Eine himmlische Aufgabe

 Rainer Rohwedder demonstriert die allmorgendliche  Prozedur : Zur Niederschlagsmessung kippt er das Wasser aus der Sammelkanne in den Messbecher.Susann Matschewski
Rainer Rohwedder demonstriert die allmorgendliche Prozedur : Zur Niederschlagsmessung kippt er das Wasser aus der Sammelkanne in den Messbecher.Susann Matschewski

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14. Oktober 2011, 10:41 Uhr

Hasenwinkel/Pirow | Einen ganz unscheinbaren Eindruck macht der silberne Edelstahlbehälter, der auf Rainer Rohwedders Wiese in Hasenwinkel bei Pritz walk steht. Nicht mehr als einen Meter hoch und an einer Metallstange angebracht, erinnert er eher an einen Abfallbehälter als an das, was er tatsächlich ist: ein Niederschlagsmesser des Deutschen Wetterdienstes. Mit dessen Hilfe zeichnet Rainer Rohwedder täglich für den Raum Pritzwalk die gefallene Niederschlagsmenge auf.

Seit sechs Jahren arbeitet der Landwirt Rohwedder ehrenamtlich für den Wetterdienst. Er ist damit einer von rund 2000 Niederschlagsbeobachtern in ganz Deutschland, wie Maria Funk von der Regionalen Messnetzgruppe Potsdam des Deutschen Wetterdienstes informiert. Allein in der Prignitz gebe es zwölf Wetteraufzeichner. Der Deutsche Wetterdienst Potsdam sucht aktuell einen Nachfolger für Pirow-Waldhof. Dort war Freimut Hunstätter bis vor kurzem 38 Jahre lang Niederschlagsbeobachter ("Der Prignitzer" berichtete). "Der- oder diejenige sollte in Pirow-Waldhof oder im Umkreis von fünf Kilometern wohnen", betont Maria Funk. Für die verantwortungsvolle Aufgabe müsse der ehrenamtliche Mitarbeiter jeden Morgen pünktlich um 6.50 Uhr, im Sommer um 7.50 Uhr, die gefallene Regenmenge, im Winter auch den Schneebedeckungsgrad der letzten 24 Stunden messen. Rainer Rohwedder erklärt, wie das genau funktioniert: "Durch einen Trichter gelangt das Niederschlagswasser in eine Sammelkanne im Inneren des Messgerätes. Dort ist es vor Verdunstung geschützt. Zur Messung fülle ich das Wasser aus der Kanne in einen Messzylinder." Wenn es im Winter schneit , lässt er den Schnee erst in der warmen Wohnung auftauen, bevor gemessen wird. Auch die Höhe des Neuschnees zu bestimmen, gehört zu seiner Aufgabe.

Rainer Rohwedder ist Wetterbeobachter aus Leidenschaft. Nicht nur, weil ihn das Thema persönlich interessiert, sondern auch, weil er als Landwirt vom Wetter abhängig ist. Schon bevor er sich 2005 beim Deutschen Wetterdienst für die Tätigkeit bewarb, machte er für sich selbst täglich Aufzeichnungen von Temperatur und Niederschlag. "Ich kann damit das Wetter zwar nicht beeinflussen, aber es ist mir möglich, rückwirkend Schlüsse zu ziehen", sagt er. Durch seine ehrenamtliche Verpflichtung habe sich daher fast nichts geändert. "Ich bin jetzt nur zur täglichen Messung gezwungen, einfach mal aussetzen ist nicht möglich." Wenn Rohwedder mal nicht könne, übernimmt diese Aufgabe entweder sein Sohn oder sein Vater. "Es ist auch eine einfache Arbeit", macht der 52-Jährige deutlich. Und es gehe schnell: "In zwei Minuten bin ich damit durch", fügt er hinzu.

Die Messdaten notiert Rohwedder in eine Liste, die er am Monatsende per Post zum Deutschen Wetterdienst schickt. Noch, denn wie überall, schreitet auch hier die Digitalisierung voran: "Ab November werden die Listen hinfällig. Dann läuft alles online. Die Angaben schicke ich dann täglich über ein spezielles Programm per Internet zum Wetterdienst." Maria Funk weist hier auf ein grundsätzliches Problem hin: "Nicht überall in der Prignitz kann DSL empfangen werden. Das ist aber notwendig für die Datensendung. Ein Modem funktioniert hier nicht." Alternativ sei aber auch eine UMTS-Verbindung möglich. Rainer Rohwedder hat dieses Problem zum Glück nicht, denn Hasenwinkel ist mit DSL versorgt.

Wer Niederschlagsbeobachter in Pirow werden möchte, sollte aber nicht nur über eine schnelle Internetverbindung verfügen, sondern auch ein geeignetes Grundstück besitzen: "Bevor ich für die Aufgabe zugelassen wurde, kam jemand vom Wetterdienst zu mir und hat mein Grundstück inspiziert", erinnert sich der Landwirt. Das Grundstück, auf dem der Niederschlagsmesser aufgestellt werden kann, dürfe nicht zu nah an einem Wald oder an Hauswänden gelegen und sollte möglichst ebenerdig sein. Bäume und Gebäude müssen laut einer Pressemitteilung des Deutschen Wetterdienstes "vom Messplatz doppelt so weit entfernt sein, wie sie hoch sind." Interessenten sollten Zeit mitbringen, sorgfältig und gewissenhaft arbeiten, wie Rohwedder anmerkt. "Sie sollten vor allem auch eine Vertretung für die Urlaubszeit haben", ergänzt Maria Funk. Der Deutsche Wetterdienst zahlt eine jährliche Aufwandsentschädigung von 635 Euro.

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