Frühjahrsputz Wittenberge : Eine Stadt macht sich fein

Primeln für die fleißigen Frauen in der Gartenanlage Paul Klink. Fotos: Hanno taufenbach (3)
Primeln für die fleißigen Frauen in der Gartenanlage Paul Klink. Fotos: Hanno taufenbach (3)

Vor allem die Kleingärtner machen beim Frühjahrsputz in Wittenberge mit. Zum Dankeschön verteilt die Stadt Primeln

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26. März 2018, 08:00 Uhr

Samstag 10 Uhr. Ein Frühlingstag. Manche Gartenanlage wirkt noch wie im Winterschlaf. Putzmunter hingegen sind die Gartenfreunde der Anlage Paul Klink. Schon um 8 Uhr begannen sie ihren Arbeitseinsatz. „Das ist seit Jahrzehnten so“, kommentiert Vereinschef Marko Schlegel nüchtern. Wenn die Stadt zum Frühjahrsputz aufruft, sind sie mit dabei.

Entlang der Straße Bentwischer Weg ist kein Müll mehr zu sehen, auch die Hecke ist sauber. Christel Steinborn bugsiert einen Laubsack auf die Schubkarre. Die Rentnerin hat Glück. Männer vom Stadtbetriebshof sind gerade vor Ort, nehmen ihr den Grünabfall ab und schenken der rüstigen Rentnerin eine Primel. Sie lacht. „Wir sind heute bestimmt zehn Frauen“, sagt sie und greift beherzt zu, als ihr weitere Primeln gereicht werden.

Der Rückweg durch die Gartenanlage gleicht einer Reise in die Vergangenheit. Verfallene Lauben, angepflanzte Nadelbäume wo einst Äpfel und Pflaumen wuchsen. „Wir sind nicht mehr viele“, kommentiert Steinborn. Um genau zu sein: 46 Mitglieder bewirtschaften noch 53 Gärten auf 25 500 Quadratmetern. Einst waren es 150 Parzellen und mehr. „Wir hatten Beziehungen, sonst hätten wir keinen Garten bekommen“, sagt Hubert Finke. Er hält durch mit einigen anderen. „Wenn man Nachbarn hat, macht es noch Spaß. Wir grillen zusammen, treffen uns im Winter zum Glühwein“, so Finke. Doch Nachbarn hat hier längst nicht mehr jeder.

Die Anlage wird aufgegeben. Heute beräumen die Männer eine weitere Laube, die die Stadt abreißen wird. „Die gesamte Fläche wird renaturiert, es werden keine Gärten mehr vergeben“, sagt Marko Schlegel. Aber niemand werde vertrieben, jeder könne bleiben, solange er mag.

Rosemarie Röber bleibt. „Kartoffeln, Bohnen, Erdbeeren baue ich an“, sagt sie. Tomaten wachsen im Häuschen. „Wenn ich müde werde, lege ich die Beine hoch“ , sagt die 78-Jährige. Als sie ihr erstes Beet anlegte, gab es hier noch Spargelfelder. Eine blasse Erinnerung.

Keine Zukunftssorgen gibt es 200 Meter weiter in der Anlage Bentwischer Weg. Von 22 Gärten seien 18 belegt, erzählen die Männer am Straßenrand. Fast jeder helfe heute mit. „Das Laub fliegt nicht von alleine weg“, meint Roland Schramm, der zusammen mit Klaus-Detlef Schulz, Rüdiger Born und Jewgeni Müllsäcke für den Betriebshof bereitstellt.

In Lindenberg ist die Beteiligung schwach, sagt der enttäuschte Ortsvorsteher Karl-Heinz Brüdigam. „Von Jahr zu Jahr machen weniger mit, von den Jüngeren fast niemand“, sagt er und Wolfgang Kurz stimmt ihm zu. Unverständlich sei das, wo doch gerade den Spielplatz viele Kinder nutzen. Erhard Frädrich und Andreas Brandler seien hingegen immer dabei, einige andere auch. „Man plaudert, anschließend grillen wir. Das ist doch gesellig“, meint Wolfgang Kurz. Aber immerhin seien die Grundstücke im Dorf sauber. Darauf achte jeder.

Sabine Klitzke kommt im orangenen Dienstauto des Stadtbetriebshofs angesaust. Sie stellt Primeln ab und verteilt großzügig blaue Säcke. Das Angebot nehmen nicht nur die Lindenberger dankend an. Wer am Kompostierplatz vorbei fährt, sieht viele Pkw mit Anhänger, die das städtische Angebot zur kostenlosen Abgabe von Grünabfall nutzen. Silvio Kluge und Michael Kaben haben hier alle Hände voll zu tun.

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