„Eine Kochplatte, die explodiert nicht“

Vermeintliche Tellermine im Wald ruft Kampfmittelbeseitigungsdienst auf den Plan – Fehlalarm

von
28. Juli 2014, 16:26 Uhr

„Die Story mit der Kochplatte, die aussah wie eine Mine, die ist mir passiert“, berichtet Carsten Kieback. Er muss darüber selbst lachen, als seine Frau ihm die Passage aus dem Beitrag über die Entschärfung der Fliegerbombe in Wittenberge vorliest. Gerd Fleischhauer, zuständiger Truppführer beim Kampfmittelbeseitigungsdienst des Zentraldienstes der Polizei Berlin-Brandenburg, berichtet von diesem Fehlalarm und betont aber, dass sie lieber einmal umsonst gerufen werden, als einmal zuspät.

Es war im Frühjahr vergangenen Jahres. Carsten Kieback, er züchtet Hunde, war mit einigen Tieren im Wald von Lübzow-Ausbau unterwegs. Urplötzlich beginnt einer der Hunde wie wild zu schnüffeln und zu scharren. Neugierig sieht Carsten Kieback nach. Ein runder metallener Gegenstand liegt da, von Laub und teilweise mit Erde bedeckt. „Was mich stutzig machte, waren zwei Drähte, die herausragten“, erzählt er. Was tun? Kieback entscheidet sich, erst einmal die Hunde nach Hause zu bringen. Dann schnappt er sich den Fotoapparat und macht Bilder von dem eigentümlichen Fund. „Ich war mir nicht sicher. Was, wenn es eine Mine ist? Immerhin fanden in diesem Gebiet Kampfhandlungen statt“, geht es ihm durch den Kopf. Also wird nichts angefasst aber zumindest ein Foto geschossen. Über mehrere Ecke gelangt dieses dann an einen Fachmann. Auch der mutmaßt, es könnte sich unter Umständen um eine Tellermine handeln.

Damit ist die Maschinerie in Gang gesetzt. Das Ordnungsamt der Stadt, die hiesige Polizei, alles rückt an, das Gebiet unmittelbar um die Fundstelle wird abgesperrt. Eine Stunde später ist auch schon der Kampfmittelbeseitigungsdienst an Ort und Stelle. „Unser Hof liegt nicht weit weg“, ergänzt Carsten Kieback, dem schon Schlimmes schwant. Denn, wenn sich die Vermutung bestätigt, dann muss alles geräumt werden, sagt man ihm. „Auch die Hunde?“ „Auch die Hunde“, bekommt er zur Antwort. „Die Anspannung war riesig, ich konnte kaum einen klaren Gedanken fassen, und dabei gab es so vieles, was zu bedenken war“, erinnert sich Kieback.

Bevor aber das große Packen beginnt, nimmt der Fachmann vom Kampfmittelbeseitigungsdienst den mysteriösen Fund in Augenschein. „Er zieht sich Handschuhe an, guckt einmal und guckt noch einmal. Dann nimmt er das Ding hoch. „Mir stockte der Atem, ich stand ja nur einige Meter entfernt“, berichtet Kieback. „Keine Angst, Kochplatten explodieren nicht“, sagt der Kollege, der es immer noch fast täglich mit Hinterlassenschaften des Krieges zu tun hat.

Den Stein, der Carsten Kieback vom Herzen fällt, hätte man hören können, so groß sei er gewesen. „Ich hatte noch einige Zeit danach weiche Knie“, gesteht er. „Aber das sind eben Fachleute, die wissen, was sie tun.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen