Auf zu neuen Ufern - Prignitzer in der Ferne : Einzige Deutsche im Haus auf Mallorca

Sowohl Daniela Post’s Tante, Annette Schubert (l.) als auch ihre Mutter Brigitte (r.) haben schon an einer Fastenwanderung teilgenommen.  Fotos: Privat
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Sowohl Daniela Post’s Tante, Annette Schubert (l.) als auch ihre Mutter Brigitte (r.) haben schon an einer Fastenwanderung teilgenommen. Fotos: Privat

Daniela Post aus Bad Wilsnack arbeitet auf der Insel als Physiotherapeutin und Fastenleiterin. Teil acht unserer Serie.

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24. Oktober 2018, 12:00 Uhr

Aus der Prignitz in die weite Welt. In unserer neuen Serie „Auf zu neuen Ufern“ stellen wir Menschen vor, die in der Region geboren oder aufgewachsen sind und heute in Südafrika, Australien, oder einem anderen spannenden Land leben.

Heute Daniela Post aufgewachsen in Bad Wilsnack. Nach einigen Jahren auf Fuerteventura lebt sie nun auf der Lieblingsinsel der Deutschen, auf Mallorca.

Stellen Sie sich vor, Sie blättern durch eine Fachzeitschrift ihrer Branche und auf einmal stoßen Sie dort auf eine Stellenanzeige auf der kanarischen Insel Fuerteventura. Würden Sie sich bewerben? Vermutlich nicht. Anders gemacht hat es Daniela Post. Sie kommt aus Bad Wilsnack und ging 2003 auf die zweitgrößte der zu Spanien gehörenden Inseln. „Ich fühlte mich in Deutschland nicht mehr wohl, die hiesigen Gesundheitsreformen waren daran nicht ganz unschuldig“, erinnert sich die gelernte Physiotherapeutin. In einer Fachzeitschrift entdeckte sie Mitte November 2002 eine entsprechende Stellenanzeige. „Ich musste nicht lange überlegen. Schon im Januar bin ich rüber gegangen“. Sie arbeitete in einem Hotel und behandelte dort Gäste.

Heute, rund 15 Jahre später, lebt Daniela Post nicht mehr auf Fuerteventura. Doch zurück nach Deutschland, geschweige denn in ihre alte Heimat Bad Wilsnack, die sie 1991 in Richtung Niedersachsen verlassen hat, hat es sie auch noch nicht verschlagen. Seit 2009 lebt sie auf der vermeintlichen Lieblingsinsel der Deutschen – Mallorca. „Nach sechs Jahren auf Fuerteventura brauchte ich eine Veränderung. Eigentlich wollte ich nach Barcelona, doch dort einen Job zu finden, war super schwer“, erzählt Post, die von 1987 bis 1990 in Schwerin eine Ausbildung zur Physiotherapeutin absolviert hat. Doch der Beginn auf Mallorca war auch alles andere als einfach. „Ich habe mich wirklich überall beworben, doch nichts gefunden.“ Aufgeben wollte sie aber dennoch nicht. „Deshalb habe ich mich gleich selbstständig gemacht, als mobile Therapeutin. Das hat funktioniert.“

Anfang 2018 hat sie sich ein zweites Standbein aufgebaut, kann dieses gleichzeitig mit ihrer Ausbildung verbinden. Sie bietet so genannte „Fasten-Wanderungen“ an. Dabei soll der Körper entgiftet werden. „Die Menschen nutzen es, um einfach mal den Reset-Knopf zu drücken.“

Bei dem einwöchigen Programm machen die Teilnehmer Sport, gehen Wandern und verzichten dabei auf feste Mahlzeiten. Sie ernähren sich ausschließlich von Flüssignahrung. „Grüne Smoothies, Wasser, Tees und eine spezielle Fastensuppe“, beschreibt Post.

