Wittenberge : Einkaufen im Kerzenschein

Candlelight-Shopping im doppelten Sinn: Im Laden von Petra Beck stehen Duftkerzen hoch im Kurs.
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Candlelight-Shopping im doppelten Sinn: Im Laden von Petra Beck stehen Duftkerzen hoch im Kurs.

Viele Geschäfte in Wittenberge nutzten verkaufsoffenen Sonntag. Dort war auch die Henwi-Schließung heiß diskutiertes Thema.

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10. November 2014, 12:00 Uhr

Menschen mit Einkaufstüten, Duft von Bratwürsten und Süßigkeiten und flackernde Lichter in der ganzen Straße: Das Candlelight-Shopping, zu dem der Wittenberger Interessenring WIR am Sonntagnachmittag eingeladen hatte, hat über die Jahre nichts von seinem Reiz verloren. Dennoch hat es in diesem Jahr ein bisschen den Charakter einer Trauerfeier – künden doch die Slogans im Schaufenster von Henwi vom baldigen Ende des Kaufhausstandortes in der Bahnstraße.

„Es ist wirklich schade, dass die Stadt mit der Schließung des Kaufhauses einen Magneten verliert, der auch Kunden von außerhalb in die Stadt gezogen hat“, sagt Simone Hohn, Verkäuferin im Kaffee- und Teehaus an der Ecke Wilhelm-/Bahnstraße. Die Händler in unmittelbarer Nähe zur Prignitz-Galerie scheinen sich einig zu sein , dass mit dem Henwi-Aus ein spürbarer Verlust für den Einzelhandel zu beklagen sei. „In eine Stadt gehört ein Kaufhaus, denn das zieht immer Leute an“, sagt Gabriele Braband vom Krakow-Männermodegeschäft, das direkt gegenüber liegt. Andererseits müsse man sich die Entwicklung der Stadt anschauen und einsehen, dass mit dem Rückgang der Bevölkerung auch die Kaufkraft nachlasse. „Die werden durchgerechnet und eingesehen habe, dass das perspektivisch nicht funktioniert“, sagt Braband und räumt ein, dass die Geschäfte in der Nähe von einem größeren Haus immer profitieren.

Karin und Kurt Bulz, deren Bücherstube ebenfalls gegenüber von Henwi liegt, sind zwiegespalten. „Zum einen ist es immer schade, wenn ein großes Geschäft dicht macht, und Fakt ist, wer bei Henwi aus der Tür kam, guckte rüber auf unsere Seite und ließ sich vielleicht zu einem spontanen Abstecher verleiten“, meinen sie. „Andererseits ist durch die Eröffnung des Kaufhauses unser Umsatz nicht nennenswert gestiegen, aus diesem Grund hoffen wir einfach mal, dass er durch die Schließung auch nicht einbricht.“

Auch die Kundschaft sieht das Ende des Kaufhauses, das auch zum Candlelight-Shopping mit Alles-muss-raus-Rabatten warb, mit Sorge. „Ein Kaufhaus bietet gerade bei den Haushaltswaren eine Vielfalt, die Supermärkte nicht erreichen“, sagt Christian Gätke, während er mit seiner Frau Elke durch die Präsentboutique schlendert. „Ein gutes Beispiel sind Getränkegläser. Die einfache Variante bekommt man im Supermarkt, aber wenn es was ordentliches sein soll, führt am Kaufhaus kein Weg vorbei. Sollen wir dafür künftig nach Berlin fahren?“ Doch auch wenn man diesbezüglich künftig vielleicht Abstriche machen müsse, sei das Candlelight-Shopping eine tolle Sache, sind sich die Gätkes einig. „Man muss einfach nicht so hetzen, hat Zeit zu bummeln“, sagt Elke Gätke.

Doris Jura sieht es genauso. „Gerade jetzt, kurz vor Weihnachten, ist so ein Sonntag schön zum Stöbern“, sagt sie während sie die Regale der Bücherstube durchsucht. „Die Bahnstraße ist voll mit Menschen, es riecht gut und überall brennen Kerzen. Einfach ein schöner Nachmittag“, fügt ihr Mann Ehrenfried hinzu.


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