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Rekordverdächtig : Ein tolles Meerforellenjahr

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Bei der Wiederansiedlung von Lachsen und Meerforellen in Prignitzer Gewässern gibt es unterschiedliche, dennoch gute Fortschritte

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erstellt am 30.Dez.2015 | 14:42 Uhr

Es wird ein Rekordjahr für die Meerforelle, da ist sich Ulli Thiel vom Landesanglerverband Brandenburg jetzt schon sehr sicher. Mit seinen Mitstreitern vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam/Sacrow, Steffen Zahn, und Mirko Beutling vom Fario e. V. aus Silmersdorf war er mehrfach auf der Stepenitz unterwegs und fischte nach zurückgekehrten Meerforellen und Lachsen. „Wir haben hier bisher 134 Meerforellen gefangen. Das ist bereits jetzt ein neuer Rekord. Unsere bisherige Bestmarke lag bei 111 Fischen in einer Saison“, so Thiel.

Allerdings sind die Tiere, die hier mit dem elektrischen Gerät gefangen werden, sind nicht für das Festmahl gedacht. Sie werden zum Teil in das Bruthaus nach Silmersdorf gebracht und teilweise oberhalb von Perleberg bei Lübzow wieder ausgesetzt. Die besten und stärksten Tiere kommen nach Silmersdorf in die Brutanlage des Fario e.V. Hier werden die Eier der Weibchen abgestreift, wenn die Zeit dafür reif ist mit der Milch der Männchen befruchtet und kommen in Brutschränke. Wenn dann nach einigen Wochen die kleinen Meerforellen geschlüpft sind, werden sie in der Stepenitz und den kleinen zufließenden Bächen wieder ausgesetzt. Auch die Elterntiere kommen dann wieder in die Freiheit zurück.

„Meerforellen kommen mehrfach zum Laichen in ihre Heimatgewässer und wandern danach wieder ab in Richtung Nordsee“, erklärt Mirko Beutling. Deshalb werden die Tiere nach ihrem Fang nicht nur gemessen und gewogen, sondern bekommen auch eine nummerierte Markierung an der Rückenflosse. Dieses kleine Bändchen zeigt den Experten dann im kommenden Jahr, ob der Fisch schon einmal gefangen wurde und gelaicht hat. „Es gab schon Meerforellen, die wir dreimal gefangen hatten. Es ist manchmal schade, dass die Fische von ihren Reisen nicht erzählen können“, meint Mirko Beutling, der die Brutanlage in Silmersdorf auf seinem Grundstück betreut.

Schwierig gestaltet sich indes die Wiederansiedlung des Lachses in der Prignitz. Was bei der Meerforelle gut funktioniert, bleibt beim Lachs schwierig. „Wir wissen nicht genau, woran das liegt, wahrscheinlich weil die Lachse bis in den Atlantik wandern und mehr Gefahren ausgesetzt sind als Meerforellen“, macht Steffen Zahn vom Institut für Binnenfischerei deutlich. Zwar wurden man auch 2015 bereits zehn Lachse gefangen, die zum Laichen in die Stepenitz zurückkehrten, angesichts der hohen Zahl an Tieren, die in die Stepenitz ausgesetzt werden, ist dies aber eine sehr geringe Quote. „Die Lachse sind auch oft in einem schlechten Zustand. Sie haben Spuren von Netzen, aus denen sie entkommen sind, sie weisen zahlreiche Verletzungen, Bissspuren von Seehunden auf, die sie dennoch auf ihrem Weg nach Hause nicht aufhalten“, sagt Ulli Thiel. Nur leider sind es eben immer noch zu wenige. Ein Grund ist sicher auch, dass den Lachsen durch die Fischerei viel stärker nachgestellt wird als den Meerforellen. Am Fischpass am „Deutschen Kaiser“ in Perleberg gibt es eine Kamera. Sie ist unter Wasser montiert und arbeitet mit einem Bewegungsmelder. Kommt ein Fisch den Fischpass entlang geschwommen, schaltet sich die Kamera ein und zeichnet die Bilder unter Wasser auf. Daher wissen die Fischereibiologen, dass sie etwa nur die Hälfte der aufsteigenden Fische auch tatsächlich zu Gesicht bekommen. Die gleiche Zahl findet den Weg über den Fischpass in Perleberg und steigt selbstständig in ihre Laichgebiete auf. Eine Übertragung der Unterwasserbilder direkt in den „Deutschen Kaiser“ gibt es im Moment noch nicht, da wollte der Gastwirt nicht mitmachen, heißt es. Aber ein Stream auf einem Server und eine ähnliche Funktion wie bei einer Webcam seien durchaus denkbar, heißt es. Jedoch ist die Unterhaltung der Kameraanlage nicht ganz einfach. Denn auch bei kalten Temperaturen muss ein Taucher in den Fischpass, um die Kamera regelmäßig zu säubern, damit sie gute Bilder liefern kann.

Bis zum Jahresende waren die Fischereibiologen auf der Stepenitz unterwegs, um nach Rückkehrern Ausschau zu halten und so ihren Anteil zu leisten, damit Lachse und Meerforellen ihre Populationen in der Prignitz weiter aufbauen.

 

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