung übernommen hatten und nun woanders ihr Referendariat absolvieren.

Laut Landesbildungsministerium ist das Problem nicht schlimmer als anderswo, so der Tenor der Antworten auf eine „Prignitzer“-Anfrage. Nur in zwei Schulhalbjahren habe es auffällige Abweichungen vom landesweiten Durchschnitt für den ersatzlos ausgefallenen Unterricht gegeben, erklärt Ministeriumssprecher Ralph Kotsch. Diese Abweichungen seien aber nicht als dramatisch einzuschätzen. Für das aktuelle Schuljahr sei der von der Schule gemeldete Lehrerbedarf vom Staatlichen Schulamt in Neuruppin gedeckt worden. Das gelte auch für den gesamten Landkreis. „Die Personalgewinnung ist allerdings in den letzten Jahren zunehmend aufwändiger geworden, weil das Interesse der Bewerber für den Schuldienst an einem Einsatz in Schulen im äußeren Entwicklungsraum abgenommen hat“, gibt Kotsch zu. Mittelfristig kann Abhilfe in Sicht sein. „Das Schulamt kümmert sich um die Einstellung von Lehrkräften als Ersatz für die länger erkrankten Lehrkräfte, wenn absehbar ist, dass die Erkrankungen längere Zeit fortdauern sollte.“ Die Möglichkeit, die dauerhaft erkrankten Lehrer vom Schuldienst zu entbinden, gibt es nicht. „Diese Lehrkräfte sind zwar weiterhin einer Stammschule zugeordnet, sie werden aber aufgrund ihrer langfristigen Erkrankung nicht mehr als zur Deckung des Unterrichtsbedarfs der Schule verfügbares Lehrpersonal gezählt. Da die betreffenden Lehrkräfte langfristig erkrankt sind und entsprechende ärztliche Atteste vorlegen, können sie nicht anderweitig eingesetzt werden“, erklärt Ralph Kotsch.

Sieben Seiten umfasst der Antwortbrief des Ministers an Steffen Gitter. „Leider sind die Aussagen sehr ernüchternd. Er redet sich raus.“ Auch dieses Ministeriumsschreiben liegt dem „Prignitzer“ vor. An einer Stelle gleicht es einem Offenbarungseid. „Ich vermag nicht zu erkennen, was die Leiterin der Schule und die zuständige Schulrätin noch besser machen könnten und ich bitte um Ihr Verständnis, dass ich auch die von Ihnen erbetenen unbürokratischen Lösungen nicht anbieten kann“, schreibt Minister Günter Baaske. Bleibt der Aspekt der möglichen Benachteiligung der Kinder durch den Unterrichtsausfall. Dieser Zusammenhang ist laut einer Studie, die Baaske anführt, nicht herzustellen. Abschließend bittet Baaske, weitere Gespräche mit Schulleitung und Schulamt zu führen. Die Leitung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

 

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