Gemeinsam mit dem spanischen Wanderführer Toni Sastre organisiert und plant die Bad Wilsnackerin diese Touren. „Bis zu acht Personen können gleichzeitig daran teilnehmen.“

Bereits seit einigen Jahren hatte Daniela Post für ein Fasten-Wander-Unternehmen als Physiotherapeutin gearbeitet. Gemeinsam mit Toni Sastre kam eines Tages der Gedanke, sich selbstständig zu machen. Zur Fastenleiterin hat sie sich schließlich 2017 ausbilden lassen. „Ich war durch eigene Erfahrungen so begeistert, dass ich es gerne weitergeben wollte.“ Ihr Arbeitsalltag startet mit Bewegung. „Ich mache mit den Teilnehmern Guten-Morgen-Sport, Toni übernimmt dann die Wandertouren. Am Nachmittag können die Teilnehmer Massagen und Therapien bei mir buchen und sich erholen.“

22 mal bieten die beiden dies jährlich an. Neben den sportlichen Aktivitäten gibt es auch kleine Vorträge und Gespräche über das Fasten, Fastenbrechen und die richtige Ernährung. „Aber keine Bange, ich selber faste nicht 22 Wochen jährlich“, lacht Daniela Post. Aber ein Mal im Jahr drücke auch sie bei ihrem Körper den Reset-Knopf. „In der Zeit ernährt sich der Köper dann ausschließlich von den Reserven“.

Daniela Post lebt direkt in der mallorquinischen Hauptstadt Palma. Es ist das Versorgungszentrum der Balearen, wo sich neben der Regierung auch der größte Hafen, der größte Flughafen und die meisten Infrastruktureinrichtungen befinden. Rund 400 000 Einwohner leben an der Westküste der Insel. Davon sind über 30 000 aus Deutschland. Sie machen die größte Anzahl der auf der Insel lebenden Ausländer aus. In ihrem direkten Umfeld, ihrem Haus in einem „stinknormalen Viertel“, merkt Daniela Post jedoch nichts davon. „Ich bin die einzige Deutsche bei mir“. Auch vom Ballermann, einem beliebten Reiseziel um Party zu machen, bekommt sie kaum etwas mit.

Der Tourismus ist das Rückgrat der Insel. Auch die Bad Wilsnackerin arbeitet mit kleinen Hotels zusammen, um die Fastenwanderungen anzubieten. Die mallorquinische Regierung will den starken Massentourismus der vergangenen Jahre reduzieren. Dieser hat zu dreckigen Stränden und einem sinkenden Qualitätsstandard vieler Ferienresorts geführt. Wohnraum ist auf der beliebten Insel knapp oder kaum zu bezahlen. Auch hier versucht die Regierung einzuschreiten. Seit 2017 gibt es ein Gesetz, das verbietet, dass in Mehrfamilienhäusern Wohnungen ohne eine gültige Lizenz an Touristen vermietet werden dürfen.

Daniela Post lebt seit rund fünf Jahren in ihrer Wohnung. „Dass die Regierung die Vermietung in den normalen Mehrfamilienhäusern nicht mehr so einfach erlaubt, finde ich gut. Denn es hat zuvor schon überhand genommen“. Es seien aber auch viele alleinstehende Ferienfincas auf der Insel von dem Gesetz betroffen, und das sei schade: „Die Insel profitiert doch viel mehr von den Menschen, die sich Wohnungen oder Fincas mieten, als von denen, die in All-Inclusive-Hotels unterkommen.“ Diese Touristen würden einkaufen, essen und trinken gehen. „Der All-Inclusive-Gast macht kaum etwas außerhalb seines Hotels.“

Daniela Post liebt die Insel. „Hier lebt man ruhiger und ist viel mehr an der frischen Luft und in der Natur.“ Ein Rückzug nach Deutschland kommt für die 47-Jährige nicht in Frage. „Mir würde definitiv das Meer fehlen. Hier gibt es super schöne Ecken, von denen man atemberaubende Blicke aufs Meer hat“, schwärmt Daniela Post, die durch ihre Zeit auf Fuerteventura und Mallorca sehr gut spanisch spricht. „Im beruflichen Alltag benötige ich es aber kaum, die meisten Fastenwanderer sind Deutsche. Mit meinen Freunden spreche ich aber schon regelmäßig spanisch.“

Ihre alte Heimat Bad Wilsnack, wo ihre Eltern Brigitte und Eberhard Post leben, besucht Daniela drei bis vier Mal im Jahr. „Ich bin mit dem Flugzeug in zirka zweieinhalb Stunden am Berliner Flughafen“. Auch ihre Eltern kommen ein bis zwei Mal jährlich auf die Ferieninsel. Mama Brigitte hat sogar schon bei einer Fastenwanderung mitgemacht. Durch den Schritt ins Ausland, den Daniela Post nicht bereut, hat sich ihr Verhältnis zu ihren Eltern nicht geändert. „Ich glaube sogar, die Zeit, die wir nun gemeinsam verbringen, nutzen wir viel intensiver, als früher.“

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