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Der Prignitzer

25. November 2017 | 10:55 Uhr

Eine Reise zurück und zu sich selbst

vom

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2013 | 10:35 Uhr

Kuwalk | In Blau, Gelb, Rot oder Grün stechen sie einem ins Auge - die Stecknadeln in der Karte. Ob Afrika, Amerika, Australien oder Asien - die Weltkarte ist übersät mit ihnen. Mal eng beieinander, mal weit auseinander liegend - aber eines haben diese kleinen spitzen Metallnadeln gemeinsam: Sie sind die Zeichen von Götz Schallenbergs Reiselust. "Ich habe so gut wie alle Kontinente schon bereist, nur die Antarktis noch nicht, da fehlt mir ein Sponsor", erzählt Götz Schallenberg Samstag bei der Eröffnung seiner diesjährigen Winterausstellung. Der Künstler muss schmunzeln, als er dieses sagt. Sein kleines Atelier ist gefüllt mit Menschen, die ihn seit vielen Jahren begleiten, gefüllt auch mit seinen Werken - als Maler, Gebrauchsgrafiker, Designer. All das und noch viel mehr steckt in Götz Schallenberg. Im Mittelpunkt seiner Winterausstellung steht er selbst: Götz Schallenberg, Gebrauchsgrafiker und Designer. Mit dieser Schau begibt er sich auf eine Reise in die eigene Vergangenheit, zurück in die DDR, in der er als Künstler nicht mehr arbeiten konnte, weil er sich anders entschied. Nach seinem Rücktritt als Museums direktor beim Magistrat von Berlin erhielt Götz Schallenberg keine Aufträge mehr. "Ich war angezählt, und das, obwohl ich nicht böse war."

Daraufhin zieht er sich zurück, zieht mit seiner Frau Sibylle und drei Kindern, wie er selbst sagt in die Einöde, nach Kuwalk an der Landesgrenze zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Mit einem befreundeten Kollegen hält er sich auf kuriose Weise zehn Jahre lang über Wasser, verdient immer wieder gutes Geld. Dann kommt der nächste "Knick" in seiner Biografie: Die Wende. Fortan bietet er Workshops auf seinem Künstlerhof Kuwalk an, gemeinsam mit seiner Frau Sibylle zeigt er anderen das Spiel mit Farben und Formen.

Inmitten von Freunden und Wegfährten steht Götz Schallenberg, erzählt von seinem Leben und Wirken als Künstler, auch wenn er sich zu DDR-Zeiten als solcher nicht bezeichnen durfte. "Ich war schon immer Künstler." Das bestätigt auch Barbara Molsen, seine Babsi. Schon früh kreuzen sich ihre Wege, bis sie sich letztendlich wieder aus den Augen verlieren. Doch seit mehr als drei Jahren treffen sich die beiden wieder regelmäßig. Götz Schallenberg ist für die Germanistin ihr "Vincent". "Götz war der Einzige im Malsaal der Humboldt-Universität, der malen konnte. Deshalb habe ich ihn nur noch Vincent genannt", erinnert Prof. Barbara Molsen an vergangene Zeiten. "Ich hatte kein Talent, deshalb habe ich mich ganz und gar der Germanistik gewidmet." Viele Jahre arbeitete sie dann beim Fernsehen und Radio, bis sich Barbara Molsen vor gut drei Jahren zur Ruhe setzte. "Ich hatte jetzt Zeit und wollte meinen Vincent wiedersehen. Deshalb habe ich nach ihm gesucht und hier wieder gefunden." Die Augen der Germanistin strahlen, als sie davon berichtet, wie sich die beiden wiedergesehen haben. Auch das ist eine Reise zurück in die Vergangenheit.

Mit auf eine Reise nimmt auch Warnfried Altmann die Besucher der Winterausstellung. "Dich, lieber Götz, nach 15 Jahren Freundschaft noch zu überraschen, ist sehr schwierig. Ich glaube, es gibt kaum etwas, dass du von mir noch nicht gehört hast", sind die Eingangsworte des Wangeliner Saxophonisten. Ein kleiner Holzkasten mit Metallzungen überrascht den Künstler dann doch. Die Musik ist anmutig, aber fremd. Sie stammt von einem anderen Kontinent, aus Tansania in Afrika. Warnfried Altmann spielt auf der Mbira, einem Daumenklavier, das Stück "Im Wartesaal zum großen Glück", ein Lied von Walter Andreas Schwarz. Götz Schallenberg war schon in Afrika. "Auch ich habe schon den Kilimandscharo gesehen, aber die mehr als 5000 Meter hinauf habe ich nicht geschafft", beichtet der Künstler und lächelt. Der schwarze Stecknadelkopf auf der Weltkarte zeigt es an. Er war in Kenia.

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