Einkaufen wie bei Tante Emma

Christine Hauke  arbeitet im  Einkaufszentrum in Jacobsdorf in dem kleinen Dorfladen. Hier gibt es neben  Obst, Wurst und Backwaren und die Paketannahme auch immer Zeit für ein Gespräch.  So wünschen sich viele Brandenburger ihren Dorfladen. Ob und wie er eine Zukunft hat, erforscht derzeit ein Modellprojekt. dpa
Christine Hauke arbeitet im Einkaufszentrum in Jacobsdorf in dem kleinen Dorfladen. Hier gibt es neben Obst, Wurst und Backwaren und die Paketannahme auch immer Zeit für ein Gespräch. So wünschen sich viele Brandenburger ihren Dorfladen. Ob und wie er eine Zukunft hat, erforscht derzeit ein Modellprojekt. dpa

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07. Oktober 2011, 08:13 Uhr

Luckenwalde | "Service im Dorf" lautet das Zauberwort. Unter diesem Slogan erforscht derzeit ein Modellprojekt, wie das Aussterben märkischer Dorfläden aufgehalten werden kann. "Viele Menschen, insbesondere die älteren und weniger mobilen, wünschen sich den Laden wieder in ihr Dorf zurück", sagt die Verantwortliche Anne Leschke.

"Mit unserem Modellprojekt wollen wir Kommunen in anderen ländlichen Regionen Erfahrungen vermitteln und Wege für eine Wirtschaftlichkeit kleiner Geschäfte auf den Dörfern aufzeigen." Welche Bedingungen dafür erforderlich sind, wird in fünf Dörfern im Landkreis Teltow-Fläming ergründet.

Die Projektmitarbeiter gehören der Lokalen Aktionsgruppe zur Förderung der integrierten ländlichen Entwicklung "Rund um die Fläming-Skate" an. Nach einer Analyse der Bevölkerungsentwicklung und der Infrastruktur wurden im Dezember 2010 fünf Modelldörfer ausgewählt: Bochow (Gemeinde Niedergörsdorf), Lynow (Nuthe-Urstromtal), Paplitz (Baruth/Mark), Wahlsdorf (Dahme/Mark) und Werbig (Niederer Fläming). In diesen Dörfern gab es zu Projektbeginn unterschiedliche Bedingungen: So kann man in Paplitz und Wahlsdorf noch in Dorfläden einkaufen. Das Geschäft in Werbig ist seit November 2010 geschlossen, und in Bochow stand zur Jahresmitte die Schließung bevor. In Lynow gibt es keinen Dorfladen mehr.

Befragungen in den Haushalten zum Einkaufsverhalten, zur Autonutzung und zum gesellschaftlichen wie kulturellen Leben in den Orten ergaben viele Übereinstimmungen. "Obwohl in jedem Dorf andere Bedingungen herrschen, sind den Einwohnern überall Service, Qualität und Herkunft der angebotenen Produkte am wichtigsten", erzählt Claudia Pötschick von der beauftragten Potsdamer Firma complan Kommunalberatung.

Gemeinsamkeiten hätten sich beim gewünschten Warenangebot herausgestellt. "Obst, Gemüse, Milchprodukte, frische Backwaren, Fleisch, Wurst und Tiefkühlkost sind am stärksten nachgefragt", sagt Pötschick. Außerdem beliebt: die Annahme von Textilien zur Reinigung, Post- und Paketservice sowie Gesundheitsangebote. Der Dorfladen kann ein Mittelpunkt des Ortes sein. In Bochow können die Einwohner weiterhin ortsnah einkaufen. Nachdem der vorherige Betreiber sein Geschäft schloss, öffnete "Brittas Dorfladen" Anfang Juli. "Es hat vom Zeitpunkt her alles gepasst", sagt Britta Thiele. Sie trug sich schon länger mit der Idee, "etwas auf die Beine zu stellen, was die Leute zusammenkommen lässt und wieder Leben ins Dorf bringt". Potenzielle Kunden sind auch Touristen der Fläming-Skate, deren Route direkt hinter ihrem Haus entlangführt. Thiele hält deshalb Frühstückspakete für Camper und Lunchpakete für Radler und Skater sowie ein Imbissangebot im Steh-Café bereit.

Wäsche zur Reinigung kann bei ihr abgegeben werden. Zudem bietet sie einen Fax-und Kopierservice an und hilft beim Formulieren von Schreiben an Behörden und Ämter. Das ist ein zuvor bereits nebenberuflich betriebenes Standbein der früheren Angestellten.

In Wahlsdorf sind die Gemeindevertreter am Erhalt des vorhandenen Geschäftes interessiert. "Wir wissen, wie wichtig dieser Laden für die Dorfgemeinschaft ist", sagt Ortsvorsteher Thomas März. Deshalb bemühe sich der Ortsbeirat gemeinsam mit dem Amt Dahme darum, das Gebäude vom Eigentümer, der Konsumgenossenschaft, zu erwerben.

Für den erfolgreichen Fortbestand oder das Wiederbeleben der kleinen Dorfläden halten die Projektmitarbeiter das Zusammenwirken von Kommunalvertretern, lokalen Lebensmittelproduzenten sowie engagierten Bürgern der Gemeinden für notwendig. In jedem Dorf wurden dafür Projektgruppen geschaffen.

Im Oktober kommen Vertreter der beteiligten Orte zum Netzwerktreffen in Wahlsdorf zusammen. "Damit kann jeder von den Erfahrungen des anderen profitieren", erläutert Projektbetreuerin Leschke. Zurzeit werden für jedes Dorf Machbarkeitsstudien erarbeitet. Die Ergebnisse sollen Anfang 2012 landesweit vorgestellt werden.

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