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Der Prignitzer

19. November 2017 | 15:28 Uhr

Eine Brücke macht sich auf den Weg

vom

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erstellt am 05.Jul.2013 | 09:17 Uhr

Karstädt/Malchow | Langsam, Zentimeter für Zentimeter wird der dunkelgraue Stahlkoloss in die Höhe gehoben. Schwankungen darf es hier nur wenig geben. Immer wieder greift Detlef Möhr regulierend ein. Mal heißt es "stop", dann "weiter", bevor sich die ausgestreckten Hände des Fertigungsleiters, die Entfernung anzeigend, einander annähern und sich schließlich ganz berühren - dann liegt das erste der drei Brückenteile auf dem Sattelauflieger. Noch zwei weitere sollen folgen, erst dann kann sich der Tross mit der zukünftigen Malchower Drehbrücke in Bewegung setzten und von den Werkshallen der Schorisch Magis GmbH in Karstädt gen Brandenburg an der Havel aufbrechen.

"Vor allem muss ich beim Verladen darauf achten, dass die Anschlagpunkte richtig gesetzt, die Transportlagen stimmig und die Brücke waagerecht eingelegt wird", erzählt Möhr. Dabei ist das Mittelteil mit dem so genannten Königsstuhl, auf den der Drehkranz montiert wird und der nochmals fünf Tonnen auf die Waage bringt, besonders kompliziert zu verladen. Alle drei Einzelteile, mit einem Gesamtgewicht von bis zu 80 Tonnen, sollten bis zum Abend transportfertig sein, doch bis es so weit war, waren viele Arbeitsstunden nötig. Nachdem am 4. Mai die Kiellegung erfolgt war (der Prignitzer berichtete), waren die Mitarbeiter des Unternehmens acht Wochen lang damit beschäftigt, die 500 Einzelteile zu drei Gesamtgebilden zusammenzuschweißen. "Wir sind genau planmäßig fertig geworden, aber es war schon eine sehr kurze Frist, und wir mussten in drei Schichten arbeiten", verdeutlicht der Geschäftsführer des Stahlbauunternehmens, Jost Weimer.

Viel Arbeit, doch dass es das Wert war, sollen die Einwohner des mecklenburgischen Malchow Ende Juli bewerten, wenn sie ihr zukünftiges Technikdenkmal zum ersten Mal erblicken können. Am 25. Juli sollen die Teile dorthin gebracht werden und nachdem sie montiert sind, wieder die historische Inselaltstadt mit dem Festland verbinden. Dann auch wird sich die seltene Drehbrücke, die optisch einem stählernen Segelboot gleicht, tagsüber zu jeder vollen Stunde über ein Drehlager um 90 Grad zur Seite bewegen und den Weg für Schiff frei machen.

Noch haben Jost Weimer und Detlef Möhr andere Probleme. "Wir haben vier Wochen für die Transportgenehmigung gebraucht, aber jetzt ist der 180-Tonnen-Kran ausgefallen", so Weimer. Nichts ging mehr. Weder hoch noch runter konnte das schwere Mittelstück der Brücke bewegt werden. "Eventuell müssen wir mit den beiden City-Kränen arbeiten, die jeweils etwa 80 Tonnen heben können", gab sich Weimer optimistisch. Und so kam es dann auch. Der Kran konnte repariert werden, und alle Teile lagen pünktlich um 16 Uhr auf den Transportfahrzeugen.

Doch Zeit zum Luftholen sollte nur wenige Stunden bleiben. "Um 22 Uhr rollt dann der knapp 100 Meter lange Konvoi mit den Polizeibegleitfahrzeugen vom Hof", so Weimer. Über die teilweise gesperrte B 5 geht es über Perleberg nach Pritzwalk auf die Autobahn 24 Richtung Berlin, bevor gegen 6 Uhr morgens das Ziel in Brandenburg an der Havel angesteuert werden soll. Hier, im ehemaligen Stahlwerk, erhält der Metallkoloss seine Beschichtung.

Während dessen wird im Stahlbauunternehmen nach dem Großprojekt wohl wieder etwas Normalität eingekehrt sein, denn die Auftragsbücher für das Jahr sind voll. Doch ganz so einfach geht man auch in Karstädt nicht zum Tagesgeschäft über. "Erst einmal gibt es für die Belegschaft nach getaner Arbeit ein Grillfest", erzählt der Geschäftsführer. Worte, die sicher auch die Malchower Bürger gern hören werden.

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