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Der Prignitzer

24. November 2017 | 19:52 Uhr

"Eine Schminke auf Leben und Tod"

vom

svz.de von
erstellt am 03.Apr.2013 | 10:32 Uhr

Fürstenberg/Havel | Nach rund dreijähriger Vorbereitung soll am 21. April die neue Hauptausstellung in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück eröffnet werden. Die Initiatoren wollen vor allem die Sicht von Frauen auf die Leidenszeit während des Naziterrors darstellen. "Die Gedenkstätte verfügt heute über mehr Quellen als je zuvor", sagte die Leiterin Insa Eschebach. "Außerdem sind die Stimmen der Lebenden ausführlich in der neuen Ausstellung präsent." Das einstige Konzentrationslager war das größte Frauenlager der Nationalsozialisten auf deutschem Gebiet. Mehr als 1500 Exponate werden in der Schau gezeigt. Die Kosten betragen rund 2,37 Millionen Euro.

Seit Juli 2009 hat ein dreiköpfiges Team die neue Schau konzipiert, unterstützt wurde es von rund 30 Wissenschaftlerinnen aus Europa. Auf rund 900 Quadratmeter wird das Ergebnis nun bald in der ehemaligen Kommandantur des Lagers zu sehen sein, die für rund 2,88 Millionen Euro saniert wurde. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Eröffnung auf Hochtouren: Möbel werden gerückt, Ausstellungswände beschriftet, Vitrinen bestückt.

Zur Eröffnung anlässlich des 68. Jahrestages der Befreiung des Lagers werden etwa 500 Gäste aus aller Welt in der Gedenkstätte in Fürstenberg/Havel erwartet. "Überlebende sowie Nachfahren der zweiten und dritten Generation nutzen die Eröffnung als Bühne für eigene Aktivitäten", sagte Eschebach. Polnische Schüler wollen ein Theaterstück aufführen. Aus Frankreich kommt eine Wanderausstellung und die Präsidentin des Internationalen Ravensbrück-Komitees, Annette Chalut, wird eine Gedenktafel enthüllen. Zwei Tage lang, so Eschebach, gibt es ein dicht gefülltes Programm.

Auch beim Entstehen der Ausstellung haben sich Frauen aus ganz Europa eingebracht und Erinnerungsstücke zur Verfügung gestellt. Hinzu kommen Fotos und Schriftstücke, die verschiedene Häftlingsverbände bereits zu DDR-Zeiten gesammelt haben. Die Vielfalt ist groß, reicht von der Zigarettenspitze über Schachfiguren, bestickte Taschentücher oder ein winziges aus Fischknochen geschnitztes Teeservice. Einige Objekte berühren besonders - beispielsweise ein Lippenstift mit dem Emblem des Eiffelturms. "Das war eine verbotene Kostbarkeit", erläuterte die Wissenschaftlerin. Ein Schatz, der an den Glanz vergangener Tage erinnerte - im Lager aber eine viel größere Bedeutung bekam. "Die Schminke war eine Schminke auf Leben und Tod", so die Gedenkstätten-Leiterin. Mit dem Lippenrot ließ sich Gesundheit auf die Wangen zaubern. "Diese zunächst unscheinbaren Objekte wollen wir zum Sprechen bringen."

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