Eintrittstor in die Gemeinde

Endlich können diese Iraner Christen sein und als solche auch leben. Mit Pfarrer Valentin Kwaschik (2. v. li.) haben sie dabei im Iran-Kreis einen kompetenten Partner an ihrer Seite.  Fotos: Renè Hill
Endlich können diese Iraner Christen sein und als solche auch leben. Mit Pfarrer Valentin Kwaschik (2. v. li.) haben sie dabei im Iran-Kreis einen kompetenten Partner an ihrer Seite. Fotos: Renè Hill

Iraner können in der Prignitz ihren christlichen Glauben praktizieren / Iran-Kreis von Pfarrer Valentin Kwaschik beliebter Treffpunkt

svz.de von
26. September 2017, 09:35 Uhr

Mit der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 kamen auch Christen aus dem Iran in die Prignitz. Für sie gibt es seit November 2016 den Iran-Kreis. Pfarrer Valentin Kwaschik schuf für die jungen Iraner einen regelmäßigen Treffpunkt, wo sie ihren Glauben leben, die Bibel lesen und sich über das christliche Leben austauschen können.

„Wer im Iran konvertiert, dem droht die Todesstrafe“, so Pfarrer Kwaschik. Daher sind manche Christen dort in christlichen Hauskirchen organisiert oder untereinander in WhatsApp-Gruppen verbunden. Manche sehen sich auch Predigten auf Youtube-Kanälen an, weiß Kwaschik zu berichten. „Für alle Iraner, die wir hier bei uns in der Gemeinde haben, ist das Christsein-Wollen auch der Fluchtgrund“, unterstreicht Valentin Kwaschik. „Dabei hat jeder seinen individuellen Grund, Christ zu werden.“

Am Anfang wurde im Iran-Kreis Taufunterricht durchgeführt. Inzwischen sind sie alle getauft, entweder hier in Perleberg oder in anderen Teilen Deutschlands. Der Islam ist nicht ihre Religion, das haben die jungen Männer, die an diesem Tag zum Iran-Kreis kommen, in ihrem Heimatland erlebt. Die Bilder, die sie vom Islam haben, sind blutig. Das Christentum hingegen sei für sie die Liebesreligion. Daher spielt das Thema für sie eine wichtige Rolle.

Von den 12 bis 15 Iranern, die das Angebot nutzen, bilden sieben einen festen Kern. Sie treffen sich immer dienstags um 15.30 Uhr in der Superintendentur.

Warum kommen sie hierher? Saeed ist ehrlich, wenn er sagt, dass es zu Hause langweilig sei und er deshalb komme. Doch seine Landsleute sehen das ganz anders. Mehdi meint dazu: „Als Christen müssen wir hierher kommen, um in der Gemeinschaft miteinander zu reden und sich mit Freunden zu treffen.“ „Wir sind Anfänger“, sagt Omid. „Deshalb wollen wir die Bibel kennen lernen. Überhaupt müssen wir lernen.“

Pfarrer Kwaschik widerspricht dem jungen Mann. Für ihn seien sie durchaus keine Anfänger. „Ihr stellt Fragen, die ich mir nicht mehr stelle, so dass ich wieder über Themen nachdenken muss, um sie mit euch zu besprechen. Außerdem kennt ihr euch schon sehr gut aus in der Bibel.“ Im Gespräch verdeutlichen alle Teilnehmer, dass ihnen die Bibel eine wichtige Grundlage sei für den Gedankenaustausch, aber auch für das Leben miteinander in der christlichen Gemeinschaft. Djawad hat den Koran gehört, hier lernt er die Bibel kennen und möchte vergleichen, etwas über die Unterschiede erfahren.

Ausgehend vom 11. September 2001 sprechen sie über Gewalt und Bibel, Gewalt und Glaube. Dazu lesen sie die Bibel, nähern sich dem Thema und diskutieren über die Grenzen der Gewaltlosigkeit. Sie selbst haben im eigenen Land feststellen müssen, dass die Mullas, die unter dem Schah wenig Macht hatten, ganz viel bekamen und dies wirkte sich aus ihrer Perspektive negativ aus.

Dank eines Dolmetschers funktioniert der Iran-Kreis und die jungen Männer kommen nach und nach in der Gemeinde an. Der Kreis ist für sie ein Eintrittstor in die Gemeinde. Ein zweites – die Musik – erschließt sich gerade Mehdi aus Karstädt, der sich dem Chor der Sankt-Jacobi-Gemeinde angeschlossen hat.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen