Plattenburg : Einzügigkeit soll Schule retten

Schulleiter Jörn Atlas (links) und der Vorsitzende der Gemeindevertretung Karsten Krüger freuen sich über die geschlossene Unterstützung der Abgeordneten.
Schulleiter Jörn Atlas (links) und der Vorsitzende der Gemeindevertretung Karsten Krüger freuen sich über die geschlossene Unterstützung der Abgeordneten.

Gemeindevertretung Plattenburg fast zwei Beschlüsse zur Zukunftssicherung des Sekundarbereiches in Glöwen einstimmig

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13. Dezember 2017, 10:02 Uhr

„Es kann nicht sein, dass einige denken, nur weil wir weniger sind, muss viel wegbrechen“, so Bürgermeisterin Anja Kramer in der Diskussion über die Zukunft der Glöwener Oberschule. „Nein, im Gegenteil, wir müssen erhalten, um darauf aufbauen zu können.“

Zwei Anträge stehen dazu auf der Tagesordnung der letzten Gemeindevertretersitzung in diesem Jahr. Demnach wird die Gemeindeverwaltung beauftragt, zwei Anträge an das Staatliche Schulamt in Neuruppin zu stellen: Den Antrag auf Einzügigkeit in der Sekundarstufe I (Klassen 7 bis 10) sowie den Antrag auf „Schule für Gemeinsames Lernen“.

Zur Sitzung ist auch Schulleiter Jörn Atlas gekommen, um den Abgeordneten Rede und Antwort zu stehen. Schulgesetz und Verwaltungsvorschrift geben vor, dass zwei 7. Klassen mit mindestens 25 und maximal 28 Schülern zu eröffnen seien. „Durch die demografische Entwicklung gehen die Schülerzahlen im ländlichen Raum zurück“, beschreibt Jörn Atlas die Situation. Sonderregelungen seien daher dringend notwendig. Nach ersten Gesprächen im Staatlichen Schulamt kam von dort das Signal, dass eine Mindestschülerzahl von 24 erforderlich sei, um zwei 7. Klassen mit jeweils zwölf Schülern eröffnen zu können. „Aktuell haben wir in der 7. Klasse 22 Schüler, Tendenz steigend“, so der Schulleiter. Liegt die Frequenz unter 24, „will sich der Leiter des Schulamtes für eine Nichteröffnung aussprechen“. Doch der Entscheidungsträger sitzt in Potsdam. Bildungsministerin Britta Ernst hat eine Demografie-Kommission für weiterführende Schulen im Land Brandenburg eröffnet. Diese soll Vorschläge für die Struktur ab 2030 erarbeiten. „Das ist eindeutig zu spät“, betonen Bürgermeisterin und Schulleiter. Die Abgeordneten verständigen sich darüber hinaus intensiv das Gespräch mit der Politik zu suchen.

Rainer Schneewolf sieht nach wie vor keine gesetzlichen Bedenken gegen eine Einzügigkeit. Er habe keinen Paragrafen dazu gefunden. Rainer Schneewolf und Jana Schegel sagen ihre Unterstützung zu, auch nach Potsdam würden sie die Bürgermeisterin begleiten. Wolfgang Sill-Kauder ist optimistisch. „Wir haben erst jüngst die Kapazitätsgrenze der Kita in Glöwen erhöht, so sind auch künftig wieder mehr Schüler da“, blickt er in die Zukunft. Einstimmig votierten die Abgeordneten für den Antrag auf Einzügigkeit.

Ebenfalls einstimmig ging der Beschluss zum Antrag auf Schule für Gemeinsames Lernen durch. „Inhaltlich ist das für die Pädagogen nichts Neues“, hebt Jörn Atlas hervor. Neu sei, dass es für den sonderpädagogischen Förderbedarf zusätzliche Stundenzuweisung geben werde. Für Glöwen könnte man so auf 70 Stunden kommen. „38 Prozent der Schülerschaft unserer Schule hat einen sonderpädagogischen Förderbedarf“, informiert Jörn Atlas die Abgeordneten. Beim „Gemeinsamen Lernen“ besteht die Möglichkeit, sich neben den Förderbedarfen für Lernen, emotional-soziale Entwicklung, Körper, Hören, Sehen und geistige Entwicklung auch der Begabtenförderung und der Berücksichtigung und Unterstützung von Schülern mit Migrationshintergrund zu widmen. „Für unsere Schule wäre dies ein neuer Markstein, auch im Kontext mit dem vorhergehenden Antrag.“

Jana Schegel geht in diesem Zusammenhang auf das Thema Inklusion ein, das vor Jahren an allen Schulen eingeführt werden sollte. „Wenn das kommt, dann haben wir Vorlauf“, ist sie sich sicher. Bürgermeisterin Anja Kramer stellt am Schluss der Diskussion zur Oberschule noch einmal fest: „Wir haben immer gekämpft, und es ist Zeit, wieder zu kämpfen. Gerade jetzt, wo sich die Einwohnerzahlen stabilisieren und sogar anwachsen.“

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