Deichübergabe Bälow : Eine Schwachstelle ist beseitigt

Ob 2002 oder 2006 und 2013 – bei jedem Hochwasser war der Deich zwischen Sandkrug und Bälow ein neuralgischer Punkt, drohte mehrfach zu brechen. Notsicherungen, wie hier im Januar 2011, verhinderten ein Unglück. Nach dem Neubau soll die Gefahr jetzt gebannt sein.
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Ob 2002 oder 2006 und 2013 – bei jedem Hochwasser war der Deich zwischen Sandkrug und Bälow ein neuralgischer Punkt, drohte mehrfach zu brechen. Notsicherungen, wie hier im Januar 2011, verhinderten ein Unglück. Nach dem Neubau soll die Gefahr jetzt gebannt sein.

Landesumweltminister Jörg Vogelsänger übergibt sanierten Deichabschnitt zwischen Bälow und Sandkrug

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12. Februar 2018, 21:00 Uhr

Er galt im Falle eines Hochwassers bisher als wunder Punkt – der Deichabschnitt bei Bälow. Das bestätigte heute auch Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger, als er zusammen mit Landrat Torsten Uhe den nun sanierten Deich in der Karthaneniederung mitsamt der darauf verlaufenden Straße freigab. „Hier gab es ein großes Gefahrenpotenzial. Bei einem Hochwasser kann jede Schwachstelle zum Verhängnis werden“, sagte Vogelsänger.

Davon können die Bälower und Anwohner der umliegenden Dörfer ein Lied singen. „Im Jahr 2002 mussten Bälow, Quitzöbel und Rühstädt evakuiert werden“, erinnerten sich Gerald Neu, Ordnungsamtsleiter Bad Wilsnack/Weisen, und Bälower. Zwar habe damals kein Evakuierungszwang bestanden, aber die meisten verließen ihre Häuser. „Gefährlich war auch das Winterhochwasser 2003, als Spurbahnplatten verlegt werden mussten, damit die Eisschollen nicht den Deich aufschlitzten“, fügte Amtsdirektor Torsten Jacob an.

Im April 2006 stieg die Elbe binnen weniger Stunden um einen halben auf rund sechs Meter. Aber ernsthafte Sorgen hatten die Experten zu diesem Zeitpunkt nicht. Die Ausgangslage war besser als vier Jahre zuvor, zwölf Kilometer Deich waren seitdem erneuert worden. Nur zwei Tage später rief der damalige Landrat Hans Lange den Katastrophenalarm aus, forderte die Bundeswehr an. Die Elbe war deutlich schneller als erwartet gestiegen. Kritischster Punkt war der Rühstädter Bogen. Hier verbauten Soldaten rund 76 000 Sandsäcke. Die Bundeswehr setzte Amphibienfahrzeuge ein, die wasserseitig den Deich verstärkten. Kräftiger Westwind sorgte in den Abendstunden für erheblichen Wellenschlag. Kameraden der Feuerwehr standen hüfthoch im Wasser, kämpften gegen einen drohenden Deichbruch und gewannen. Diese Szenarien sollen nach dem umfangreichen Umbau des Deiches und der Sanierung der Straße nicht mehr vorkommen. Rund 2,3 Millionen Euro wurden investiert, um den Deich auf einer Länge von gut einem Kilometer auf die Bemessungshöhe von 7,99 Meter aufzustocken und zu befestigen. Dazu wurden an der wasserseitigen Böschung 22 Zentimeter dicke Rasengittersteine verlegt, um diese Seite widerstandsfähiger gegen den Wellenschlag zu machen. Mehrere tausend Quadratmeter dieser Steine, von denen einer 30 mal 30 Zentimeter groß ist, wurden extra für das Vorhaben angefertigt.

Neben diesem Projekt des Landesumweltamtes erfolgte die Straßenerneuerung (Ortsverbindung Bälow-Sandkrug) unter Regie der Kreisstraßenmeisterei als gesondertes Projekt. Die 370 000 Euro kamen komplett der Hochwasserhilfsfondsförderung. Die Straße auf der Deichkrone ist auf sechs Meter Breite angewachsen und erhielt eine Schottertragschicht mit Asphaltaufbau. Ergänzt durch je 1,50 Meter breite Bankette ist die Deichkrone damit neun Meter breit. Im Bereich der scharfen Kurve bei Sandkrug wurde die Fahrbahn auf 7,25 Meter aufgeweitet. Für den Anschluss an die Düne wird die Straße auf das dortige Ist-Niveau hinabgeführt.

Bei all der Freude über den besseren Hochwasserschutz haben Anwohner wie Gerald Neu oder auch Bernd Polte, Kreistagsabgeordneter aus Abbendorf, einen weiteren Wunsch. „Der Ringdeich muss nun angegangen werden. Sollte es da ein Hochwasser geben, ist die Verteidigung dieses Deiches fast aussichtslos“, so Neu. Bereits in der Vergangenheit waren die drei Höfe in diesem Bereich ein Opfer der Fluten geworden. Nach Neus Informationen aus der jüngsten Deichschau sollen die Bauarbeiten kommendes Jahr beginnen können.



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