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Der Prignitzer

20. Oktober 2017 | 01:55 Uhr

Kneipennacht : Eine Perleberger Partynacht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In elf Lokalen spielt die Musik, wird gesungen und getanzt. Konzept der Macher überzeugt die Besucher.

von
erstellt am 01.Mai.2016 | 12:18 Uhr

Es bedarf keiner Kirchturmuhr, die Sonnabend Schlag acht Uhr die Perleberger Kneipennacht eröffnet. Mit einem irren Sound, hämmernden Bässen und gutem Rock machen NoTeFALL im Deutschen Kaiser den Auftakt. Während in manchen Kneipen die Bühnen noch leer bleiben, rockt der Saal im Kaiser.

„Bisschen Spaß wollen wir haben und gute Unterhaltung“, sagt Carsten Mewes. Mit Freunden startet er im Kaiser in die Nacht. Es muss nicht nur Rock wie hier sein. „Wir werden überall reinhören.“ Zeit dafür haben sie, denn anders als in früheren Jahren wird bis 2 Uhr gespielt. „Das ist echt super, bis 24 Uhr war das sonst gar nicht zu schaffen“, ergänzt Mewes Begleiterin. Am gleichen Tisch steht Alexander Krüger aus Pritzwalk. „Das wird unsere erste Kneipennacht. Mal schauen, was so abläuft“, sagt der junge Mann.

Elf Lokalitäten laden ein. Entsprechend groß ist die musikalische Vielfalt. Karibische Klänge im Belluno. Bei Eis und Cocktails zucken die Beine unter den Tischen, nur Salsa zu tanzen, traut sich dann doch niemand.

Wer draußen unterwegs ist, spürt nicht viel von Karibik. Die letzte Aprilnacht kommt typisch norddeutsch daher: kühl und feucht. So liegt es an der jungen Sängerin Sophie Wilde, die Gäste im Speicher Wollweber Open Air in Stimmung zu bringen.

2014 gewann die damals 14-Jährige das SOS-Talentefestival in Wittenberge. Seitdem singt die Schülerin auf Stadtfesten und privaten Feiern. Ob die Musik ein Hobby bleiben oder zum Beruf wird, ist noch offen. „Erst einmal verdiene ich mir damit mein Taschengeld.“

Ein Päuschen legt Tine Winkler mit ihren Freunden aus Rostock und Schwerin ein. „Wir Mädels bereiten ein Klassentreffen vor“, verrät Tine Winkler. Sie haben an der heutigen Gedike-Oberschule gelernt, vor 29 Jahren ihren Abschluss gemacht. „Den 30. feiern alle anderen, wir haben uns für den 29. Jahrestag entschieden“, sagen sie. Doch zunächst wollen sie sich treiben lassen. Ihr nächstes Ziel ist unbestimmt, vielleicht hat ja der Journalist einen Tipp.

Wie wär’s mit dem Statt-café. Das Titanic-Orchester spielt Hits aus den 20er. Man muss die Musik mögen, aber selbst wenn nicht, fällt es bei den drei Herren schwer, distanziert zu bleiben. Virtuos an ihren Instrumenten, stimmlich souverän und Evergreens im Repertoire erobern sie mit dem „Kleinen grünen Kaktus“ oder Heinz Rühmanns Klassiker „Ich brech’ die Herzen der stolzesten Frau’n“ die Herzen ihrer Besucher. Petra aus Berlin ist so begeistert, dass sie den Musikern drei kleine Flachmänner schenkt. Ein gemeinsames Prost und dann wird es doch Zeit, weiter zu ziehen.

Längst sind die Straßen voll. Stimmengewirr mischt sich mit der Musik aus den Lokalen. An den Zapfhähnen fließt das Bier und wer Bratwurst anbietet, muss zügig auf dem Grill nachlegen. Für ein Fazit ist die Nacht noch zu jung, aber rund 1000 Karten im Vorverkauf stimmen optimistisch, meint Steven Hausmann, Inhaber des Deutschen Kaisers. Es machen deutlich mehr Gastronomen als im Vorjahr mit und dass sich jeder seine eigene Band aussucht, sei genau richtig. Erst seit dem vergangenen Jahr organisieren die Wirte die Kneipennacht in Eigenregie, nachdem sich die bisherigen Veranstalter zurückgezogen hatten.

Auch Theo Dierks vom Speicher Wollweber ist vom neuen Konzept überzeugt. „Allein schon durch die Vorbereitung rücken wir Gastronomen enger zusammen.“ Jeder bringe Ideen ein. Für das nächste Jahr kann sich Dierks vorstellen, die kulinarische Vielfalt zu vergrößern. „Wir müssen nicht nur Bratwurst anbieten“, meint er.

Bis es so weit ist, feiern die Perleberger und ihre Gäste, darunter viele aus Wittenberge, munter weiter durch die Nacht. Von Müdigkeit ist nirgends etwas zu spüren. Selbst wenn jemand schwächeln sollte, dürfte ihm Billy Rock neue Energie geben.

„Wir spielen die ultimativen Tanz und Partykracher“ sagen die vier Küstencowboys über sich selbst und wer sie im Avalon erlebt, zweifelt keine Sekunde daran und wer sie nicht erlebt, hat definitiv einen der Höhepunkte dieser Kneipennacht verpasst. Jutta Kuwan singt und tanzt mit der Band. Die spielt Twist und dabei könne sie einfach nicht still sitzen, meint Jutta Kuwan, die mit ihrem Mann Bernard aus Groß Linde gekommen ist. „Wir sind häufig auf der Kneipennacht dabei. So etwas muss man einfach mitmachen“, sagt sie.

Die Kirchturmuhr rückt auf Mitternacht vor. Kein Grund, den Abend zu beenden, sagen sich die Partygäste. Im L’Italiano steht die Luft, klirren Gläser und Flaschen. Wer hier rein möchte, braucht nicht nur das obligatorische Eintrittsbändchen, sondern auch etwas Glück, einen freien Platz zu erwischen. Katharina Gogolin hat dieses Glück. Am 11. Juni wird sie heiraten, heute zieht sie mit Freundinnen durch die Nacht. „Wir lassen es krachen“, sagt sie.

 

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