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Der Prignitzer

16. Dezember 2017 | 15:47 Uhr

Einstimmiger Willkommensgruß

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Stadtparlament untermauert aktive Willkommenskultur für Asylbewerber mit Beschluss / Sitzung polizeilich abgesichert

von
erstellt am 17.Jul.2015 | 22:00 Uhr

Einstimmig bekannten sich die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Donnerstagabend dazu, Flüchtlinge in Perleberg willkommen zu heißen. Ausdrücklich begrüßt wird die Herangehensweise des Landkreises, die Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen. Die Volksvertreter sprechen sich zudem gegen Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Antisemitismus aus.

„Wir wollen eine aktive Willkommenskultur entwickeln, Zuwanderung auch als Chance für die Region begreifen und deshalb Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Flüchtlinge in Perleberg schnell ihr neues Zuhause finden“, heißt es in dem Papier. Vor diesem Hintergrund beauftragten die Abgeordneten die Bürgermeisterin, den Wunsch für die Erarbeitung eines Integrationskonzeptes an den Landrat heranzutragen.

Überdies werden Bürger sowie alle in Perleberg tätigen Vereine, Verbände, Kirchen und Organisationen aufgerufen, sich aktiv bei der Integration und Unterstützung der Flüchtlinge zu engagieren. Dazu will man zeitnah Vertreter zu einer gemeinsamen Beratung einladen.

Bis September, so ein weiterer Auftrag an Bürgermeisterin Annett Jura, sollen Möglichkeiten zur aktiven Unterstützung des Ehrenamtes geprüft werden.

Zuvor machte Christian Müller, 1. Beigeordneter des Landrates, Ausführungen zur aktuellen Situation im Land, im Kreis und in der Rolandstadt. Im zentralen Aufnahmelager Brandenburgs, in Eisenhüttenstadt, rechnet man 2015 mit der Ankunft von rund 14 600 Flüchtlingen. Zum Vergleich: 2007 kamen in Brandenburg 565 Asylsuchende an, 2013 rund 3300, 2014 rund 6000. Gut drei Prozent der Ankömmlinge in Brandenburg nimmt der Landkreis gemäß eines Schlüssels auf.

Aktuell befinden sich 274 Flüchtlinge – vorwiegend aus der Russischen Föderation, aus Syrien und Afghanistan – im Kreis, davon in Perleberg immerhin 172, verteilt auf 41 Wohnungen. Platz wäre derzeit für 254 Flüchtlinge. Müller betonte, dass sich durchweg alle Kommunen im Landkreis von sich aus bereit erklärt hätten, Menschen aufzunehmen, jede Stadt und Gemeinde natürlich nach ihren Möglichkeiten, die jeweils recht unterschiedlich seien.

In der Diskussion mahnte Rainer Pickert (CDU) an, dass insbesondere für die Motivation der Schulkinder wichtig sei, die deutsche Sprache zu beherrschen. Aktuell befinden sich 71 Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien im Kreis, die der Schulpflicht unterliegen.

Angesprochen wurde zudem, wie man Asylsuchende am besten ins Vereinsleben einbringen könne, welche Möglichkeiten der gemeinnützigen Arbeit es gebe. In diesem Zusammenhang berichtete Dirk Rumpel (Die Linke), dass der Fußballverein in Dergenthin gern zwei Moldawier integrieren würde, dies aber derzeit noch an bürokratischen Hürden scheitere.

Thomas Domres, Fraktionsvorsitzender der Linken, gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der gefasste Beschluss nicht nur beschriebenes Papier sein möge. Die Facebookgruppe „Bürgerwehr Perleberg“ brauche man hier ebenso wenig wie die Bilder aus dem sächsischen Freital. Konflikte sollten so gelöst werden, dass keine Steine oder Brandsätze fliegen.

Unterdessen ist die besagte Facebookgruppe aus dem Internet verschwunden (wir berichteten am 11. Juli). Wie die Polizeidirektion Neuruppin am Freitag auf Nachfrage des „Prignitzers“ bestätigte, seien Beamte vor, während und nach dem öffentlichen Teil der Stadtverordnetensitzung am Rathaus präsent gewesen, weil Störungen zu befürchten gewesen seien. Diese Befürchtungen bewahrheiteten sich allerdings nicht.

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