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Letzte Sendung : Einen freundlichen guten Morgen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die kleine Frau mit der sympathischen Radio-Stimme geht in den Ruhestand / Alles Gute wünscht der „Prignitzer“ Angelika Schramm

svz.de von
erstellt am 14.Jul.2015 | 08:00 Uhr

Die Elblandfestspiele am Wochenende waren noch einmal ihr Termin. Seit gestern ist Angelika Schramm im Ruhestand. Landrat Torsten Uhe und Bürgermeister Dr. Oliver Hermann dankten der Perleberger Studioleiterin von Antenne Brandenburg für eine gute Zusammenarbeit. Die Gesellschaft Elblandfestspiele zeichnete sie mit der Ehrenmedaille aus.

Als Angelika Schramm von Potsdam in die Prignitz kam, war diese gerade im großen Umbruch. Ihr Studio – zwei kleine Räume direkt neben der Polizei in der Perleberger Ritterstraße, die man bei Regenwetter nur in Gummistiefeln erreichen konnte. Die Technik analog – zwei Bandmaschinen, ein Mischpult, eine Schreibmaschine und ein Telefon. Von hieraus ging Angelika Schramm in den Äther – wenn es dann mit der Telefonleitung klappte. Denn das multimediale Zeitalter war damals noch Lichtjahre entfernt – so glaubte man. Wenn mal wieder alles zu spät schien, ging es zur Polizei, dem Freund und Helfer. Und sie half tatsächlich mit dem Telefon aus, so dass der Beitrag dann doch noch rechtzeitig ausgestrahlt werden konnte.

Angelika Schramm, die Stimme von Antenne in der Prignitz – sie hat es miterlebt, das Leben unmittelbar nach der Wende, die maroden Straßen und dringend sanierungsbedürftigen Häuser von Perleberg, die Abwicklung großer Wittenberger Betriebe wie das Nähmaschinenwerk, die Ölmühle und die Zellwolle. „Es war eine aufregende und bewegende Zeit zugleich“, gesteht sie. 1991/92 beispielsweise gingen die Wittenberger wieder auf die Straße, um ihre Großbetriebe zu erhalten. „Ich war dabei, als die Zellwolle abgerissen wurde.“ Angelika Schramm sprach mit den Leuten, die hier Jahrzehnte täglich zur Arbeit gegangen sind. „Gestandene Männer haben ins Mikro geweint. Das geht schon zu Herzen.“ Sie hat sich mit der letzten Prokuristin der Ölmühle unterhalten und war dabei, als das Licht im Wittenberger Nähmaschinenwerk ausging. Sie hat erlebt, wie das Packhofviertel zur Kulisse von Kriegsfilmen wurde, weil man dort noch Häuser sprengen konnte.

Heute stehe Wittenberge für eine beeindruckende Entwicklung, sagt sie. Auch in Perleberg habe sich viel getan, aus dem Grau in Grau ist eine liebenswürdige historische Altstadt geworden mit vielen Blickfängen und super Straßen. Es waren viele kleine Schlüsselerlebnisse, die ihr Herz für die Prignitz schlagen ließen – die wunderschöne Landschaft der Lenzer Wische, der Blick vom Turm der Lenzener Burg und das Wissen, dass unterhalb nach und nach alles verschwinden sollte. Die 500 Meter Grenzzaunregelung bekam für sie ein Gesicht: Häuser standen hier, Menschen lebten darin. Starben sie, war vor der Wende damit vielfach das Schicksal des Gehöfts besiegelt.

Sie hat sie erlebt, die Glücksritter mit Vorhaben wie das eines Groß-Aquariums auf der Ölmühle an der Elbe. „Um so schöner ist es zu sehen, was aus der Ölmühle geworden ist.“

Viele tolle Menschen habe sie kennen gelernt. Leicht zugänglich waren sie vielfach nicht, doch wenn man sich ihnen einmal nähern durfte, dann habe es über Jahrzehnte gehalten.

Reporterin, Redakteurin und Moderatorin, alles in einer Person war Angelika Schramm und seit elf Jahren Studioleiterin von Antenne in der Prignitz. Jetzt beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt, offiziell geht sie in den Ruhestand. Die Betonung liegt wohlweislich auf offiziell, denn schon jetzt hält sie Ausschau nach Möglichkeiten, der Prignitz weiterhin ganz nahe zu sein und das nicht nur im Urlaub.

In sofern darf man gespannt sein, wo man der quirligen, sympathischen kleinen Frau demnächst begegnet. Ein freundliches guten Morgen und alles Gute, liebe Angelika Schramm, sagen heute wir vom „Prignitzer“.

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