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Geglückte Operation : Ein zweites Leben geschenkt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Pritzwalker Patient wird erfolgreich am Helios Klinikum Schwerin operiert

von
erstellt am 09.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Geister können weder reden noch eine Flasche Wasser öffnen. Andreas Dumnick macht beides. Ein Geist kann er also nicht sein, aber unter den Lebenden dürfte der 35-Jährige auch nicht mehr weilen. Dass der Pritzwalker es dennoch tut, grenzt an ein medizinisches Wunder, über das selbst sein behandelnder Arzt PD Dr. Oliver Heese im Klinikum Schwerin staunt.

Monatelang lebte Andreas Dumnick mit einer Hirnblutung. Es begann vor rund einem Jahr im vergangenen Sommer mit starken Nacken- und Kopfschmerzen. Nach zwei Tagen waren sie verschwunden. „Kann ja alles Mögliche sein. Ich dachte an eine Verspannung“, erzählt Andreas Dumnick. Auch der plötzlich auftretende kleine Sprachfehler beunruhigte ihn nicht wirklich. Eine zuvor stattgefundene Zahn-OP vermutete er als Ursache. Alles kein Grund, um zum Arzt zu gehen. „Mehrere Monate blieb ich praktisch beschwerdefrei.“


Richtige Diagnose in Perleberg


Erst vor Weihnachten ging es ihm spürbar schlechter. Die starken Kopfschmerzen kehrten zurück, ab und an ein Kribbeln im rechten Arm. Andreas Dumnick wurde schwächer, fühle sich oft müde. „Heiligabend habe ich mich hingelegt, dann sprach meine Mutter ein Machtwort.“ Am Tag darauf ging er ins Krankenhaus Pritzwalk, wurde sofort ins Kreiskrankenhaus nach Perleberg überwiesen. Schlaganfall lautete die anfängliche Diagnose. Eine CT-Aufnahme des Gehirns erbrachte aber noch immer keine endgültige Klarheit. Erst das folgende MRT-Bild: Hirnblutung.

Der Prignitzer kam umgehend ins Helios Klinikum Schwerin zu Chefarzt PD Dr. Oliver Heese. Der sah sich die MRT-Aufnahmen der Perleberger Kollegen an, blickte ungläubig zu seinem Patienten. „Nach den Bildern hätte es ihm extrem schlecht gehen müssen, aber er konnte sogar noch stehen“, sagt Heese.

Die Blutung befand sich im Hirnstamm. „Dort werden Grundfunktionen wie unsere Atmung oder die Muskelbewegungen gesteuert“, erklärt er. An der engsten Stelle, die Heese wie eine Sanduhr beschreibt, und durch die alle Informationen unsere Gehirns müssen, blickte der Neurochirurg auf einen Blutschwamm. Er sah aus wie eine Himbeere. „Die Wand war geplatzt, aber das Blut spritzte zum Glück nicht heraus, sondern sickerte nur ganz leicht.“


Entscheidung für eine riskante Operation


2,5 Zentimeter groß war die Blutung. Für den Spezialisten war sofort klar: Hier besteht Lebensgefahr. Doch eine sofortige Operation war nicht möglich. „Sie ist äußerst riskant. Im Team überlegten wir: Operieren oder nicht? Und wenn ja, wie sollten wir überhaupt zu dieser Stelle im Hirnstamm vordringen?“

Für Andreas Dumnick begann eine zehntägige Wartezeit auf der Intensivstation. „Ich durfte nicht aufstehen, aber ich hatte keine Schmerzen.“ Der rechte Arm war kraftlos und zitterte, aber sonst habe er sich gut gefühlt. Ablenkung gab es auf der Station für ihn nicht. Dumnick blickte aus dem Fenster und wartete.

Erst grübelte er über sein Schicksal nach, über seine Zukunft und seine Überlebenschancen. Dr. Heese hatte ihm gesagt, dass er die Operation vielleicht nicht überleben werde. „Aber im Endeffekt war ich doch machtlos, konnte nichts tun, außer den Ärzten zu vertrauen“, so der Pritzwalker.

Am 9. Januar operierte Dr. Heese mit seinem Team den Patienten. „Wir legten einen fünf Millimeter großen Zugang, saugten mit einer Spezialpinzette das Blut heraus.“ Der Eingriff erfolgte ganz nah an vitalen Funktionen. „Sein Herz hörte während der fast fünfstündigen OP mehrfach auf zu schlagen“, sagt Heese. Aber alles verlief gut. Für Andreas Dumnick begann an diesem Tag ein zweites Leben. Auf 100 000 Menschen kommen zwei bis drei mit so einem Kavernom im Gehirn. Im Hirnstamm wie bei Andreas Dumnick ist es extrem selten. Heese spricht von 0,2 Fällen unter 100 000 Menschen. Der Prignitzer habe viel Glück gehabt und eine Grundlage dafür sei die Erstdiagnose in Perleberg gewesen.


Genesung schreitet voran


Die Zusammenarbeit mit dem Kreiskrankenhaus sei aus Dr. Heeses Sicht sehr gut. Insbesondere hebt er die Arbeit seines Kollegen Chefarzt der Neurologie Dr. Petrik hervor. Die Neurochirurgen seien das letzte Glied in der Behandlungskette, „aber genauso wichtig sind die Kollegen die die Erkrankungen diagnostizieren und die richtigen Entscheidungen treffen“, sagt Heese. „Akute Notfälle mit Hirnverletzungen werden von Perleberg zügig mit dem Rettungshubschrauber zu uns verlegt. Darüber hinaus arbeiten wir in der Diagnostik zusammen, beraten die Perleberger Kollegen zum Teil bei Tumorerkrankungen.“

Seinem Patienten Andreas Dumnick gehe es weiterhin gut. Im April gab es eine MRT-Kontrolle. Die Bewegungsstörung der rechten Körperhälfte sei weiter rückläufig. „Es sind nur noch Kleinigkeiten“, sagt Dumnick und gestern verrät er am Telefon noch eine weitere Neuigkeit: „Ich kann wieder arbeiten gehen, verkürzt, aber ich arbeite.“
 

 

 

 

 

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